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Wirtschaft wächst zaghaft DIW plädiert für Investitionsfonds in Europa

Die Euro-Staaten lassen das tiefe Tal der Krise hinter sich. Doch bergauf geht es ganz langsam. Deshalb plädiert das DIW für ein Investitionsfonds. In Deutschland wuchs die Wirtschaft zu Jahresbeginn hingegen kräftig.

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Während Deutschlands Wirtschaft kräftig wächst, kommt Wirtschaft in den 18 Ländern mit der Euro-Währung nur langsam voran. Quelle: dpa

Luxemburg/Berlin Die Wirtschaft in den 18 Ländern mit der Euro-Währung nimmt nur langsam wieder Fahrt auf. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im ersten Quartal des laufenden Jahres um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Die Europäische Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg bestätigte damit am Mittwoch zwei Schätzungen aus den Vormonaten. In den letzten drei Monaten des Jahres 2013 hatte das Wirtschaftswachstum in der Eurozone bei 0,3 Prozent gelegen.

Besonders robust präsentierte sich Deutschland: Hier zog die Wirtschaft zu Jahresbeginn um 0,8 Prozent an, so stark wie seit drei Jahren nicht mehr. Gründe dafür waren der milde Winter und die starke Inlandsnachfrage. Für Frankreich vermeldeten die EU-Statistiker hingegen Stagnation. Die Wirtschaftsleistung von Italien, der drittgrößten Volkswirtschaft des Euroraums, ging um 0,1 Prozent zurück.

Die schwächelnden Volkswirtschaften Südeuropas geben kein einheitliches Bild ab. Während die Wirtschaftsleistung Zyperns zu Jahresbeginn um 0,7 Prozent schrumpfte, legte Spanien um 0,4 Prozent zu. Jüngste Zahlen für Portugal stammen aus dem dritten Quartal 2013 (0,2 Prozent). Für Griechenland lagen keine Daten vor. In allen 28 EU-Ländern lag das Wachstum im ersten Vierteljahr 2014 bei 0,3 Prozent. Starke Zahlen meldete hier das Nicht-Euro-Land Großbritannien mit 0,8 Prozent Zuwachs.


Investitionsfonds zur Überwindung der Wachstumsschwäche

Zur Überwindung der Wachstumsschwäche in Europa schlagen die DIW-Forscher indes einen Investitionsfonds vor. Dieser sollte kleine und mittlere Firmen unterstützen und ihnen mehr Investitionen ermöglichen, teilte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) am Mittwoch mit. Der auf fünf Jahre begrenzte Fonds könnte bei der Europäischen Investitionsbank angesiedelt sein. Er könnte Garantien an Banken geben und so Risiken übernehmen, damit diese verstärkt Kredite ausreichen, sagte DIW-Präsident Marcel Fratzscher. Er bezifferte die Investitionslücke im Euroraum auf jährlich etwa zwei Prozent der Wirtschaftskraft oder 180 Milliarden Euro. Viele Sektoren sowohl in der Industrie als auch bei den Dienstleistern hätten deutlichen Nachholbedarf, vor allem der Energiesektor.

Flankiert werden sollte der Fonds durch eine verbesserte Wettbewerbspolitik und durch steuerliche Anreize für Unternehmen. Finanzielle Spielräume dafür gebe es. „Strukturreformen allein werden den Teufelskreis aus Banken-, Schulden-, Vertrauens- und Wachstumskrise nicht durchbrechen können“, betonten die Forscher. Europas Wachstumsproblem könne nur mit Investitionen überwunden werden. „Dabei benötigen wir aber nicht mehr staatliche Eingriffe, sondern deutlich mehr Wachstumsimpulse aus der Privatwirtschaft, mehr Markt, mehr Innovation und mehr Wettbewerb.“ Die Gefahr, dass Europa für viele Jahre in eine wirtschaftliche Stagnation mit hoher Arbeitslosigkeit gerate, sei mehr als real, warnte Fratzscher.

Die Bundesregierung stecke zu wenig Geld in Infrastruktur und Bildung. Jüngst hatte Fratzscher im Reuters-Interview betont: „Die privaten und öffentlichen Gesamtinvestitionen liegen nur bei 17 Prozent der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung. Mitte der 90er Jahre waren es noch 23 Prozent.“ Im Schnitt der OECD-Länder seien es knapp 20 Prozent. Nach Berechnungen des DIW hätte Deutschland zwischen 2010 und 2012 jährlich im Schnitt rund 100 Milliarden Euro mehr investieren sollen.

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