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Wirtschaft im Weitwinkel

Die katastrophale Überbewertung des Rentenmarkts

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Kommt der Panik-Modus?

Die Folge des steigenden Ölpreises ist eine steigende Inflation. Bis Ende 2016 wird die Inflation im Euroraum voraussichtlich um rund 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen und im ersten Quartal 2017 dürfte die Preissteigerungsrate dann sogar bei etwa 1,5 Prozent liegen. Im Laufe des Jahres 2017 wird sie sich dann um diesen Wert einpendeln. Damit wäre dann das Inflationsziel der EZB von zwei Prozent fast erreicht.

Geldpolitik der EZB: Entlastungen durch Niedrigzinsen

Mit dem Anstieg der Inflation ändert sich dann auch das fundamentale Umfeld für den Rentenmarkt. Die massive Überbewertung im Rentenmarkt wird für alle deutlich sichtbar. Denn die Realrenditen liegen Ende des Jahres bei voraussichtlich minus ein Prozent, bei einem erwarteten Wirtschaftswachstum von rund 1,5 Prozent. Es dürfte also zu einer massiven Preisanpassung am Rentenmarkt kommen und das unabhängig davon, ob die EZB weiter Staatsanleihen kauft oder das Kaufprogramm im Verlauf von 2017 tatsächlich beendet.

Mit dem Anstieg der Inflation wird eine Neubewertung des Rentenmarktes sehr wahrscheinlich. Daher wird die Verkaufsbereitschaft der Investoren mit der steigenden Inflation merklich zunehmen, um die Gewinne auf Rentenpapiere, vor einem dann erwarteten Preisrutsch nach unten, zu sichern.

Angesichts der Überbewertung der europäischen Rentenmärkte und der sehr dünnen Marktliquidität, kann diese Neubewertung auch in einer Panik an den Rentenmärkten enden - dem Platzen der Renten-Blase. Eine solche Entwicklung würde dann innerhalb von Tagen oder wenigen Wochen zu einem deutlichen Anstieg der Renditen führen.

Ein solch sehr schnelles Ansteigen der Renditen könnte sich dann auch wieder negativ auf das Wachstum und die Staatshaushalte der südlichen Euroländer auswirken. Denn die dann höheren Renditen könnten die Investitionsentscheidungen der Unternehmen ungünstig beeinflussen. Bei den Staatshaushalten würde die höheren Zinsen die Finanzierung deutlich teurer machen und die Staatshaushalte entsprechend belasten.

Die wichtigsten Fakten zur niedrigen Inflation

Das Risiko an den Rentenmärkten ist also erheblich. Sobald sich die ersten Anzeichen der Inflation zeigen werden, dürften sich die Investoren entsprechend neu orientieren. Die Folgen für die reale Wirtschaft könnten in einem solchen Falle negativ ausfallen. Gegen eine solche Entwicklung könnte dann auch die EZB nichts tun. Letztendlich wäre dies die Folge ihrer Politik in den vergangenen Jahren. Falls es zu einem Brexit kommt, dürfte sich die Normalisierung der Bewertung an den Rentenmärkten allenfalls zeitlich verschieben, dabei dürfte das Problem aber nur noch größer werden.

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