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Wirtschaftliche Perspektiven Über den Optimismus entscheiden Alter und Gehalt

Ob Menschen optimistisch in die Zukunft sehen, hängt vor allem von Alter und Einkommen ab. Quelle: Fotolia

Deutschlands brummende Konjunktur färbt auf die Verbraucher ab: Fast jeder zweite Deutsche spricht davon, finanziell gut dazustehen. Ob sich Menschen auf 2018 freuen, hängt von Alter und Einkommen ab.

2018 wird ein gutes Jahr für die Portemonnaies der Deutschen. Zumindest wenn es so läuft, wie 83 Prozent der Befragten einer Umfrage es erwarten. Ihre finanzielle Situation wird sich auf dem aktuellen Level halten, so hoffen sie. Jeder fünfte erwartet sogar eine Verbesserung seines Einkommens oder Vermögens. Das ergab eine Befragung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) zur Stimmung von 1000 Verbrauchern.

Aber welche Bevölkerungsgruppen sind das, die sich aufs Finanzjahr 2018 freuen? Die Grenze zur Zufriedenheit scheint zwischen 25.000 und 35.000 Euro Jahreseinkommen zu liegen. Wer weniger verdient, ist eher pessimistisch. Unter den Geringverdienern geben 37 Prozent an, dass sich ihr Lebensstandard in den letzten zehn Jahren sogar verschlechtert hat.

„Die gute wirtschaftliche Entwicklung kommt nicht überall an“, beobachtet Bernhard Lorentz von EY. „Viele Geringverdiener haben nicht das Gefühl, am allgemeinen wirtschaftlichen Höhenflug und der guten Einkommensentwicklung zu partizipieren.“ Ein Grund seien steigende Mieten in den Großstädten, die einen großen Teil des Haushaltseinkommens in Anspruch nehmen.

Wem es richtig gut geht, sind die Besserverdiener mit Einkommen über 35.000 Euro. Sie sind zufrieden und erwarten, das auch zu bleiben. Fast ein Drittel von ihnen erwartet sogar, dass sich ihre finanzielle Situation noch verbessert. „Die Menschen, die gut ausgebildet sind und entsprechende Einkommen haben, müssen sich keine großen Sorgen machen“, sagt Thomas Harms, Partner bei EY.

Die Menschen mit geringen Einkommen jedoch fürchten sich vor der Digitalisierung. Wer beispielsweise in der Logistik oder in Stahl-Berufen arbeitet, schaue schnell in die Röhre, wenn Maschinen die Arbeitsplätze ersetzen. „Es wird künftig immer weniger Jobs in diesen Bereichen geben und selbst wenn es sie gibt, werden sie nicht gut bezahlt“, sagt Harms. Es sei verständlich, dass sich diese Menschen um ihre finanzielle Zukunft sorgen. Nur jeder fünfte mit einem Einkommen unter 25.000 Euro erwartet für 2018 eine Verbesserung der Situation.

Aber nicht nur das Jahreseinkommen, sondern auch das Alter der Befragten spielt bei der Zuversicht für 2018 eine große Rolle. Bei den unter 35-Jährigen ist jeder zweite zuversichtlich, dass das gerade angebrochene Jahr mehr Geld aufs Konto bringen wird, als es 2017 der Fall war. Bei den 56- bis 65-Jährigen sieht das schon ganz anders aus: lediglich 16 Prozent hoffen auf eine Besserung ihrer Situation. Was dramatisch klingt, ist laut Thomas Harms aber halb so wild. „Die Altersgruppe zwischen 50 und 60 ist auf dem Zenit ihres Könnens und ihres Gehalts angekommen“, sagt er. Dass diese Leute keine großen Sprünge im Gehalt erwarten, sei keinesfalls negativ zu bewerten, sondern ganz natürlich. „Es geht ihnen einfach gut.“ 95 Prozent der Befragten zwischen 56 und 65 geben an, einen sicheren Arbeitsplatz zu haben. Damit liegt diese Altersgruppe in Sachen Jobsicherheit ganz vorne.

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Altersarmut spiele bei den überwiegend zufriedenen 56-bis 65-Jährigen ebenso eine geringere Rolle. „Die haben ihr Haus oft abbezahlt und einen Partner, der auch viele Jahre gearbeitet hat. Diese Menschen gehen sicher durchs Leben“, sagt er.

Trotz der recht guten Situation der Älteren spielt das Thema Altersarmut unter der Gesamtbevölkerung zunehmend eine Rolle. Fast jeder zweite der Befragten gab an, sich um die Versorgung im Alter zu sorgen. Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Sorge vor Armut im Alter am deutlichsten gestiegen. Weit verbreiteter sind aber Sorgen um die Umweltverschmutzung, Kriege im Ausland oder die Flüchtlingskrise in Europa, die nahezu drei Viertel der Bevölkerung beschäftigt.  „Eine entscheidende gesellschaftliche Herausforderung wird im neuen Jahr darin liegen, das Auseinanderdriften der Gesellschaft zu stoppen und Zusammenhalt und Solidarität zu fördern“, so Bernhard Lorentz.

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