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Privatbank Wie das Bankhaus Metzler das Kapitalmarkt-Geschäft ausbauen will

Deutschlands ältestes Bankhaus will weiter wachsen und setzt auf das Kapitalmarkt-Geschäft. Dafür arbeitet Metzler mit der Credit Agricole zusammen.

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Der persönlich haftende Gesellschafter der Privatbank Metzler glaubt, dass es in der europäischen Banken-Branche zu einer Konsolidierung kommen wird. Quelle: Bert Bostelmann für Handelsblatt

Frankfurt Das Bankhaus Metzler will unter anderem das Kapitalmarkt-Geschäft weiter ausbauen. Das erklärte Emmerich Müller, persönlich haftender Gesellschafter der Privatbank, in einem Interview mit Bloomberg. Das verwaltete Vermögen im Asset Management sei derweil in den ersten neun Monaten weiter gestiegen. Beim Unternehmen insgesamt sieht er 2018 ein Ergebnis auf Vorjahresniveau.

Wie ernst es Metzler mit dem Kapitalmarktgeschäft meint, zeigen mehrere strategische Entscheidungen. Zum einen arbeitet die 1674 gegründete Bank im Bereich Equity Capital Markets bei IPOs und Kapitalerhöhungen künftig mit der französischen Credit Agricole zusammen. Zum anderen nahm sie mit Kim Comperl einen externen M&A-Experten in den Partner-Kreis auf.

Er stand zuvor unter anderem in den Diensten von Dresdner Kleinwort and HSBC. „Er deckt ein Themengebiet ab, das bei uns intern nicht gewachsen war. Er verfügt über viele internationale Kontakte, verbrachte unter anderem neun Jahre in London“, sagte Müller. Von der Kooperation mit den Franzosen werden seiner Meinung nach beide Seiten profitieren.

„Wir bringen den Zugang zu den Investoren, Credit Agricole den Zugang zu Emittenten“. Der Partner solle zudem die notwendige Infrastruktur für prospektpflichtige Kapitalmarkttransaktionen beisteuern.

Auch Credit Agricole sieht in der Kooperationen Chancen. Die Bank wolle so unter anderem im Bereich Equity Capital Market in Deutschland aktiver werden, erklärte Frank Schönherr, Senior Country Officer für Deutschland und Österreich bei Credit Agricole Corporate and Investment Bank. „Die Zusammenarbeit soll die Bankdienstleistungen und Beratungskompetenz von Credit Agricole CIB mit Metzlers Research-Kompetenz und Vertriebsmöglichkeiten kombinieren.“

In Deutschland hatte es zuletzt einen Anstieg an Börsengängen gegeben. Weder Metzler noch Credit Agricole waren laut Bloomberg-Daten seit Jahresbeginn an IPOs im Land beteiligt.

Das für diesen Herbst geplante IPO des Stuttgarter Anlagenbauers Exyte, das beide Partner nach eigenen Angaben mitbetreuen, wurde aufgrund der schwierigen Marktbedingungen verschoben. Bei einer Kapitalerhöhung der M1 Kliniken platzierte Metzler eine Million Aktien bei institutionellen Investoren in Deutschland und im europäischen Ausland.

Auch Pension-Management soll ausgebaut werden

Jenseits der Aktienkapitalmärkte will Metzler in den nächsten Jahren im Pension-Management wachsen. Gemeint sind Dienste rund um die betriebliche Altersvorsorge für andere Unternehmen. Im Asset Management konnte die Bank das verwaltete Vermögen im bisherigen Jahresverlauf um rund zwei Milliarden auf 78 Milliarden Euro steigern, wie Müller verriet.

Ein Robo-Berater, wie er etwa von Konkurrenten von M.M.Warburg sowie der Fürstlich Castellschen Bank eingeführt wurde, ist nicht in der Planung. „Das ist einfach nicht unsere Klientel“, erklärte Müller. Er verwies allerdings darauf, dass Digitalisierung auch bei Metzler eine große Rolle spiele. „In unserem Bereich Absolute Return und Wertsicherung im Asset Management für institutionelle Investoren treffen Algorithmen schon lange Anlageentscheidungen.“

Jährliche Dividende von 2,3 Millionen Euro seit 1988

Auch für das laufende Jahr wird Metzler wohl wieder einen Dividende von 2,3 Millionen Euro ausschütten – so wie es das Bankhaus bereits seit 1988 tut. Müller: „Wir haben nichts Gegenteiliges von der Eigentümerfamilie gehört. Obwohl sie jederzeit die Möglichkeit hätte, die Ausschüttung zu erhöhen, belässt sie das Geld in der Bank.“

Für den größten Brexit-Profiteur in Kontinentaleuropa hält er den Firmensitz Frankfurt. „Sicher, auch Paris und andere Städte bekommt etwas ab. Einiges geht auch nach Polen oder Luxemburg. Doch der Gewinner ist Frankfurt“, sagte Müller. Man merke bereits, dass neue Arbeitgeber in Frankfurt auf dem Markt seien. „Zuziehende Finanzdienstleister bauen jetzt vor allem die Bereiche Meldewesen, Compliance und IT auf“, sagte er.

Auch Metzler hat bereits mindestens einen Banker an einen Neuankömmling verloren. Michael Müller wechselte im Sommer zu China International Capital Corporation. (CICC). Für die chinesische Investmentbank baut er derzeit in Frankfurt das Kontinentaleuropa-Geschäft auf.

Müller glaubt, dass es in der europäischen Banken-Branche zu einer Konsolidierung kommen wird, womöglich aber erst in ein paar Jahren. „Im Moment gibt es noch Stolpersteine, wie jetzt beispielsweise in Italien. Die Lage dort lässt manche vielleicht zweimal über grenzüberschreitende Fusionen nachdenken“, sagte er. Doch sowohl Europa als auch Deutschland würden letztlich eigene Champions unter den Banken brauchen.

Denn in Krisenzeiten gebe es die Tendenz, sich auf Heimatmärkte zurückzuziehen. Das sei auch für Banken nicht auszuschließen. Deutsche Branchenriesen wie Deutsche Bank und Commerzbank hatten zuletzt mit geringer Rentabilität und strategischen Fehlentscheidungen zu kämpfen. Spekulationen zu einer möglichen Fusion machten bereits die Runde. Müller: „Eine starke handlungsfähige Bank ist ein Gewinn für jedes Land.“

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