Wirtschaftsaussichten Bundesbank erhöht Wachstumsprognose für dieses Jahr deutlich

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft ein kräftiges Wachstum zu. Getrieben von der Kauflust der Verbraucher und dem schwachen Euro soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2015 und 2016 steigen.

Zehn Tipps gegen die Deflation
Die Deflationsangst in der Euro-Zone ist weiterhin groß, in den vergangenen Monaten fiel die Inflationsrate eher mager aus. Doch für eine Panik gibt es keinen Grund. Wer die niedrige Teuerung ausschließlich verteufelt, tut ihr Unrecht. Quelle: AP
Deflation herrscht dann, wenn die Preise über einen längeren Zeitraum sinken. Eine wirtschaftliche Situation also, in der das Angebot an Waren und Dienstleistungen größer ist als die Nachfrage - das drückt die Preise. Verbraucher könnten dann eigentlich kaufen. Aber sie tun es nicht, weil sie annehmen, dass die Preise weiter sinken. Ein Einnahmeausfall ist die Folge. Was dagegen gemacht werden kann... Quelle: dpa
... der Staat sollte versuchen, durch eigene Investitionen die Nachfrage zu stimulieren. Das Sanieren von öffentlichen Gebäuden oder Investitionen in andere große Bauprojekte können ein erster Schritt sein. Quelle: dpa
Möglich wäre auch der Ausbau von neuen Bahnstrecken oder Autobahnen. Durch staatliche Investitionen sinkt zusätzlich die Arbeitslosigkeit, während der Konsum weiter steigt. Quelle: dpa
Ein weiteres Maßnahmenbündel wären Steuersenkungen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Im Detail bedeutet das: Die Senkung der Unternehmenssteuern schafft Anreize, um in die Produktion zu investieren; eine Senkung der Einkommenssteuer entlastet die Arbeitnehmer. Quelle: dpa
Die Senkung des Leitzinses könnte einer Deflation entgegen wirken, weil so günstigere Kredite vergeben werden können... Quelle: dpa
... aber es kann eben auch sein, dass das mal nicht klappt - wie in Japan. Der Staat kämpft bereits seit 1990 mit einer deflationären Entwicklung seiner Wirtschaft. Zinssenkungen sollten das eigentlich eindämmen, aber die Nachfrage hat sich dadurch trotzdem nicht verbessert. Der Leitzins liegt mittlerweile bei um die null Prozent. Quelle: REUTERS

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft 2015 und 2016 ein kräftiges Wachstum zu. Getrieben von der Kauflust der Verbraucher und dem schwachen Euro, der deutsche Exporte auf den Weltmärkten günstiger macht, werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 1,7 Prozent und im kommenden Jahr um 1,8 Prozent steigen, sagt die Bundesbank in ihrer am Freitag in Frankfurt veröffentlichten halbjährlichen Prognose voraus.

„Die Binnenwirtschaft profitiert dabei von der guten Arbeitsmarktlage und den kräftigen Einkommenszuwächsen“, sagte Bundesbankpräsident Jens Weidmann. 2017 werde das Wachstumstempo etwas nachlassen: Die Bundesbank rechnet mit einem BIP-Plus von 1,5 Prozent.

Die deutsche Wirtschaft habe sich schneller als erwartet von der konjunkturellen Schwäche Mitte 2014 erholt. Sie sei auf einen von der Binnen- und Außennachfrage gestützten Wachstumspfad zurückgekehrt, betonten die Experten der Deutschen Bundesbank. Sie hoben daher ihre Prognosen vom Dezember 2014 kräftig an: Seinerzeit hatten sie nur mit einem BIP-Plus von 1,0 Prozent für 2015 und von 1,6 Prozent im Jahr 2016 gerechnet.

Auch der Außenhandel werde die Konjunktur bald wieder anschieben, nachdem er das Wachstum zu Jahresbeginn noch gebremst hatte, betonte Weidmann: „Auch wenn das Auslandsgeschäft gegenwärtig durch dämpfende Effekte aus der Weltwirtschaft beeinträchtigt wird, stehen dem eine stimulierende Euro-Abwertung und die sich festigende wirtschaftliche Erholung des Euro-Raums gegenüber.“ Die Weltwirtschaft dürfe ebenfalls wieder an Schwung gewinnen.

Zugleich ist die Zeit der Mini-Inflation in Deutschland nach Überzeugung der Bundesbank bald überwunden. Die Experten senkten zwar vor allem wegen des kräftigen Rückgangs der Rohölnotierungen ihre Prognosen, wie Weidmann erklärte. Sie erwarten in diesem Jahr aber immerhin einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,5 Prozent. 2016 werde die Inflation - gemessen am europäischen harmonisierten Verbraucherpreisindex - dann auf 1,8 Prozent und im darauffolgenden Jahr auf 2,2 Prozent steigen und somit das Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von knapp unter 2,0 Prozent erstmals wieder übertreffen.

Damit ist die durch den starken Rückgang der Energiepreise zur Jahreswende aufgekommene Sorge vor einer Deflation - einem Verfall der Preise auf breiter Front - wohl endgültig vom Tisch. Nach Einschätzung der Bundesbank wird die robuste Konjunktur zudem Reserven am Arbeitsmarkt mobilisieren. Daher werden die Löhne der Prognose zufolge „mittelfristig verstärkt zulegen“.

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