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Zentralbank EZB holt die Brechstange heraus

Weil die Kreditvergabe der Banken stockt, drohen in der Eurozone Verhältnisse wie in Japan nach dem Platzen der Spekulationsblase 1989. Um die Kreditvergabe anzukurbeln, erwägt die EZB die Einführung negativer Zinsen auf Zentralbankguthaben der Geschäftsbanken. Doch damit ließen sich weder die strukturellen Probleme in der Eurozone noch die Liquiditätsprobleme der Banken lösen.

Nach drei Jahren Euro-Krise und einer drohenden Depression in Südeuropa ist die Europäische Zentralbank (EZB) mit ihrem Latein am Ende - ganz offiziell. Die  Leitzinssenkung um 25 Basispunkte auf 0,50 Prozent am Donnerstag bestätigt nur das, was vorher schon ziemlich klar war: Europa geht den japanischen Weg.

In weiten Teilen der Eurozone herrschen heute vergleichbare makroökonomische Verhältnisse wie in Japan nach dem Platzen der Spekulationsblase 1989. Die ungezügelte Kreditvergabe der Banken aus den Anfangsjahren des Euro ist vorbei, die Euro-Peripherieländer sehen sich anhaltenden Liquiditäts- und Solvenzproblemen ausgesetzt. Obwohl die EZB ihre Bilanzsumme in den vergangenen Jahren stärker ausgeweitet hat als die US-Notenbank Fed, gelingt es ihr nicht mehr, für ein größeres Wachstum der breiter gefassten Geldmenge zu sorgen.

Die Ausweitung der Zentralbankgeldmenge wird in der Eurozone nicht mehr ausreichend in Geschäftsbankenkredite umgesetzt. Viele kleinere und mittlere Unternehmen in Südeuropa sind bereits abgeschnitten vom Kreditstrom. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Mitschuld daran tragen die steigenden Finanzierungskosten der europäischen Banken. Obwohl die Bank of England ihren Leitzins schon im März 2009 auf historisch tiefe 0,5 Prozent gesetzt hatte und die EZB jetzt nachzog, hat die Bank of Ireland in dieser Woche die Hypothekenzinsen gar erhöht. Die Immobilienkrise im Land lässt sich so gewiss nicht lösen. 

Der Instrumentenkasten der EZB

Seit 2008 hat sich die Finanzierungssituation der europäischen Banken grundlegend verändert. Im Gegensatz zu den US-Banken hängt die Finanzierung der europäischen Banken besonders stark ab von den Kundeneinlagen. Bis 2008 lag der Zinssatz für dreimonatige Euro-Termingelder im Interbankengeschäft (Euribor) noch über den Zinssätzen für Sicht- und Spareinlagen. Am Geldmarkt war so eine nahezu risikolose Zinsmarge zu realisieren. Damit war Schluss seit dem Absturz des Euribor Ende 2008. Die durch die Zypern-Krise erhöhten Haftungsrisiken für Bankgläubiger haben die Finanzierungskosten der Banken weiter verteuert.

Im traditionell wichtigen Kreditgeschäft, das in  Europa immer noch zwei Drittel zu den Bankerträgen beisteuert, schrumpfen deshalb die Margen. Doch auf die Banken kommen möglicherweise weitere Belastungen zu. So hat EZB-Präsident Mario Draghi am vergangenen Donnerstag erstmals negative Zinsen, also die Einführung einer Gebühr auf die Einlagen der Geschäftsbanken bei der EZB, kommentiert. Bisher konnten sich die Geschäftsbanken von Nicht-Banken wie etwa Geldmarktfonds billig Geld leihen und dafür höhere Zinsen bei der EZB kassieren. 

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Mit der Einführung negativer Zinsen startete die EZB den Versuch, die Kreditvergabe der Banken anzukurbeln und nach dem Vorbild der amerikanischen und japanischen Notenbanken Kapital in riskantere Anlagenformen zu lenken. Negative Zinsen auf Einlagen bei der EZB werden die Renditen selbst von Schuldpapieren der europäischen Staaten noch weiter nach unten drücken. Doch für Banken, Lebensversicherungen und Geldmarktfonds würde es dadurch noch enger.

Negative Zinsen auf Einlagen bei der EZB werden weder die strukturellen Probleme noch die Liquiditätsprobleme der Banken lösen. Schlimmer noch. Die Solvenzprobleme der schwachen Banken verschärften sich, weil sich garantierte Arbitragegewinne für Überschussreserven bei der EZB in garantierte Verluste verwandelten. Die Fragmentierung des europäischen Bankenmarktes wird so weiter voranschreiten.

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