Schneller schlau Der Schleimer mit dem Knotentrick

Dieser Meeresbewohner passt gut in die Rubrik „Kuriositäten im Tierreich“: Er wird bei Gefahr zum echten Schleimer und macht sich vor einer Mahlzeit gerne mal einen Knoten in den Leib.

Eine Schönheit ist er nicht, dafür verfügt er über erstaunliche körperliche Fähigkeiten. (Foto: Ed Bowlby, NOAA/Olympic Coast NMS; NOAA/OAR/Office of Ocean Exploration )

300 Millionen Jahre Entwicklungsgeschichte sind am Schleimaal nahezu spurlos vorübergegangen. Die heutigen Vertreter dieser urtümlichen Spezies von Meeresbewohnern ähneln ihren anhand von Fossilienfunden rekonstruierbaren Vorfahren in verblüffender Weise. Von einem ästhetischen Standpunkt aus mag man das bedauern, denn eine marine Schönheit ist der Schleimaal nun wirklich nicht. Dafür verfügt er über einige verblüffende körperliche Fähigkeiten.

Da wäre zu einen der namengebende Schleim zu erwähnen – ein zähes Sekret, das aus speziellen Drüsen auf die Haut der Tiere gelangt. Im Gefahrenfall, wenn sich etwa ein Fressfeind nähert, kurbelt der Aal die Schleimproduktion derart an, dass dem Angreifer buchstäblich Hören und Sehen vergeht. Während sich der Feind mit einer zähen Schleimwolke herumschlagen muss, die ihm im schlimmsten Fall die Kiemen verklebt, kann sich der Schleimaal leicht aus der Gefahrenzone bringen.

Um sich selbst von der zähen Altlast zu befreien, hat der Schleimaal ein besonderen Trick entwickelt – womit wir bei seiner zweiten verblüffenden Fähigkeit wären: Mit seinem extrem biegsamen Körper kann er sich selbst einen Knoten in den Leib machen. Diesen Knoten lässt er dann langsam von Schwanz bis zum Kopf wandern und streift so den Schleim ab.

Doch der Knoten im Leib ist dem Schleimaal auch noch in anderer Hinsicht nützlich: Er hilft ihm, Fleischstücke aus seinen Beutetieren zu rupfen. Mit ihren vergleichsweise bescheiden ausgebildeten Beißwerkzeugen allein können die Tiere das nämlich nicht leisten. Erst wenn sie sich verknotet haben, können sie zubeißen, wobei sie den Knoten als eine Art Widerlager nutzen, um sich am Boden Halt zu verschaffen.

Neben Aas bilden verletzte oder auf andere Weise wehrlos gewordene Fische die Hauptnahrung des Schleimaals. Genau das macht ihn bei Fischern extrem unbeliebt. Denn die Tiere vergreifen sich gern an Fischen, die hilflos in Grundnetzen zappeln – und was sie einmal angekaut haben, lässt sich nicht mehr verkaufen. Mitunter geht so ein ganzer Fischzug für die kommerzielle Nutzung verloren.

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