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Scheich Ahmed bin Jassim Al Thani Katars Wirtschaftsminister will weiter in Deutschland investieren

Scheich Ahmed bin Jassim Al Thani setzt bei Investitionen verstärkt auf Deutschland. Ein Grund dafür ist die Blockade durch die Nachbarstaaten.

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Katars Hauptstadt versucht, die Blockade durch seine Nachbarländer möglichst gut zu bewerkstelligen. Quelle: dpa

Hannover Eingeklemmt zwischen einem großen Russland-Stand und der starken Präsenz des Partnerlandes Mexiko, ist der kleine Golfstaat Katar erstmals bei der Hannover Messe dabei. Wirtschaftsminister Ahmed bin Jassim Al Thani will damit die Öffnung des Emirats im Angesicht der Blockade durch arabische Nachbarstaaten unterstreichen.

Herr Minister, Ihr Land ist erstmals auf der Hannover Messe vertreten. Warum jetzt?
Wir wollen die Bedeutung Hannovers als weltweit führende Industriemesse nutzen, um Unternehmen Katar als attraktiven Standort für Investitionen zu präsentieren. Katar kann als Produktionsstandort ein Hub zu 400 Millionen Verbrauchern werden. Mein Land ist eine sehr konkurrenzfähige Drehscheibe für Industrie und Dienstleistungen. Wir bieten gute Rahmenbedingungen.
Welche?
Wer im Land für den Export produziert, bekommt Steuerfreiheit in Tax-free-Zonen. Auch weil wir unsere Wirtschaft diversifizieren wollen. Und wir bieten global eine der besten Infrastrukturbedingungen, haben mit dem neuen Hamad-Hafen, unserem neuen Flughafen und Qatar Airways Hightech-Logistik geschaffen.

Das ist schwer zu glauben angesichts der Blockade Katars durch seine arabischen Nachbarstaaten.
Die Blockade hat uns den Zugang zu 35 Millionen Menschen versperrt, zugleich aber einen Markt von 400 Millionen Konsumenten erschlossen. Denn wir haben uns für Länder geöffnet, mit denen wir bisher nicht so eng verbunden waren: die Türkei, den Iran, Zentralasien, Aserbaidschan. Und wir schließen Handelsabkommen mit immer mehr Ländern, die uns Märkte öffnen.

Katar ist Großinvestor bei VW, Deutscher Bank, Siemens, Solarworld und anderen Firmen. Was haben Sie weiter in Deutschland vor?
Deutschland ist eine der stärksten und robustesten Volkswirtschaften der Welt und hat ein für Europa unglaubliches Wirtschaftswachstum vorzuweisen. Wir haben gute Beziehungen zu deutschen Firmen, und wir wollen noch mehr in Deutschland investieren. Wir investieren strategisch, legen unser Geld für einen langen Zeitraum an und wollen gemeinsam Projekte vorantreiben.

In welche deutschen Firmen will Katar denn jetzt investieren?
In Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen. Wir schauen uns mehrere Möglichkeiten an, wollen unsere Investments diversifizieren. Dafür bieten sich in Deutschland gute Chancen. Deutschland wird eines der Hauptziele für unsere Auslandsinvestitionen bleiben. Im Gegenzug sind 139 deutsche Firmen in Katar präsent und weitere planen zu kommen.

Kommen wir zurück zur Blockade Katars, die arabische Nachbarn mit der angeblichen Terrorfinanzierung begründen. Welche Folgen hat die Blockade für Ihr Land?
Die Kosten haben vor allem die blockierenden Länder zu tragen. Sie hatten große Handelsüberschüsse mit uns. Sie haben unseren Markt verloren, und wir kaufen jetzt woanders. Und unser Wirtschaftswachstum ist weiter stark: Nach zwei Prozent 2017 rechnet die Weltbank für das laufende Jahr mit mehr als 2,8 Prozent. Das wäre das höchste Wirtschaftswachstum in der Region. Das zeigt, dass unsere Wirtschaft weiter stark ist. Unser Außenhandel wuchs 2017 um 16 Prozent, die Exporte legten 19 Prozent zu und unser Außenhandelsüberschuss sogar 40 Prozent. Das ist deutlich mehr, als Analysten angesichts der Blockade erwartet hatten. Die Blockade hat unsere Wirtschaftsreformen nur noch beschleunigt.

Katar ist der weltgrößte Exporteur von verflüssigtem Erdgas (LNG). Hat die Blockade das erschwert?
Nein. Wir haben alle unsere Ausfuhren pünktlich zu unseren Kunden gebracht, kein einziger Tanker ist ausgefallen. Wir haben unsere LNG-Produktion 2017 sogar um 23 auf 77 Millionen Tonnen gesteigert – trotz der Blockade. Wir haben bewiesen, dass wir ein verlässlicher Partner sind.

Wie lange kann Katar denn die Blockade noch durchhalten?
Ökonomisch leiden die Blockiererländer doch deutlich stärker als wir. Unser Wirtschaftswachstum ist höher. Viele internationale Firmen kommen jetzt zu uns, planen Niederlassungen und investieren hier.

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