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Wissenswert Warum Staus auf dem Rollfeld der Gesundheit schaden

Sind die Gesundheitsgefahren für Anwohner von Flughäfen weit größer als bislang angenommen? Eine neue Studie der New Yorker Columbia-Universität deutet darauf hin.

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Je länger das „Taxiing“ dauert, desto mehr Abgase stoßen Flugzeuge aus. Quelle: Reuters

London Sie treffen sich montagabends im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens, und stets haben sie Trillerpfeifen dabei, Kuhglocken und Topfdeckel – Anwohner des Frankfurter Flughafens, die lautstark gegen den Ausbau des Airports demonstrieren. Auch in München, Berlin und Düsseldorf gehen Menschen, die in der Nähe der Flughäfen wohnen, gegen Nachtflüge und neue Start- und Landebahnen auf die Straße. Die Proteste richten sich in aller Regel gegen Fluglärm.

Doch Krach ist längst nicht die einzige Gesundheitsgefahr, die von Flughäfen ausgeht. Das zeigt eine jetzt veröffentlichte, einzigartige Studie der Columbia University in New York. Am Beispiel von Großflughäfen im US-Bundesstaat Kalifornien zeigen die Wissenschaftler Wolfram Schlenker und W. Reed Walker: Auch die Abgase der Flugzeuge sind eine erhebliche Belastung für die Menschen, die in unmittelbarer Nähe von Flughäfen wohnen.

Als besonders gefährlich erweist sich Kohlenmonoxid – ein giftiges Gas, das man weder schmecken noch sehen noch riechen kann und das bei Verbrennungsprozessen entsteht. Der Flughafen von Los Angeles ist laut Studie die größte Kohlenmonoxid-Quelle in ganz Kalifornien. Basis der Arbeit sind detaillierte Daten zu den täglichen Flugbewegungen, den lokalen Wetterverhältnissen und der Luftqualität an den zwölf größten kalifornischen Flughäfen. Zudem werteten die Forscher  Statistiken aus den Notaufnahmen der Krankenhäuser im Umfeld der Flughäfen aus.

Die Wissenschaftler nutzen aus, dass die Emissionen eines Flughafens nicht nur von der Anzahl der Starts und Landungen abhängen, sondern auch von einem anderen Faktor: der Zeit, die die Maschinen vor dem Abflug und nach der Ankunft mit laufenden Motoren auf dem Rollfeld stehen. Im Luftfahrt-Fachjargon heißt das Taxiing.

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    Langes Taxiing verschlechtert die Luftqualität

    Die Taxiing-Zeiten schwanken von Tag zu Tag stark – weil es aus Gründen, die der Flughafen nicht beeinflussen kann, mal mehr, mal weniger Staus auf dem Rollfeld gibt. Wenn zum Beispiel schlechtes Wetter in New York den pünktlichen Start der Flüge an die US-Westküste verzögert, geraten die Flugpläne in Los Angeles und San Francisco durcheinander.

    Die Forscher stellen fest: An Tagen, an denen die Taxiing-Zeiten besonders lang sind, verschlechtert sich die Luftqualität im Umkreis von zehn Kilometern um den Flughafen deutlich. Allerdings ist die lokale Belastung nicht überall gleich, sondern hängt stark von der herrschenden Windrichtung ab. Vor allem in Orten, in die die Abgase geweht werden, ist die Luft schlechter – und nur dort behandeln die Krankenhäuser am gleichen Tag viel mehr Menschen wegen Asthma, akuter Atemwegserkrankungen und Herzproblemen. „Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Schwankungen bei der Luftverschmutzung der Flughäfen ein zentraler Grund vor allem für Asthmaanfälle sind“, schreiben die Wissenschaftler.

    Für die US-Umweltpolitik ist diese Erkenntnis hochbrisant. Dort sind die gesetzlichen Grenzwerte für Kohlenmonoxid rund viermal lascher als in Deutschland. Die US-Umweltbehörde lehnte im Februar 2011 eine Verschärfung der Vorschriften ab. Ihr Argument: Es gebe zu wenige Belege dafür, dass Kohlenmonoxid unterhalb des bisherigen Grenzwerts gesundheitsschädlich sei. Die neue Studie liefert genau solche Belege.

    Die Autoren leiten neben strengeren Grenzwerten eine weitere Forderung aus ihren Ergebnissen ab: Die Flughäfen sollten alles tun, um das Taxiing zu minimieren und Maschinen erst dann vom Gate in Richtung Startbahn schicken, wenn sie auch wirklich abheben können.

    Kostenloser Download der Studie: „Airports, Air Pollution and Contemporaneous Health“, von Wolfram Schlenker und W. Reed Walker, NBER Working Paper Nr. 17684 (2011) 

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