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Zinssenkungen

Hektisches Handeln nahezu aller Notenbanken

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Schnelles Handeln und geldpolitische Überraschung

Noch nicht, aber wir könnten am Beginn einer solchen Entwicklung stehen. Bislang reagierten die entsprechenden Zentralbanken nur auf den massiven Aufwertungsdruck ihrer heimischen Währung. Jedoch versuchen sie noch nicht, durch weitere Zinssenkungen ebenfalls Vorteile zu erlangen. Daher scheint es ein gewisses Verständnis für die Entscheidungen der EZB zu geben. Bereits jetzt besteht allerdings schon das Problem, dass ein Teil der geldpolitischen Maßnahmen der EZB nicht voll wirksam wird, da die anderen Notenbanken ebenfalls reagieren. Schützenhilfe im Kampf gegen Deflation und schwaches Wachstum durch eine schwächere Währung kann aber eben nur dann gelingen, wenn nicht alle Länder ihre Währungen gleichzeitig abwerten wollen.

Andererseits gibt es bereits erste Elemente eines globalen Abwertungswettlaufs. Die einzige Chance, die viele Währungshüter derzeit zu sehen scheinen, um zumindest einen temporären Erfolg zu haben, liegt in schnellem Handeln und der geldpolitischen Überraschung. Dies könnte eine Erklärung für das gegenwärtig so überhastet wirkende Agieren vieler Zentralbanken sein. In der Hoffnung auf den „First Mover Advantage“ überschlagen sich die Zinssenkungen derzeit; die Veränderung der geldpolitischen Landschaft ist um ein Vielfaches schneller als es die Veränderung des zugehörigen Konjunkturumfelds seit Ende letzten Jahres nahelegen würde. Damit kommt man aber schnell ins klassische Gefangenendilemma der kompetitiven Abwertung: Wenn alle Notenbanken weltweit in gleichem Umfang zu geldpolitischen Lockerungsübungen greifen, verpufft der zinsinduzierte Effekt auf den Devisenmarkt und übrig bleibt „nur“ ein äußerst niedriges Zinsniveau und eine immer schneller steigende Geldbasis im Bankensystem, die auch sehr schnell ihren Weg in die Geldmenge der Realwirtschaft finden kann und dort zur Inflation führen würde.

Das sind die drei Leitzinssätze der EZB

Diskussion um eine aktive Wechselkurspolitik

Wie könnte es weitergehen? Bei den Notenbanken, denen die klassische geldpolitische Munition ausgeht, dürfte schon in Kürze die Diskussion um eine aktive Wechselkurspolitik ausbrechen. Dann wäre die EZB nicht die einzige Zentralbank, die ihre Währung gezielt schwach redet. Die nächsten Kandidaten hierfür sind die Schweizer SNB und Chinas PBoC. Die SNB könnte sich gezwungen sehen, ihre Entscheidung, den Franken freizugeben zu revidieren; über entsprechende Interventionen wird bereits munter spekuliert. Chinas Notenbank könnte zu einer Ausweitung der erlaubten Yuan-Bandbreite greifen, die damit verbundene Yuan-Schwäche wäre dann wohl der Auftakt zur nächsten Runde kompetitiver Abwertungen in Asien. Leitzinssenkungen rund um den Globus sollten das Bild abrunden.

Die eigentliche Gefahr dieser Entwicklung liegt aber nicht in den Inflationsgefahren, sondern in den Entwicklungen auf den Finanzmärkten. Die andauernde geldpolitische Lockerung wird zurzeit von den Investoren gefeiert. Die Renditen von Staatsanleihen fallen auf immer neue Tiefststände und die Bewertung von Unternehmensanleihen und Aktien erreicht sehr hohe und zum Teil nicht gekannte Niveaus. Das Problem dabei ist, dass die Ausweitung der Bewertung der Aktien und Unternehmensanleihen zurzeit fundamental nicht begründet ist, sondern fast ausschließlich auf die immer niedrigeren Zinsen der Notenbanken zurückzuführen ist. Leider unterliegen die geldpolitischen Impulse einem abnehmenden Grenznutzen, das heißt, um den gleichen positiven Effekt zu erzielen, müssen die Zentralbanken einen immer größeren geldpolitischen Impuls geben. Anders ausgedrückt, das Ganze funktioniert wie eine Art Schneeballsystem.

In Arbeit
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Kooperatives Verhalten und stabiles Wirtschaftswachstum notwendig

Ein solches dynamisches System neigt dazu zusammenzubrechen. Hier wäre das der Fall, wenn die Zentralbanken einfach keine weiteren Lockerungsschritte mehr unternehmen können bzw. die zusätzlichen Impulse ab einem Zeitpunkt einfach zu klein sind, da sich die Bewertung der Finanzmärkte schon zu stark von der fundamental gerechtfertigten Bewertung abgekoppelt hat. Die Folge wäre eine globale Korrektur der Finanzmärkte mit zum Teil deutlichen Vermögensverlusten. Dies hätte wohl eine merkliche Wachstumsabkühlung bis hin zu einer globalen Rezession zur Folge. Jedoch könnten die Zentralbanken dann nicht mehr gegensteuern, da der monetäre Spielraum ausgeschöpft wurde. Entsprechend würde die Rezession dann sehr zäh und anhaltend werden und sich auf viele Bereiche des Wirtschaftssystems ausdehnen.

Muss es zu einem solchen Crash kommen? Nein. Jedoch sind wohl zwei Entwicklungen notwendig und wichtig. Zum einem braucht man weiterhin ein gewisses kooperatives Verhalten der Notenbanken, um einen aggressiven Abwertungswettlauf auch in Zukunft zu vermeiden. Außerdem ist ein stabiles Wirtschaftswachstum notwendig, was die Notenbanken letztendlich auch anstreben. Wenn es die Notenbanken schaffen, dass die wichtigen Länder der Weltwirtschaft auf einen stabilen Wachstumspfad einschwenken - wie wir es zurzeit in den USA beobachten können - dann verbessern sich die Fundamentaldaten, wachsen in die Bewertung an den Kapitalmärkten hinein. Damit kämen die Finanzmärkte wieder ins Gleichgewicht. Es scheint also, als habe die letzte Phase der aktuellen Krisenpolitik begonnen.

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