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Russian Standard Zahlungsprobleme bei russischer Großbank

Die Bank Russian Standard Group zahlt fällige Zinsen nicht. Ihr Besitzer Rustam Tariko wehrt sich gegen Einmischung von außen. Der 55-jährige ein Wodka-Millionär ist einer der schrillsten Geschäftsleute Russlands.

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Einer der schrillsten Geschäftsleute Russlands. Quelle: Imago

Moskau Die russische Großbank Russian Standard des Multimillionärs Rustam Tariko steht vor dem Zahlungsausfall. Vor einem Monat hat das Geldhaus Zinsen auf Euro-Bonds in Höhe von 451 Millionen Dollar nicht ausgezahlt. Seither werden Gespräche über eine Restrukturierung der Schulden geführt. „Wir meinen, die Verhandlungen laufen konstruktiv“, versicherte der Sprecher der Russian Standard Group Oleg Jegorow gegenüber der russischen Tageszeitung „Kommersant“.

Die Gläubiger, darunter die im Dezember 2016 von Unicredit an die französische Amundi abgetretene Fondsgesellschaft Pioneer Investments, sehen das anders: „Bis jetzt gibt es keine Vorschläge, und die Erklärungen Rustam Tarikos gehen dahin: „Warum soll ich Geld ausgeben, um Schulden zu bezahlen“, klagte der Investmentbanker Eric Kraus. Ihm zufolge beraten die Gläubiger nun untereinander über eine geeignete Strategie, um ihr Geld zurückzubekommen. Als Forderung stehen die Übertragung der als Sicherheit hinterlegten Aktien – 49 Prozent von Russian Standard – im Raum, ein Sitz im Vorstand und die Möglichkeit, die Buchhaltung zu kontrollieren.

Russian Standard, mit einem Kapital von 675 Millionen Euro Nummer 21 unter Russlands Banken, hat die Obligationen vor zwei Jahren im Zuge einer Umschuldung herausgegeben. Die Laufzeit endet 2022, allerdings sollten erste Zinsauszahlungen erfolgen, wenn die Bank zwei Quartale hintereinander schwarze Zahlen schreibt. Diese Bedingung ist nun erfüllt: Im ersten Halbjahr verzeichnete das Unternehmen 4,3 Millionen Euro Gewinn. In der Regel komme ein zahlungsfähiger Schuldner seinen Verpflichtungen nach, die „Situation sieht daher eher unnormal aus“, kommentierte der Analyst der ING Bank, Jegor Fjodorow, den Vorfall.

Doch die Norm ist ohnehin nicht Tarikos Standard: Der 55-jährige Tatare ist einer der schrillsten Geschäftsleute Russlands. Sein erstes Geld machte er mit dem Import von Alkohol, später stieg er mit dem Verkauf der Wodka-Sorte „Russian Standard“ zum ungekrönten Wodka-König Russlands auf und exportierte die Premiummarke auch erfolgreich auf den Weltmarkt. Gleichzeitig betrieb er den Aufbau der gleichnamigen Bank, an der er bis heute 100 Prozent der Anteile hält.

Auf dem Höhepunkt des Erfolgs, 2007, war Tariko die Nummer 19 unter Russlands Dollar-Milliardären mit einem geschätzten Vermögen von 5,5 Milliarden Dollar. Zu der Zeit machte auch immer wieder sein extravaganter Lebensstil Schlagzeilen: Jachten, Villen, ein eigenes Flugzeug und wechselnde Beziehungen zu Supermodels präsentierte er den Boulevardmedien. Während er gegen die Mutter seiner Zwillingstöchter einen bizarren Krieg um Unterhaltszahlungen ausfocht, galt er zugleich als Partykönig.

Inzwischen ist es ruhiger geworden um den Lebemann – auch weil es finanziell seit Jahren bergab geht. Der geplante Kauf der Konkurrenzfirma Nemiroff platzte, die verschärfte Regulierung des Spirituosenmarkts durch die russische Regierung ließ den Absatz bröckeln. Nun macht auch noch die Bank Probleme. Tariko muss sich entscheiden, ob er weiter allein den Kurs bestimmen kann oder seine Gläubiger künftig über die Standards mitbestimmen lässt.

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