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Wirtschaftswissenschaft Robert Mundell - Der Pate unter den Ökonomen

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Philosophischer Volkswirt

Robert Mundell Quelle: AP

Linke Ökonomen schimpfen bis heute, diese Wirtschaftspolitik sei asozial, sie mache die Reichen reicher und die Armen arm. Doch auch konservative Politiker kritisieren, dass unter Reagan der US-Haushalt völlig aus dem Ruder lief. Mundell konnte dafür wenig: Reagan hatte nicht auf ihn gehört und sich geweigert, parallel zu sinkenden Steuern die Staatsausgaben spürbar zu kürzen.

Privat wurde Mundell im Lauf der Zeit zunehmend eigen. Einige Jahre verschwand er vollkommen von der Bildfläche, bei öffentlichen Auftritten nuschelte er schon mal unverständlich vor sich hin. Er beschäftigte sich viel mit Philosophie und erklärte den griechischen Philosophen Plato zum Anhänger harter Währungen und dessen Schüler Aristoteles zum Freund von Weichwährungen. Und er versuchte nachzuweisen, dass die Plünderung von Konstantinopel im Jahre 1203 zu schwankenden Wechselkursen im Mittelalter geführt habe.

Eine Burg gegen die Inflation

Mit großem Eifer renovierte er 25 Jahre lang eine aus dem 12. Jahrhundert stammende Burg der Medici in der Toskana nahe Siena. Der Ökonom hatte die Ruine zur Absicherung gegen Inflation für 100 000 Dollar gekauft. Auf seiner Web-Site (www.robertmundell.net) finden sich zahlreiche Fotos seiner griechischen Frau Valerie Natsios und des gemeinsamen Sohnes Nicolas vor dem Anwesen. Auf dem Gelände versammelt er immer wieder Gleichgesinnte zu ökonomischen Debatten.

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Die freilich finden in Fachkreisen nicht gerade ein wohlwollendes Echo. Der MIT-Ökonom Paul Krugman beschreibt Mundells italienischen Palazzo mit 65 Zimmern auf fünf Stockwerken spöttisch als eine heruntergekommene Hütte, wo ein brillanter, aber verschrobener Ökonom merkwürdige Konferenzen außerhalb regulärer akademischer Zirkel abhält. Manche Ökonomen bezeichnen Mundell wegen der Treffen auf seiner Burg und seiner jüngsten wirtschaftspolitischen Vorschläge, wie der Einführung einer Weltwährung, als Anführer einer ökonomischen Sekte. An Mundell perlen diese Lästereien seiner Kollegen jedoch ab. „Kann sein, dass wir eine kleine Sekte sind, aber wie viele Christen gab es vor Jesus? Und wie viele Leute glaubten an Elektrizität vor Edison?“

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