Private Equity Investoren zwischen Furcht und Euphorie

Die Besucher des Private-Equity-Branchentreffens „Super Return“ können die Freude über gute Geschäfte nicht recht genießen.

„Wir sind nicht in einem Crash-Szenario wie 2008, aber wir müssen natürlich die politischen Risiken im Blick behalten“, mahnt der Europachef der Beteiligungsgesellschaft KKR. Quelle: Martin Leissl für Euroforum

BerlinSeit zehn Jahren ist Leon Black regelmäßiger Gast auf der „Super Return“ in Berlin, dem wichtigsten Treffen der Private-Equity-Branche. Er hat schlimme Zeiten miterlebt: Vor einer Dekade tobte die Finanzkrise, der Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers erschütterte Volkswirtschaften rund um den Globus.

Die Zahl der Firmenzusammenbrüche war damals nach oben geschnellt, die US-Arbeitslosenquote lag bei neun Prozent. „Und Berlin hatte nicht einmal Geld für ausreichend Streusalz, es war wirklich eine schwere Zeit“, erinnert sich der Mitgründer von Apollo Global Management, einem Geldhaus, das heute einen dreistelligen Milliardenbetrag verwaltet. Zwei Drittel aller Transaktionen entfielen damals auf notleidende Unternehmen oder ausfallgefährdete Wertpapiere, heute macht dieser Anteil bei Apollo nur noch rund fünf Prozent aus. So haben sich die Zeiten geändert.

Bei ihrem diesjährigen Treffen könnte die Stimmung unter den 2 500 versammelten Finanzinvestoren, Rechtsanwälten und Beratern eigentlich kaum besser sein: Rund 2,8 Billionen Dollar werden weltweit von den Fonds verwaltet, allein 2017 wurden gut 4 000 Deals mit Beteiligungskapital finanziert. Doch so richtig traut dem Frieden keiner.

Eine pünktlich zur Konferenz veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung Bain bringt es auf den Punkt: Für 2018 wird noch kein gravierender Abschwung erwartet, aber es sei „höchst wahrscheinlich, dass es in den kommenden fünf Jahren zu einer Rezession in den USA kommt“. Vom Abschwung will niemand auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Auch deshalb sorgen die hohen Bewertungen im Markt für Stirnrunzeln. Ende 2017 lag der durchschnittliche Preis für Firmenübernahmen laut Bain bei dem 11,2-Fachen des operativen Jahresgewinns (Ebitda), ein absoluter Höchststand. Gleichzeitig nimmt der Einsatz von Übernahmekrediten zu, was bei steigenden Zinsen in Zukunft gefährlich werden kann. „Die Preise sind hoch, aber die Beteiligungsmanager werden nicht für das Nichtstun bezahlt, sie müssen auf Teufel komm raus investieren“, sagt ein Londoner Berater.

Auch Johannes Huth, Europachef von KKR, sieht das Problem der hohen Bewertungen. Man müsse kreative Lösungen finden, etwa indem man nicht den Megadeals nachjagt, sondern Mittelständler sucht. „Bei Unternehmenswerten zwischen 300 Millionen und zwei Milliarden Euro, da liegen die Gelegenheiten“, sagt Huth, der vor Kurzem aus London nach Paris umgezogen ist und dort aktuell ein sehr positives Umfeld für Private Equity sieht.

KKR-Stratege Huth ist Optimist: In den kommenden zwölf bis 18 Monaten werde die optimale Konstellation aus positivem Wachstum und steigenden Unternehmensgewinnen bestehen bleiben. „Wir sind nicht in einem Crash-Szenario wie 2008, aber wir müssen natürlich die politischen Risiken im Blick behalten“, mahnt Huth.

Diese sind 2018 nicht weniger gefährlich als 2017, erläuterte der frühere US-Vizepräsident Dan Quayle. Nordkorea, Syrien und Handelskriege – in dieser Reihenfolge sieht der Chef der Beteiligungsgesellschaft Cerberus die Untiefen der internationalen Diplomatie. Aus dem Brexit hat er seine eigenen Schlüsse gezogen: „Nationale Referenden sind wirklich keine gute Sache. Wozu solche Abstimmungen, wenn man ein gewähltes Parlament hat?“

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