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Risikoanlagen Wetten, dass die Krise kommt...?

Rendite in zinslosen Zeiten – der Handel mit Derivaten auf nachrangige Anleihen verspricht besonders hohe Erträge. Neben Goldman Sachs und JP Morgan steigt nun auch die Deutsche Bank in das riskante Geschäft ein.

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Die US-amerikanische Großbank ist Vorreiter im Handel mit Total-Return-Swaps. Ein Derivatenhandel Quelle: Reuters

Weniger als ein Jahrzehnt nach der letzten großen Bankenkrise bieten Goldman Sachs und JP Morgan Anlegern die Möglichkeit, auf die nächste Krise zu setzen. Die beiden Finanzriesen sind nun sogenannte Market Maker (Handelsteilnehmer, die An- und Verkaufskurse stellen) bei Derivaten, mit denen Anleger auf oder gegen risikoreiche Bankanleihen wetten können. Diese Derivate werden auch Total Return Swaps (TRS) genannt. Bei solch einem Kreditderivat werden zwischen zwei Marktteilnehmern die Erträge und Wertschwankungen des zu Grunde liegenden Finanzinstruments gegen fest vereinbarte Zinszahlungen getauscht.

Andere Institute planen ebenfalls, in den Handel mit diesen Kontrakten einzusteigen, berichtet Max Ruscher, Direktor Kreditindizes beim Analysehaus IHS Markit in London. IHS betreut die Benchmarks, die diese Swaps gebunden sind.

Den Handelsgeschäften liegen Wertpapiere zugrunde, die als AT1-Bonds bekannt sind. Es sind nachrangige Anleihen, Inhaberschuldverschreibungen mit einem höherem Risiko, weil die Schuldner die Zahlung der Rendite einfacher stornieren können.

Nach der europäischen Schuldenkrise haben die Banken begonnen, derartige Papiere zu auszugeben. Sie sollen den Steuerzahler vor den Kosten staatlicher Rettungsaktionen schützen und bringen den Anlegern relativ hohe Renditen ein. In der lange anhaltenden Niedrigzinsphase sind die Papiere bei Investoren auf der ganzen Welt heiß begehrt – das Marktvolumen stieg auf mittlerweile 150 Milliarden Dollar.

Die Durchschnittsrendite auf AT1-Anleihen liegt bei etwa 4,7 Prozent – das zehnfache der Rendite auf vorrangige Bankanleihen, zeigen Daten der Bank of America. Analysten von Goldman Sachs äußerten sich skeptisch, ob die Rendite das Risiko wert ist. Louise Pitt und Nick Caes etwa empfahlen im Juni, Investoren sollten „vorsichtiger bei AT1-Spreads“ agieren und stattdessen in besser geschützte Wertpapiere investieren.

Manche Anleger, die in diese Derivate investieren, wollen sich selbst schützen, falls die Preise der Bonds fallen – oder falls eine andere Bankenkrise ausbrechen sollte. Wie riskant das Investment ist, zeigt das Beispiel der spanischen Banco Popular, deren AT1-Anleihen im Rahmen einer Bankenrettung praktisch wertlos wurden.

Die Total-Return-Swaps ermöglichen es Investoren, einen Korb von AT1-Anleihen abzusichern. Händler können höhere Gewinne oder potenziell übergroße Verluste einfahren, ohne die zugrunde liegenden Schuldverschreibungen zu besitzen oder große Beträge an Sicherheiten zu binden.

Goldman Sachs ist Market Maker in Swaps, die an einen iBoxx-Index von auf Dollar lautenden Bankenkapitalanleihen und eine Messgröße vergleichbarer Euro-Anleihen gekoppelt sind, sagt Ruscher. Die beiden Indizes enthalten AT1-Anleihen von Emittenten wie Banco Santander, Deutsche Bank und HSBC.

Ein Sprecher von JP Morgan bestätigte, dass die Bank ebenfalls Swaps auf iBoxx-Indizes anbietet. Die Deutsche Bank habe im vergangenen Monat begonnen, Total-Return-Swaps zu handeln, die auf Bloomberg Barclays-Indizes Bezug nehmen, sagte ein Sprecher.

Das Angebot der Total-Return-Swaps ist Ruscher zufolge ein Ergebnis des gewachsenen AT1-Marktes und der verstärkten Nachfrage von Anlegern. Dennoch können die Index-Swaps für Investoren, die versuchen, ihre Marktexposition zu verringern, nützlicher sein als für diejenigen, die einen Gewinn erzielen möchten.

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