Richard-Nachfolge Telekomkonzern Orange bekommt offenbar erstmals Frau an Spitze

Christel Heydemann soll laut einem Bericht auf Stephane Richard in dem französischen Konzern folgen. Sie könnte demnach bereits in der nächsten Woche gekürt werden.

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Die Managerin verantwortet derzeit das europäische Geschäft des französischen Elektrogerätekonzerns Schneider Electric. Quelle: Reuters

Der französische Telekomkonzern Orange soll nach dem Rücktritt seines langjährigen Chefs Stephane Richard erstmals von einer Frau geführt werden. Christel Heydemann werde zur Konzernchefin ernannt, wie die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag unter Berufung auf zwei Insider berichtet. Sie könnte bereits bei der Sitzung des Topmanagements am kommenden Freitag offiziell gekürt werden.

Heydemann, die das europäische Geschäft des französischen Elektrogerätekonzerns Schneider Electric verantwortet, war zunächst auf Reuters-Anfrage nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Auch die Wochenzeitschrift „JDD“ hatte über die Personalie berichtet.

Die 47-Jährige Heydemann ist Absolventin der französischen Elite-Ingenieurschule Polytechnique. Sie gilt als Wunschkandidatin des Finanzministeriums. Der Staat hält rund 23 Prozent der Anteile an Orange.

Ein Pariser Berufungsgericht hatte Richard wegen Mitschuld an einer unrechtmäßigen staatlichen Millionenzahlung im Jahr 2008 an den Unternehmer Bernard Tapie verurteilt. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, und eine Geldstrafe.

Lagarde legte Streit bei

2008 hatte die damalige Finanzministerin und heutige EZB-Chefin Christine Lagarde eine Schadenersatzzahlung des Staates an Tapie über 400 Millionen Euro genehmigt. Damit sollten Verluste ausgeglichen werden, die dem Unterstützer des damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy, Tapie, beim Verkauf von Adidas-Anteilen an die Bank Credit Lyonnais Anfang der 1990er Jahre entstanden sein sollen.

Tapie warf dem – inzwischen nicht mehr bestehenden – staatlichen Institut vor, ihn dazu gebracht zu haben, das Paket deutlich unter Wert abzugeben. Lagarde legte den Streit bei, indem sie Tapie seinerzeit nach einer außergerichtlichen Einigung das Geld aus der Staatskasse zahlte.

Richard war Stabschef der damaligen Ministerin. Lagarde war 2016 vom Gerichtshof für schuldig befunden worden, in der Affäre fahrlässig gehandelt zu haben.

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