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Rückforderung Deutsche Bank will Boni von Jain und Co.

Einem Medienbericht zufolge fordert die Deutsche Bank Millionenbeträge von ehemaligen Vorständen zurück. Unter anderem sollen die Ex-Chefs Anshu Jain, Jürgen Fitschen und Josef Ackermann zahlen.

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Laut einem Medienbericht stehen neben Anshu Jain auch Jürgen Fitschen, Ex-Vorstandschef Josef Ackermann und weitere Top-Manager auf der Forderungsliste der Deutschen Bank. Quelle: AP

In den Jahren bis zur Finanzkrise war Anshu Jain ein Star bei der Deutschen Bank. Als Experte für festverzinsliche Wertpapiere hatte sich der Brite mit indischen Wurzeln einen Namen gemacht und war zum Chef der Investmentbank aufgestiegen. Jährlich strich er Millionenbeträge ein, denn er brachte dem Kreditinstitut Profite in Milliardenhöhe in Haus.

Doch viele Praktiken in den Handelssälen entpuppten sich später als fragwürdig, teilweise hatten sie hohe Strafen zur Folge - wie etwa verbotene Preisabsprachen mit anderen Banken zum wichtigen Libor-Zinssatz. Sein Wirken bei der Bank wird zunehmend kritisch betrachtet.

Schließlich belasten die Rechtsstreitigkeiten wegen umstrittener Geschäfte aus Jains aktiver Zeit die Bank immer noch. Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) zufolge will das Geldhaus daher jetzt einen zweistelligen Millionenbetrag von Jain fordern, wie sie mit Berufung auf Finanzkrise berichtet.

Die Vergütungsverträge für Bankvorstände sind seit der Finanzkrise immer wieder überarbeitet worden und enthalten sogenannten „Clawback“- oder Malus-Klauseln. Sie bewirken, dass über viele Jahre gestreckte Bonusausschüttungen eingefroren beziehungsweise zurückgefordert werden können. Laut SZ prüft die Bank, noch nicht fällig gewordene Bonuszahlungen einzubehalten sowie auch bereits zugesagte Millionen zurückzufordern.

„Anwartschaften [auf Boni] können ganz oder teilweise verfallen, zum Beispiel bei individuellem Fehlverhalten (unter anderem bei Verstoß gegen Regularien) oder (...) auch bei einem negativen Ergebnis des Konzerns oder individuellen negativen Erfolgsbeiträgen“, heißt es dazu im Vergütungsbericht der Bank für das Jahr 2015.

Die Konfliktherde der Deutschen Bank
28. April 2015Deutsche Bank Co-Chef Jürgen Fitschen muss sich in München vor Gericht verantworten. Gleichzeitig beginnt auch der Prozess gegen vier andere ehemalige Deutsche Bank-Manager. Fitschen wird versuchter Prozessbetrug im Schadenersatzstreit mit den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch vorgeworfen. Quelle: dpa
24. April 2015Am Freitag wollen Vorstand und Aufsichtsrat der Bank über die zukünftige Strategie von Deutschlands größter Bank entscheiden. Bisher sieht es so aus, als würden zwei Modelle bevorzugt. Zur Wahl stehen die Aufspaltung der Bank in eine Unternehmer- und eine Privatkundenbank oder der Verkauf der Postbank zusammen mit einem üppigen Sparprogramm. Quelle: dpa
10. April 2014Im Libor-Skandal soll die Deutsche Bank eine Milliardenstrafe zahlen. Laut Berichten kommt es zu einem Vergleich zwischen den ermittelnden US-Behörden und der Bank, der bei umgerechnet 1,4 Milliarden Euro liegen soll. Das wäre die höchste Strafe, die im Libor-Skandal bisher verhängt wurde. Quelle: dpa
Januar 2015Seit Anfang des Jahres wird über die neue Strategie der Deutschen Bank gerätselt. Wird die Postbank verkauft und an die Börse gebracht? Oder soll das gesamte Privatkundengeschäft abgespalten werden? Noch ist nicht klar, welches Modell am Ende vorne liegt. Sicher scheint nur, dass es so nicht weitergehen kann. Quelle: dpa
09. Dezember 2014Der Steuerstreit zwischen der Deutschen Bank und den USA geht weiter. Am Montag reichte die US-Regierung Klage gegen den deutschen Branchenprimus ein. Dem Institut wird vorgeworfen, Einkommenssteuer hinterzogen zu haben. Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara erklärte, die USA klagten auf 190 Millionen Dollar. Diese Summe umfasse die entgangenen Steuern, Strafen und Zinsen. Die Klage bezieht sich auf einen Fall aus dem Jahr 1999. Durch ein Geflecht aus Luftbuchungen und Scheinfirmen sei den USA eine erhebliche Summe an Steuern entgangen, so der Staatsanwalt. Quelle: REUTERS
Das Logo der Deutschen Bank der Firmenzentrale in Frankfurt am Main spiegelt sich in einem Hochhaus Quelle: dpa
19.06.2014Großinvestoren wie die Allianz-Tochter Pimco und die DZ Bank verklagen die Deutsche Bank und fünf andere Geldhäuser wegen ihrer Verwicklung in das Geschäft mit riskanten Hypothekenpapieren. Sie hätten ihre Pflichten als Treuhänder verletzt, weil sie die Emittenten hypothekenbesicherter Papiere (MBS) vor der Finanzkrise 2008 nicht zum Rückkauf wackliger Kredite gedrängt hätten, heißt es in mehreren am Mittwoch in New York eingereichten Klagen. Die Anleger fordern Entschädigung für Verluste von 250 Milliarden Dollar mit 2200 MBS, die zwischen 2004 und 2008 ausgegeben wurden. Die sechs verklagten Banken zählten zu den größten Treuhändern solcher Papiere. In den MBS waren viele Kredite an Hausbauer gebündelt, die aufgrund schmaler Einkommen eigentlich gar keine Hypothek hätten bekommen dürfen. Viele Banken nahmen es mit den Risiken im Streben nach maximalem Profit aber nicht so genau. Als mehr und mehr Immobilienbesitzer im Zuge sinkender Immobilienpreise ihre Raten nicht mehr zahlen konnten, brach das auf zwei Billionen Dollar aufgeblähte System zusammen und löste die Finanzkrise aus. Neben der Deutschen Bank wurden die britische HSBC sowie die US-Häuser Citi, Wells Fargo, Bank of New York Mellon und US Bancorp verklagt. Quelle: dpa

Außer Jain, der von 2012 bis 2015 als Co-Chef die Bank leitete, stünden auch seine Amtskollegen Jürgen Fitschen, Ex-Vorstandschef Josef Ackermann (2002 bis 2012) und eine Reihe weiterer Top-Manager auf der Forderungsliste.

Der Konflikt zwischen der aktuellen und der früheren Konzernführung ist bekannt. So hatte der Sprecher des amtierenden Chefs John Cryan in einer Fernsehsendung im Oktober gesagt, dass Ackermann während seiner Zeit als Chef „nicht tief getaucht“ sei und das Unternehmen eher wie ein Aufsichtsratschef geführt habe. Auch Fitschen und Jain hatten immer wieder versucht, die Schuld für die miserablen Jahre der Bank Ackermann anzulasten.

Mittlerweile stehen also zwei Manager-Generationen im internen Kreuzfeuer. Rückforderungen hat die Bank dem Bericht zufolge auch gegenüber den ehemaligen Vorständen Hermann-Josef Lamberti, Michael Cohrs und Hugo Bänziger. Bei Jain sollen laut SZ noch 5,3 Millionen Euro an Boni einbehalten sein, bei Ackermann 3,5 Millionen Euro. Dazu kämen zugesprochene, aber noch nicht ausgezahlte Prämien.

Für das Jahr 2012 hatte Jain auf zwei Millionen Euro an Boni verzichtet, um insgesamt nicht mehr zu verdienen als Jürgen Fitschen, mit dem er damals gemeinsam an die Spitze der Bank getreten war

Der mittlerweile größtenteils von Vorstandschef Cryan neu besetzte Vorstand hatte nach einem Milliardenverlust des Unternehmens auf Boni für das Jahr 2015 verzichtet. Auch bei weiterhin schlechten Ergebnissen, sei die Führung zu Bonus-Einbußen bereit, hatte Privatkunden-Vorstand Christian Sewing im August gesagt.

Fitnessstudio und Home Office statt Boni
Fringe Benefits Quelle: dpa
Home-Office Quelle: dpa
Gesundheitsförderung Quelle: dpa/dpaweb
KindergartenzuschüsseWer Kinder hat, die noch nicht schulpflichtig sind, kann vom Arbeitgeber Zuschüsse für ihre Betreuung bekommen. Solche Zuschüsse für die Betreuung in Kindergärten und –krippen sind steuer- und sozialabgabenfrei. Wer die Übernahme des Kindergartenbeitrags durch den Arbeitgeber als Ersatz für eine Lohnerhöhung akzeptiert, muss jedoch beachten, dass der Zuschuss mit der Einschulung des Kindes wegfällt. Quelle: dpa
Erholungsbeihilfe Quelle: dpa
Weiterbildung Quelle: obs
Betriebliche Altersvorsorge Quelle: obs
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