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Robert Holzmann FPÖ-naher Ex-Weltbank-Direktor wird Notenbank-Chef in Österreich

Österreich hat einen neuen Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank gefunden. Erstmals erhält ein Kandidat der EU-kritischen FPÖ diesen Posten.

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Österreich: FPÖ-naher Ex-Weltbank-Direktor wird Notenbank-Chef Quelle: Reuters

Wien Österreichs neue Stimme im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) wird der von der rechtspopulistischen FPÖ vorgeschlagene frühere Weltbank-Direktor Robert Holzmann. Das beschloss die Regierung aus konservativer ÖVP und FPÖ am Mittwoch in einer Kabinettssitzung.

Der 69-jährige Ökonom wird Anfang September den langjährigen Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Ewald Nowotny, ablösen. Mit dieser Position ist automatisch ein Sitz im EZB-Rat verbunden. Neuer OeNB-Vize wird Gottfried Haber, bisher Chef des Fiskalrates, der das Finanzministerium in der Haushaltspolitik berät.

Finanzminister Hartwig Löger will zudem einen Kandidaten in das Rennen um einen frei werdenden Platz im EZB-Direktorium schicken. In früheren Medienberichten wurde der derzeitige Nationalbank-Vize-Gouverneur Andreas Ittner als möglicher Kandidat genannt. Österreich stellte zuletzt mit der Volkswirtin Gertrude Tumpel-Gugerell ein Direktoriumsmitglied. Sie schied 2011 nach acht Jahren aus dem Amt.

Im Lauf des Jahres werden gleich drei der insgesamt sechs Posten im EZB-Direktorium frei, einschließlich des Präsidenten Mario Draghi. Der Italiener räumt Ende Oktober nach acht Jahren seinen Sessel. Ende Mai bereits scheidet Chefvolkswirt Peter Praet aus dem Amt. Schließlich läuft zum Jahresende auch die Amtszeit von EZB-Direktor Benoit Coeure aus.

Top-Jobs in Österreichs Notenbank werden traditionell zwischen den Koalitionspartnern aufgeteilt. Mit Holzmann erhält erstmals ein Kandidat der EU-kritischen FPÖ diesen Posten. Holzmann ist selbst kein FPÖ-Mitglied, politische Beobachter bezeichnen ihn aber als gut vernetzt in den Akademikerkreisen der Partei. Als Gouverneur ist er völlig weisungsfrei.

Der gebürtige Steirer studierte Volkswirtschaftslehre und war in jungen Jahren der Assistent des damaligen Wirtschaftsprofessors und derzeitigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen. Er gilt als Pensionsexperte und hatte verschiedene internationale Positionen inne, etwa bei der Weltbank und beim Internationalen Währungsfonds. Welche Position er in der Geldpolitik einnehmen wird, ist offen. Er veröffentlichte zahlreiche Bücher und wissenschaftliche Publikationen, Interviews gab er bisher kaum. Auch in der Öffentlichkeit war er bislang weitgehend unbekannt.

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