Raiffeisen Bank International Raiffeisen verkauft Tochter in Polen an BNP Paribas

Die österreichische Bank löst nach Jahren ihr großes Problem in Warschau: Viele Polen hatten sich in einer fremden Währung verschuldet.

WienSein größtes Problem im osteuropäischen Portfolio hat Johann Strobl nach vielen Umwegen gelöst. Der CEO der österreichischen Raiffeisen Bank International (RBI) hat die polnische Tochter Raiffeisen Bank Polska (Polbank) über eine Abspaltung an den französischen Konkurrenten BNP Paribas verkauft.

Nach Unternehmensangaben liegt der Kaufpreis bei 775 Millionen Euro. Das entspricht einem Verhältnis Preis/materieller Buchwert von rund 0,95. Die polnische Tochter werden Gesamtaktiva von rund 9,5 Milliarden Euro und risikogewichtete Aktiva von insgesamt rund fünf Milliarden Euro zugeordnet.

Die Auswirkungen des Verkaufs auf das Ergebnis von Raiffeisen liegen bei minus 120 Millionen Euro. Die Transaktion soll bis zum vierten Quartal über die Bühne gegangenen sein, bestätige ein RBI-Sprecher. Voraussichtlich werden daher die negativen Auswirkungen noch in der Bilanz in diesem Jahr sichtbar werden.

Mit der Veräußerung der polnischen Tochter ist ein Dauerproblem aus der Welt geschafft. Aus dem Kauf der Polbank hatte Raiffeisen die Verpflichtung, 25 Prozent der Raiffeisen Polbank an die Börse zu bringen. Bei einem Zweitlisting der RBI-Aktie an der Warschauer Börse wären es nur 15 Prozent gewesen.

Doch die RBI hatte sich ursprünglich für den Verkauf des gesamten Instituts an die staatlich kontrollierte Alior Bank entschieden, was allerdings 2016 scheiterte. Dann hatte die auf Osteuropa spezialisierte Bank den Börsengang ihrer polnischen Tochter betrieben. Dabei hatten die Österreicher aber festgestellt, dass das Interesse und die Preise alles andere als attraktiv waren. Denn die polnische Tochter hatte viele Fremdwährungskredite in Schweizer Franken in der Bilanz.

Viele Polen haben sich vor allem 2007 und 2008 in der Währung verschuldet, um Immobilien zu finanzieren, weil die Franken-Kredite damals deutlich weniger Zinsen kosteten. „Das Fremdwährungsportfolio hat die Lust, die Raiffeisen Polbank zu kaufen, nicht erhöht“, bekannte Strobl bereits Ende des vergangenen Jahres gegenüber dem Handelsblatt. Deshalb nahm Raiffeisen die Darlehen in Schweizer Franken aus der Bilanz heraus. Die RBI plant die schwierigen Schweiz-Franken-Kredite auf eine noch zu gründende Filiale in Polen zu übertragen.

Raiffeisen-Chef Strobl, der im März 2017 den Chefsessel in Wien übernommen hat, kennt das Problem sehr genau. Denn über Jahre war der heute 58-Jährige Risikovorstand der auf Osteuropa spezialisierten Bank aus Österreich. Ursprünglich wollte Raiffeisen in Polen mit seiner Warschauer Tochter zu den fünfgrößten Banken aufschließen. Doch diese Hoffnungen konnten am Ende nicht realisiert werden. Raiffeisen war seit 1991 in Polen, zuerst für Geschäftskunden, präsent. 2012 hatten die Österreich dann die Polbank mit ihrem landesweiten Privatkundengeschäft übernommen.

Es gilt in Bankenbranche als offenes Geheimnis, dass die Schweizer-Franken-Kredite ein hohes politisches Risiko beinhalten. Denn die rechtspopulistische Regierung in Warschau könnte die ausländischen Geldhäuser dazu zwingen, zu einem womöglich nachteiligen Kurs in die polnische Währung Zloty zu verwandeln. Immer wieder wurden im Sejm, dem polnischen Parlament, derartige Gesetzesinitiativen diskutiert.

Die Raiffeisen-Aktie lag am Dienstagnachmittag bei 0,9 Prozent knapp unter 27 Euro. In den vergangenen Tagen hat das Papier einer Achterbahnfahrt hinter sich gebracht. Auslöser waren die neuen Sanktionen der US-Regierung gegen russische Oligarchen. Russland ist traditionell der größte Gewinnbringer der RBI.

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