WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Regulierungstagung Angst vor mageren Jahren bei Banken geht um

Europas Bankenaufseher wollen die Profitabilität der Kreditinstitute im kommenden Jahr stärker in den Fokus rücken, kündigen sie auf der Handelsblatt-Jahrestagung an. Denn Altlasten bremsen Europas Geldhäuser aus.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Französin ist Chefin der EZB-Bankenaufsicht. Quelle:

Frankfurt Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Ertragslage der Geldhäuser genauer untersuchen, die sie beaufsichtigt. „Wir haben eine Umfrage zu den Profitabilitätsprognosen der Banken durchgeführt“, betonte deshalb die Chefin der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Danièle Nouy, auf der Handelsblatt-Konferenz „Neue Entwicklungen in der Bankenaufsicht“ in Frankfurt. Ihre Behörde wolle 2016 die Treiber für die Profitabilität einzelner Institute und die unterschiedlichen Geschäftsmodelle genauer beurteilen. „Das ist ganz klar ein wichtiger Teil des Aufsichtsfokus“, so Nouy.

Nouys Worte zeigen, wie besorgt die Bankenaufseher mittlerweile über die dünne Ertragslage des Finanzsektors sind, der auch unter den extrem niedrigen Zinsen der EZB leidet. Zweites Problem sind die schlechten Wachstumsaussichten für die Euro-Zone. Es ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Banken zu stark reguliert werden und deshalb zu wenig Kredite vergeben. Befeuert wird die Diskussion von der Situation in den USA. Dort arbeiten Institute wie JP Morgan schon längst wieder sehr profitabel.
Den Unterschied macht Nouy aber nicht an einer zu strengen Regulierung fest, sondern an der Art der Krisenbewältigung. „Die US-Institute hatten den Vorteil, dass sie sich entschieden haben, schneller ihre Altlasten abzubauen“, sagte sie. Auch strengere Regeln wurden frühzeitig eingeführt. „Dieser Weg ist schmerzhafter, dafür erfolgt die Rückkehr zur Normalität aber auch schneller“, konstatierte die Französin.

Sie gibt sich deshalb als Verfechterin eines entschlosseneren Abbaus verbliebener fauler Kredite. Diese Altlasten bremsten die Fähigkeit der Banken, die Wirtschaft zu finanzieren. Auch Irmfried Schwimann, von der EU-Wettbewerbskommission, hält die Aufsichtsregeln nicht für zu streng. Es könne zwar sein, dass die Regulierung streng sei, doch alles andere wäre dem europäischen Steuerzahler auch kaum zu vermitteln gewesen, sagte sie.

Wie schwer neben den neuen Aufsichtsregeln die Niedrigzinsen die Institute belasten, machte Burkhard Eckes deutlich, der den Bereich Banking bei der Prüfungsgesellschaft PwC leitet. „Banken haben Prognosen erstellt, was geschieht, wenn die Zinsen in den nächsten drei bis fünf Jahren niedrig bleiben“, sagte er. Das Ergebnis: Viele Institute werden 2018 oder aber im Jahr 2019 in die roten Zahlen rutschen.

Der Druck auf die Erträge rückt die Geschäftsmodelle der Banken wieder stärker in den Fokus. „Es ist natürlich Sache des Managements einer Bank, sicherzustellen, dass deren Geschäftsmodell profitabel ist. Doch ein gesundes Geschäftsmodell, das zu Profitabilität führt, ist auch aus einer aufsichtsrechtlichen Perspektive heraus essenziell“, so Nouy.

Dass die Aufseher deswegen bestimmte Geschäftsmodelle bevorzugen, bestreiten Bankenaufseher jedoch. „Wir wissen nicht, wie das ideale Geschäftsmodell aussieht“, sagte Adam Farkas von der Europäischen Bankenaufsicht (EBA). Auch das Konzept der Universalbanken sei sicher ein lebensfähiges Modell. Entscheidend sei, dass ein Geschäftsmodell langfristig profitabel sei.

Nächste Nagelprobe für die Banken wird der Stresstest 2016 von EBA und EZB sein. Rund 53 Banken werden daran teilnehmen, darunter 39 der von der EZB kontrollierten Institute. Erstmals soll es nicht darum gehen, ob eine Bank in einem Stressszenario eine bestimmte Kapitalquote erreicht. „Durchfaller“ wird es also nicht geben, so EBA-Exekutiv-Direktor Farkas. Die Testresultate, in denen es erstmals auch um Risiken aus Fremdwährungskrediten sowie Risiken aus dem Fehlverhalten von Bankern geht, fließen aber in die jährlichen Prüfungen der EZB mit ein.

Bei diesen sogenannten SREP-Prüfungen ermittelt die EZB die Höhe individueller Extra-Kapitalpuffer für die Banken. Die diesjährige Prüfung fiel undramatisch aus: Von den 120 EZB-Instituten besaßen nur wenige Großbanken weniger Kapital als von der EZB gefordert. „Rund zehn haben das Kapitalniveau noch nicht, aber die große Mehrheit von ihnen wird es haben, wenn sie Gewinne aus dem laufenden Jahr einbehält“, sagte Nouy.

Doch Übungen wie diese greifen nach Ansicht des EU-Parlamentariers Sven Giegold (Grüne) zu kurz. Er hält es für gefährlich, wenn sich an der aktuellen Lage nichts ändert, in der selbst superniedrige Zinsen nicht zu einer erhöhten Investitionstätigkeit führen. „Dem kann die Politik nicht neutral gegenüberstehen“, betonte er. Es sei wichtig, nachhaltige Investitionen anzukurbeln. „Wenn das aktuelle Umfeld zum neuen Normalzustand wird, dann wird das zu einer großen Gefahr für das Finanzsystem“, schreckte Giegold auf.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%