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Wirtschaftswissenschaften Wem deutsche Ökonomen den Nobelpreis geben würden

Stefan Kooths, Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft, würde Israel Kirzner von der New York University den Wirtschaftsnobelpreis verleihen. Quelle: REUTERS

Die WirtschaftsWoche hat sich unter deutschen Volkswirten umgehört, wer 2019 ihrer Meinung nach die höchste Auszeichnung für Ökonomen bekommen sollte. Der Überblick.

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Carl Christian von Weizsäcker (Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern) plädiert für den Ungarn János Kornai (Central European University). Begründung: „Es gibt kein amerikanisches Monopol auf den Nobelpreis. Janos Kornai  hat die beste politökonomische Analyse des autoritären Sozialismus erstellt und dieses System in seinem Heimatstaat Ungarn durchlitten. Trotz mannigfaltiger Unterbrechungen verfasste er in zehnjähriger Arbeit eine Gesamtdarstellung des befehlswirtschaftlichen Systems. Das Thema ist höchst relevant, wenn man zum Beispiel an den Systemwettbewerb zwischen dem demokratischen Westen und China denkt.“

Stefan Kooths (Konjunkturchef des Instituts für Weltwirtschaft) plädiert für Israel Kirzner (New York University). Begründung: „Kirzner hat in der Industrie- und Wettbewerbsökonomik den Fokus von statischen Marktergebnissen auf dynamische Marktprozesse gelenkt. Das lässt vermeintliche Marktdefekte, wie sie sich aus dem Idealbild der vollständigen Konkurrenz ergeben, in neuem Licht erscheinen. Gewinne sind in dieser Sichtweise primär eine Prämie für die unternehmerische Koordinationsleistung zwischen bislang imperfekt synchronisierten Märkten. Insgesamt hat Kirzner herausgearbeitet, dass die in der neoklassischen Markttheorie vorausgesetzten Produkt- und Preismerkmale erst über unternehmerische Aktivität entwickelt werden muss. Er hat so den Unternehmer zurück ins Zentrum der wirtschaftlichen Theorie geholt.“

Auch Stefan Kolev (Hochschule Zwickau) plädiert ebenfalls für Israel Kirzner und Janos Kornai. Begründung: „Durch die Klimadebatte ist die grundsätzliche Systemdebatte wieder da, auch in den USA scheut man im Zuge des aufkommenden Wahlkampfes die große Frage Kapitalismus vs. Sozialismus nicht. Janos Kornai hat wie kein anderer unter den heute noch lebenden Ökonomen die Funktionsschwächen und -starrheiten der Sozialismus gezeigt. Israel Kirzner wiederum hat, ebenfalls durch Vertiefung der Erkenntnisse der Österreichischen Schule, die zentrale Stärke des Kapitalismus im dynamischen Marktprozess erkannt und tiefgreifend weiterentwickelt.

Rüdiger Bachmann (University of Notre Dame, Indiana) plädiert für Mike Woodford (University of Columbia). Begründung: „Woodford hat die Theorie moderner Geldpolitik weiterentwickelt und mit seinen Arbeiten den Monetarismus und die Geldmengensteuerung überwunden. Eher wird den Preis allerdings Paul Milgrom (Stanford) bekommen - weil er einfach noch fehlt unter den Theoriepreisträgern. Verdient hätten den Preis auch Truman Bewley und Hugo Hopenhayn für die Begründung der Makroökonomik mit heterogenen Agenten.“

Volker Caspari (TU Darmstadt) plädiert für Robert Allen ( University of Oxford),  Nick Crafts (University of Warwick) und Joel Mokyr (Northwestern University). Begründung: „Diese Ökonomen haben ganz wesentlich das Verständnis über die Entstehungsbedingungen der Industriellen Revolution verändert. Mokyr hat die Verbindung zwischen Aufklärung und Industrieller Revolution aufgezeigt, Allen erklärte die Frage „Why was England first“ sehr schlüssig damit, dass in England der Faktor Arbeit knapp und daher die Löhne im Vergleich zu anderen Regionen hoch waren.“

Clemens Fuest (Präsident des ifo Instituts) plädiert für Ernst Fehr (Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich). Begründung: „Ernst Fehr ist ein Pionier der modernen Verhaltensökonomik und der Neuroökonomik – er hätte den Preis ganz sicher verdient“.

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