WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Preissteigerung Sparkassen-Finanzgruppe ruft EZB zu Wachsamkeit auf

Die EZB muss Risiken einer zu frühen Straffung der Geldpolitik gegen die einer zu späten abwägen. Sollte die Inflation weiter deutlich steigen, muss die EZB laut der Finanzgruppe handeln.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Sparkassen-Finanzgruppe erwartet angesichts der abflauenden Pandemie, dass die EZB bereits in den nächsten Monaten darüber beraten wird, ihre Anleihenkäufen abzuschmelzen. Quelle: dpa

Die Chefvolkswirte der Sparkassen-Finanzgruppe rufen die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts steigender Inflationszahlen zu erhöhter Wachsamkeit auf. Ob die derzeit höheren Preissteigerungsraten dauerhaft oder nur ein Inflationsbuckel seien, lasse sich wohl erst in ein oder zwei Jahren sehen, erklärte Reinhold Rickes, Leiter Volkswirtschaft beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband (DSGV), am Dienstag. „Erhöhte Wachsamkeit ist daher in jedem Fall geboten.“ Zudem müsse die EZB berücksichtigen, dass herkömmliche Inflationsmodelle, schon in den vergangenen Jahren deutlich an Erklärungskraft eingebüßt hätten.

Die Inflation im Euro-Raum war im Mai aufgrund steigender Kosten für Energieprodukte auf 2,0 Prozent nach oben geschnellt. Damit lag sie sogar einen Tick über der Zielmarkte der EZB, die knapp unter zwei Prozent Teuerung anstrebt. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone, verteuerten sich Waren und Dienstleistungen im Mai um 2,5 Prozent. Die Bundesbank hält zum Jahresende sogar Raten um die vier Prozent für möglich.

Aus Sicht der Chefvolkswirte muss die EZB die Gefahr einer zu frühen Straffung ihrer Geldpolitik gegen das Risiko eines zu späten Straffens der Zügel abwägen. „Sollten sich allerdings die Inflationserwartungen im Laufe des kommenden Jahres weiter deutlich erhöhen, muss die EZB handeln“, meint Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank.

Angesichts der abflauenden Pandemie erwartet er, dass die EZB bereits in den nächsten Monaten darüber beraten wird, ihre Krisenhilfen in Form von Anleihenkäufen abzuschmelzen. „Wir rechnen damit, dass die EZB im September sich dazu äußert, ob das PEPP-Programm noch in dem Umfang notwendig ist“, sagte Kater in einer Journalistenrunde. Sollten die Ampeln auf grün stehen, werde die Notenbank die Käufe langsam herunterfahren.

Das auf 1,85 Billionen Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm PEPP ist derzeit eine der wichtigsten Waffen der Euro-Wächter im Kampf gegen die ökonomischen Folgen der Virus-Krise. Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende März 2022 fortgesetzt werden.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%