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Wirtschaftsprognosen Gute Aussichten, große Risiken

Die Wirtschaft wächst 2014 wieder stärker und die Steuereinnahmen klettern weiter, verheißen neue Wirtschaftsprognosen. Doch die Arbeitslosigkeit sinkt wohl nicht mehr, hohe Kosten durch Euro-Krise und die alternde Gesellschaft sind absehbar.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt für dieses Jahr ein Wirtschaftsplus von 0,4 Prozent voraus. Quelle: dpa

Das klingt erstmal gut. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sagt für dieses Jahr ein Wirtschaftsplus von 0,4 Prozent voraus. 2014 dürfte das Wachstum sogar auf 1,7 Prozent steigen. Der Bundesverband deutscher Banken ist etwas optimistischer noch und erwartet 2013 einen Zuwachs von 0,6 Prozent, im kommenden Jahr dann ebenfalls ein Plus von 1,7 Prozent.

Was der deutschen Wirtschaft Mut und Angst macht
Konsum Quelle: dpa
Investitionen Quelle: dpa
Angstmacher: EurokriseSie hat sich dank dem Einschreiten der Europäischen Zentralbank (EZB) merklich beruhigt. Seit ihr Chef Mario Draghi Ende 2012 den unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen kriselnder Euro-Länder angekündigt hat, hat nach Ansicht der Finanzmärkte die Gefahr einer Staatspleite in Spanien und Italien deutlich abgenommen. Doch die Ruhe könnte sich als trügerisch erweisen. So reagieren die Börsianer zunehmend nervös auf die Umfrageerfolge von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der bei der Parlamentswahl kommende Woche in Italien wieder kandidiert. Berlusconi will viele Reformen seines Nachfolgers Mario Monti wieder zurücknehmen und beispielsweise die Immobiliensteuer wieder abschaffen. Quelle: REUTERS
Angstmacher: Euro-StärkeDie Gemeinschaftswährung steht unter Aufwertungsdruck. Seitdem die japanische Notenbank ihre Geldschleusen geöffnet hat, ist der Euro um 20 Prozent im Verglich zum Yen gestiegen. Dort sitzen einige der größten Konkurrenten der deutschen Exporteure, darunter Autokonzerne wie Toyota und viele Maschinenbauer. Sie können ihre Produkte dank der Yen-Abwertung billiger anbieten. Quelle: dpa
Auch im Vergleich zu anderen Währungen ist der Euro teurer geworden. Experten warnen bereits vor einem Abwertungswettlauf. Noch können die deutschen Exporteure mit dem Wechselkurs gut leben. Die größere Sorge ist, dass weniger konkurrenzfähige Euro-Länder wie Frankreich oder Italien darunter leiden. Das würde am Ende auch Deutschland treffen, das fast 40 Prozent seiner Waren in die Währungsunion verkauft. Quelle: dpa

Die Deutschen geben Geld aus, die Industrie investiert, langsam ziehen die Exporte wieder an, nachdem das tiefste Tal der Rezession in etlichen Euro-Staaten durchlitten scheint. Wichtig für die verschuldeten Kommunen, Länder und den Bund: Es kommen reichlich Steuern rein, die öffentlichen Haushalte werden 2013 und 2014 mit Überschüssen abschließen.

Doch Ausruhen ist für die nächste Bundesregierung nicht empfehlenswert. Es folgen nämlich noch zwei weniger hoffnungsvolle Botschaften. Es werden zwar weiter Arbeitsplätze in Deutschland entstehen, allerdings dürfte die Zahl der Erwerbslosen nach der DIW-Prognose nicht zurück gehen. Vor allem, weil Menschen aus krisengeplagten europäischen Ländern Jobs in Deutschland suchen steigt die Zahl derer, die hier arbeiten oder zumindest arbeiten wollen. Also dürfte die Arbeitslosenquote dieses und nächstes Jahr bei etwa 6,8 Prozent verharren.

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Doch mit diesem Mini-Polster bei Staatsfinanzen und Sozialversicherungen sollte die nächste Regierung ihre Wähler nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Geld für unangenehmere Zeiten sorgsam eingesetzt werden sollte. Lieber früher als zu spät sollten Ausgaben überdacht und vielleicht gestrichen werden. Sonst entsteht kein Handlungsspielraum, der bald bitter nötig wird. Die Gesellschaft altert, das bedeutet – wenn die Babyboomer langsam in Rente gehen - weniger Einnahmen für den Staat und die Sozialkassen. Zugleich steigen die Ausgaben für Rente, Gesundheit, Pflege. Und wegen der  Euro-Staatsschuldenkrise lauern noch Milliardenrisiken. Zu einem großen Teil dürften solche Lasten dann Deutschland treffen. Gemütlich wird es da trotz vordergründig guter Konjunkturdaten in Deutschland nicht.

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