WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen
Benachrichtigung aktivieren
Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche informieren? Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft
Erlauben Sie www.wiwo.de, Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert
Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Themen der WirtschaftsWoche auf dem Laufenden. Sie erhalten 1 bis 3 Meldungen pro Tag.
Wiwo Web Push

Wirtschaftswissenschaft Abrechnung mit dem Homo oeconomicus

Seite 5/5

Preisblasen haben die Märkte seit der Tulpen-Manie in den Niederlanden im 17. Jahrhundert immer wieder erfasst und werden dies auch in Zukunft tun, warnt der Ökonom. Aktienmärkte seien grundsätzlich anfälliger, weil dort mit großem Hebel investiert werde. „Es gab drei große Aktienmarktblasen im vergangenen Jahrhundert: in den Zwanzigern, den Sechzigern und den Neunzigern (…), aber nur eine große US-Immobilienblase in den vergangenen 100 Jahren – die aktuelle.“ Sein Top-Kandidat für eine neue Spekulationswelle ist Ackerland – hier sieht der Professor die Preise, bedingt durch Klimawandel und Nahrungsmittelknappheit in den nächsten Jahren, noch stärker steigen.

„Finanzkrisen lassen sich nicht verhindern“, glaubt Shiller. Aber man könne ihre Häufigkeit und Stärke reduzieren. Mit diesem Ziel fanden sich im Herbst 2008 er und 14 weitere US-Ökonomen zusammen, um konkrete Vorschläge zur Reform des Finanzsystems zu erarbeiten. Sie dienen unter dem Titel „Squam Lake Report“ seither zahlreichen Regierungen als Grundlage für ihre Reformagenda.

Spekulationsblase Ackerland

Die Autoren fordern eine neue Finanzaufsicht, die die Institute in ihrer Gesamtheit überwacht (makroprudentielle Aufsicht) und im Falle von Systemrisiken einschreitet. Idealerweise sollten die Zentralbanken dies übernehmen. Banken sollen mehr Eigenkapital hinterlegen – je größer und systemrelevanter sie sind und je höher ihre kurzfristigen Schulden liegen, desto höher die Rücklagen. Schließlich fordern Shiller & Co., die Boni von Finanzmanagern neu zu strukturieren: Zahlungen sollen für mehrere Jahre zurückgestellt und erst danach als vorher festgelegte Barsumme – also nicht in Aktien – ausgezahlt werden. Damit sinkt der Anreiz, den kurzfristigen Gewinn nach oben zu treiben, um schnelles Geld zu machen. „Finanzleute“, sagt Shiller, „sollten bescheidene Diener der Unternehmen sein.“

In diesem Satz klingt der Anspruch durch, den er an die Märkte und sein eigenes Fach stellt. Shiller will nicht nur Aktienblasen erklären, er fordert ein Finanzsystem, das nicht nur Assetmanagern, sondern der breiten Bevölkerung zugutekommt. Ökonomen sollten „breit denken, angetrieben vom moralischen Ziel, das Wohl der Menschen zu verbessern“, schreibt er. Dazu brauche sein Fach eine neue Offenheit: „Manchmal müssen wir den Autopiloten abstellen und gerade in Krisen unseren besten menschlichen Intellekt einsetzen.“ Und es braucht wohl auch eine große Leidenschaft: Auf die Frage, wie er sich den perfekten Sonntag vorstelle, sagt Shiller: „Mit meiner Frau am Strand sitzen und über ökonomische Fragen nachdenken.“ 

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%