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Wirtschaft im Weitwinkel

Die katastrophale Überbewertung des Rentenmarkts

In der Euro-Zone mehren sich die Anzeichen für einen Anstieg der Inflation. Die Folgen werden vor allem für den Rentenmarkt dramatisch: steigende Renditen und Überbewertungen, die zur Panik führen können.

Von null auf hundert und zurück
Negativ verzinste deutsche Staatspapiere: Quelle: dpa
Mario Draghi Quelle: REUTERS
Zentralbankzins für Einlagen unter null Quelle: dpa
Der Bund verdient Geld mit Anleihen. Quelle: dpa
16. Januar 2015Die Schweiz schreibt Geschichte am Anleihemarkt: Erstmals sinkt in einem Land  die Rendite einer Anleihe mit der Laufzeit von zehn Jahren unter null Prozent. Grund dafür war die überraschende Entscheidung der Schweizer Notenbank vom Vortag, den Euro-Mindestkurs zum Franken aufzuheben. Die Folge: Der Franken wertet drastisch auf, die Aktienkurse brechen ein – und Anleger fliehen in Anleihen.  Am 9. April profitieren die Schweizer Steuerzahler von den Minuszinsen. Die Schweiz stockt die die zehnjährige Anleihe, die einen Zinsschein von 1,5 Prozent hat, zu einem Kurs von 116 Prozent auf. Daraus errechnet sich bei der Auktion eine negative Rendite von minus 0,055 Prozent. Anleger versuchen damit, den Strafzins von 0,75 Prozent zu umgehen, den die Schweizer Notenbank für kurzfristige Einlagen von Banken  festgelegt hat. Quelle: dpa
Die EZB macht Ernst. Quelle: dpa
Der Bund verdient jetzt Geld mit einer Fünfjahres-Anleihe Quelle: dpa

In dieser Woche sind die Renditen deutscher Bundesanleihen mit einer 10-jährigen Laufzeit das erste Mal unter null Prozent gefallen. Auslöser für den erneuten Renditerückgang war diesmal nicht die Europäische Zentralbank (EZB) mit einem neuen Kaufprogramm für Staatsanleihen, sondern die immer größer werdende Sorge vor einem Brexit.

In den letzten Umfragen haben die Befürworter eines Austritts von Großbritannien aus der Europäischen Union deutlich zugelegt. Sie liegen jetzt vorne. Somit ist ein Brexit nicht auszuschließen. Alle Anlageformen haben auf diese Entwicklung negativ reagiert. Bei den Bundesanleihen war das Renditeniveau allerdings auch schon vorher sehr niedrig. Da lag es bei nur 0,05 Prozent.

Es wäre denn auch unfair, dem immer wahrscheinlicheren Brexit allein die Schuld an dem aktuell absurd niedrigen Renditeniveau zu geben. Für dieses Niveau ist hauptsächlich die EZB verantwortlich. Mit ihrem riesigen Kaufprogramm für Staatsanleihen aus dem Euroraum hat sie die Renditen auf dieses niedrige Niveau gedrückt.

Realwirtschaftlich machen diese niedrigen Renditen wenig Sinn. Eigentlich wollte die EZB mit dem Kaufprogramm die Inflationserwartungen anheben und das Kreditwachstum stärken. Doch ein solches Wachstum hat es allenfalls bei Immobilienkrediten gegeben. Die Kreditnachfrage bei Unternehmen ist dagegen kaum über die Nulllinie gestiegen. Bei den Unternehmen scheinen die Kapitalkosten keine Rolle zu spielen. Das fundamentale Umfeld ist bislang zu schwach, um einen spürbaren Anstieg der Kreditnachfrage anzuregen.

Geldpolitik der EZB: Belastungen durch Niedrigzinsen

Das derzeitige Renditenniveau bei den Bundesanleihen geht einher mit einer sehr niedrigen Inflation. Diese liegt im Euroraum zurzeit bei -0,1 Prozent, vor allem wegen des kräftigen Falls des Ölpreises im vergangenen Jahr. Allerdings scheinen die Tage der sehr niedrigen Inflation im Euroraum gezählt zu sein. Der Ölpreis ist in den vergangenen Wochen kräftig gestiegen und liegt jetzt bei rund 50 Dollar je Barrel. Das hier erreichte Preisniveau beim Öl sollte gehalten werden.

Das Überschussangebot auf dem Weltmarkt für Rohöl wird vor allem durch ungeplante Förderausfälle in mehreren Ländern offensichtlich schneller abgebaut, als es noch vor einigen Wochen den Anschein hatte. Gleichzeitig werden die Schätzungen für die globale Nachfrage leicht nach oben korrigiert. Jedoch sollte der Ölpreis nicht ungebremst weiter steigen, denn der steigende Preis wird nun wiederum die geförderten Mengen in die Höhe treiben.

Beispielsweise dürften in den Vereinigten Staaten die Explorationsaktivitäten im Fracking-Bereich wieder anziehen, aber auch einige Schwellenländer, die teilweise erheblich unter dem Preisverfall gelitten hatten, dürften ihre Fördertätigkeit nun wieder erhöhen.

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