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Wirtschaftswissenschaft Spekulationen um Ökonomie-Nobelpreisträger

Die Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller schien vorab in britischen Wettbüros bekannt zu sein. Geht man nach den Buchmachern könnte ein deutschsprachiger Forscher den Ökonomie-Nobelpreis erhalten. Behalten die Zocker wieder Recht?

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Die in Rumänien geborenen Quelle: REUTERS

Als Herta Müller am Donnerstag mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, fragten viele: Muss man die kennen? Oft waren die Auszeichnungen in den letzten Jahren auch unter Literaturkennern umstritten. „Eines der großen Rätsel des Nobelpreises ist, dass er konsequent die bedeutendsten Autoren vernachlässigt, dies seinem Ruf als bedeutendste Auszeichnung der literarischen Welt aber nicht schadet“, schrieb der Schriftsteller Thomas Brussig in der „Süddeutschen Zeitung“.

Nobelpreis-Wetten wegen Manipulationsverdacht gestoppt

Doch Müller war keine Unbekannte, jedenfalls in Zockerkreisen. Beim britischen Wettbüro Ladbrokes war die Berlinerin an die Spitze der Favoritenliste gerückt – vor einigen Wochen lag Müller mit einer Quote von 51 zu 1 noch weit abgeschlagen zurück. Auch in den vergangenen Jahren waren die Buchmacher ein guter Indikator.

Sowohl bei J. M. Coetzee (2003) als auch bei Orhan Pamuk (2006) lagen die Zocker mit ihren Tipps goldrichtig. Im Vorjahr musste Ladbrokes sogar die Annahme von Wetten beenden, nachdem kurz vor der Bekanntgabe die Einsätze auf den nur Insidern bekannten französischen  Schriftsteller Jean-Marie Gustave Le Clézio massiv angestiegen waren. „Wir  mussten das Spiel stoppen", sagte Ladbrokes-Chef Lasse Dilschmann. „Es schien jemand mehr zu wissen als wir."

Fama Favorit für Ökonomienobelpreis

Können also die Quoten auch etwas über den vermeintlichen Gewinner des Nobelpreises für Ökonomie verraten? Topfavorit bei Ladbrokes ist derzeit Eugene Fama, für den Einsatz von einem Euro gibt es im Erfolgsfall das Doppelte. Fama hat die Effizienzmarkthypothese entwickelt, demnach handeln alle Marktteilnehmer rational und auf der Basis gleicher Informationen, deren Summe in den Kursen bereits verarbeitet ist. Demnach sei es auf Dauer unmöglich den Markt zu schlagen. Aktienkurse sind nicht vorhersagbar sondern unterliegen Zufallsbewegungen.

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    Für seine Arbeit gilt Fama schon lange als Nobelpreiskandidat. Seine Favoritenstellung in den Wettbüros ist aber insofern überraschend, als Fama beispielsweise nicht in der Liste der „Glorreichen Sieben“ auftaucht. Diese Aufstellung von sieben  aussichtsreichen Kandidaten wird jährlich von der Nachrichtenagentur „Thomson Reuters“ erstellt.

    Welcher Ökonom wird die Quelle: dpa

    Drei Ökonomen befinden sich in beiden Listen unter den ersten sieben Plätzen: William Nordhaus und Ernst Fehr. Geht man danach könnte mit Fehr ein deutschsprachiger Wissenschaftler den begehrten Preis erhalten. Der Österreicher ist einer der Begründer der verhaltensorientierten Wirtschaftsforschung. Bei Ladbrokes gibt es für einen richtigen Tipp den sechsfachen Einsatz zurück.

    Fehr liegt damit gemeinsam mit Nordhaus und Kenneth R. French auf dem dritten Rang. Nordhaus wurde für seine Theorie der politischen Konjunkturzyklen bekannt, French forscht vor allem über Investmentstrategien.

    Mit einer Quote von 8 zu 1 ebenfalls in beiden Listen prominent vertreten ist Matthew Rabin. Der in Berkeley lehrende Ökonom arbeitet ebenfalls im bereich der „behavioral economics“. Auch auf den WiWo-Kolumnisten Martin S. Feldstein kann man bei Ladbrokes tippen, mit einer 20 zu 1 Quote liegt der Harvard-Ökonom im Mittelfeld.

    Entscheidungen weniger umstritten

    Wer mit seinen Vorhersagen besser liegt, wird sich am Montag entscheiden. Große Überraschungen, wie bei der heutigen Vergabe des Friedensnobelpreises an Barack Obama, dürften ausbleiben. Die Entscheidungen der Königlich Schwedischen Akademie für Wissenschaften im Bereich Wirtschaftswissenschaft sind weniger umstritten als in der Literatur.

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      Auch scheinen die achtzehn Jury-Mitglieder besser dichtzuhalten, als ihre Literaturkollegen. Zumindest wurde noch kein Wettskandal bekannt, bei den Buchmachern auf die Sieger zu setzen, ist – passend zum Fach - wirklich noch etwas für Spekulanten.   

      Mitarbeit und Recherche: Niklas Hoyer und Mark Fehr 

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