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Preisexplosion Boom der erneuerbaren Energien belastet Industrie

Eine Vervierfachung der Kosten innerhalb von drei Jahren ist absehbar. Die Unternehmen sorgen sich um ihre Wettbewerbsfähigkeit und fordern eine Obergrenze für die Ökostrom-Umlage. Von der bisherigen Härtefall-Regelung profitieren nur wenige Großverbraucher.

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Die Industrie klagt über steigende Kosten für Strom aus erneuerbaren Energie, die etwa Windkrafträder produzieren. Quelle: ap

BERLIN. Der rasante Ausbau der erneuerbaren Energien lässt die Strompreise in der Industrie explodieren. Die betroffenen Unternehmen fordern eine Obergrenze für die Ökostrom-Umlage. Anderenfalls, so die Befürchtung, sei die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Branchen gefährdet.

Bezahlt wird der Strom aus Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie von allen Stromverbrauchern: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantiert den Anlagenbetreibern feste Vergütungssätze, die teilweise erheblich über den Preisen für konventionell erzeugten Strom liegen. Die Mehrkosten werden auf die Stromverbraucher umgelegt.

Die EEG-Umlage steigt rasant. Im vergangenen Jahr beliefen sich die Mehrkosten für den Öko-Strom auf 4,8 Mrd. Euro. Für das laufende Jahr prognostizieren die Stromnetzbetreiber, die für die Erhebung der Umlage zuständig sind, EEG-Vergütungen von 12,7 Mrd. Euro. Da davon der Börsenwert des Stroms in Höhe von 4,5 Mrd. Euro abzuziehen ist, bleiben bei den Verbrauchern in diesem Jahr voraussichtlich Mehrkosten von 8,2 Mrd. Euro hängen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung hält diese Prognose allerdings für zu niedrig gegriffen. Es geht für 2010 von einer EEG-Vergütung von 15,2 Mrd. Euro aus.

Zuschlag bald teurer als der Strom

Was sich für jeden Privatkunden jährlich in Zusatzkosten von wenigen Euro niederschlägt, summiert sich für das produzierende Gewerbe zu spürbaren Belastungen. Die Industrie rechnet damit, dass sich die EEG-Umlage je Megawattstunde (MW) Strom von zehn Euro im Jahr 2009 auf "mindestens 50 Euro im Jahr 2015" erhöht. In diesem Jahr liegt die Umlage bereits bei gut 20 Euro, für 2011 wird mit bis zu 40 Euro gerechnet. Damit hätte sich der durch das Gesetz ausgelöste Zuschlag allein zwischen 2009 und 2011 vervierfacht. Er würde dann 2011 den reinen Strompreis übersteigen: Am Spotmarkt der Leipziger Strombörse kostet eine Megawattstunde 35 Euro.

Deckelung gefordert

Schon jetzt gibt es eine Härtefallregelung. Großverbraucher, deren Stromkosten einen Anteil von mehr als 20 Prozent an der Bruttowertschöpfung aufweisen, zahlen eine ermäßigte Umlage. Die Regelung gilt allerdings deutschlandweit nur für 564 Unternehmen.

"Die Strompreise für energieintensive Industrien in Deutschland sind im Vergleich zu anderen Ländern in- und außerhalb Europas zu hoch", sagt Hans Jürgen Kerkhoff, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl. Zwar habe die Politik Teile der energieintensiven Industrie beim EEG entlastet. Dennoch liegen die EEG-Kosten der Stahlindustrie laut Kerkhoff bei über 100 Mio. Euro im Jahr. Er fordert daher zusätzliche Entlastungen. In einzelnen Branchen gibt es bereits konkrete Vorstellungen. Sie wollen die EEG-Umlage auf dem Niveau des Jahres 2010 einfrieren.

Der Bundesverband Erneuerbare Energie (BEE) weist Forderungen nach einer Obergrenze für die Umlage zurück: "Alle Stromverbraucher profitieren vom Umstieg auf erneuerbare Energien, deshalb sollten sich weiterhin alle an ihrem Ausbau beteiligen. So bleibt der Aufwand für jeden einzelnen sehr gering", sagt BEE-Geschäftsführer Björn Klusmann. Neue Ausnahmen würden zu überproportional steigenden Kosten für die übrigen Stromkunden führen.

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