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Wirtschaftswissenschaft Robert Mundell - Der Pate unter den Ökonomen

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Patenschaft für den Euro

Euro Starterkits Quelle: dpa

Trotzdem glaubt Mundell unverdrossen an die Zukunft des Euro, dessen Einführung er als intellektueller Pate begleitet hat. Die Gemeinschaftswährung werde erzwingen, dass die Euro-Zone irgendwann ein optimaler Währungsraum werde, meint er. Die Regierungen müssten lernen, dass nur mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt, eine zurückhaltende Lohnpolitik und sinkende Steuern die Wirtschaft beleben und die Arbeitslosigkeit senken könnten.

Mundell kennt Europa nicht nur aus dem Lehrbuch. Nach seiner Zeit in Seattle besucht er die London School of Economics (LSE), wo er zu den Besten seines Jahrgangs zählt. Dort lernt er den Ökonomen James Meade kennen, dessen Arbeiten sich mit den Stabilitätskriterien für den Außenhandel offener Volkswirtschaften beschäftigten. Sie legen den Grundstein für Mundells spätere Ideen zu einer europäischen Währungsunion. Seinen Doktortitel erhält Mundell 1956 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) bei dem Nationalökonomen und Wirtschaftshistoriker Charles Kindleberger.

Nach einer Station an der Stanford University in Kalifornien kehrt Mundell nach Europa zurück und lehrt am Johns Hopkins Bologna Center of Advanced Economics in Italien. Dort bekommt er 1957 die Unterzeichnung der Römischen Verträge und 1958 den Start der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) hautnah mit. Während der Sechzigerjahre wirkt er bei der Werner-Kommission mit, die bereits 1970 einen ersten Plan für eine Einheitswährung in Europa vorlegt.

Von 1961 bis 1963 arbeitet Mundell für den Internationalen Währungsfonds, wo er den britischen Ökonomen Marcus Fleming, damals stellvertretender Leiter der Forschungsabteilung, kennenlernt. Beide arbeiten unabhängig voneinander an einem neuen makroökonomischen Modell für offene Volkswirtschaften. Die Ergebnisse der beiden gehen als Mundell-Fleming-Modell in die Volkswirtschaftslehre ein.

Neues Modell

Diese Theorie berücksichtigte zum ersten Mal internationale Kapitalströme und deren Einfluss auf die inländische Nachfrage und das Angebot. Vorher arbeiteten die meisten US-Wirtschaftswissenschaftler in ihren Theorien nur mit großen geschlossenen Volkswirtschaften. Schließlich war die amerikanische Wirtschaft sehr groß und unabhängig, der Einfluss von außen gering. Es musste wohl ein Kanadier her, um die traditionellen Annahmen über den Haufen zu werfen.

Mundell integrierte den Außenhandel und internationale Kapitalbewegungen später auch in das von dem britischen Ökonomen John Hicks entwickelte ISLM-Modell, das die Nachfrageseite der Wirtschaft auf dem Güter- und Geldmarkt abbildet. Anhand dieses keynesianisch geprägten Theoriegebildes untersuchte Mundell, wie eine effektive gesamtwirtschaftliche Stabilisierungspolitik unter verschiedenen Wechselkursregimen funktionieren kann. Laut Mundell bringt eine expansive Geldpolitik bei festen Wechselkursen und offenen Kapitalmärkten nichts. Denn das erhöhte Liquiditätsangebot senkt den Zins, den Preis des Geldes. Damit werden höher verzinsliche Anlagen im Ausland attraktiver, Kapital wandert ab. Das setzt den Wechselkurs unter Druck. Die Zentralbank muss nun den fixierten Wechselkurs mit Fremdwährungsverkäufen und Ankäufen heimischer Währung verteidigen. Dadurch sinkt die Geldmenge. Und zwar so lange, bis sie ihr altes Niveau erreicht hat. Für die Globalsteuerung der Volkswirtschaft ist die Geldpolitik bei festen Wechselkursen deshalb sinnlos. Anders eine expansive Fiskalpolitik: Sie entfaltet dann erst ihre volle Wirkung.

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