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Schottische Destillerien in Sorge Wie sich Whisky-Brenner gegen den Brexit wehren

Schottlands Destillerien sind großer Sorge: Ein Austritt Großbritanniens aus der EU würde sie hart treffen, denn viele Flaschen gehen ohne Handelsbeschränkungen ins Ausland. Auch Whisky-Riesen beziehen nun Stellung.

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Whisky für Sammler
Prince Charles in einer Whisky-Destillerie
Black Bowmore
Bowmore 30 Jahre
Bowmore Gold
Highland Park
Highland Park
Glenmorangie

In Schottland wächst die Sorge, Großbritannien könne die Europäische Union verlassen. Die Whisky-Brennereien befürchten, dass durch einen „Brexit“ der hart erarbeitete Zugang zu Märkten verloren gehen könnte. Zudem würde der Preis für die Spirituose im Ausland steigen – und die Exporte sinken. Wie französischer Wein und Cognac kann auch Whisky innerhalb der EU frei verkauft werden. Außerdem hat der weltgrößte Wirtschaftsblock lukrative Handelsdeals mit Schwellenländern abgeschlossen.

„Wir haben eine klare Haltung: Wir sind für ein Verbleiben Großbritanniens in der EU“, sagt der Chef von Diageo, Ivan Menezes. Zu dem Spirituosen-Konzern gehören Marken wie Johnnie Walker oder die Single-Malt- Anbieter Dalwhinnie und Lagavulin gehören. „Man fährt mit einem Freihandelsabkommen besser, wenn man mehr Einfluss hat – und die EU hat davon jede Menge.“

Informationsquellen für Whisky-Liebhaber

Schottlands Whisky-Herstellung ist eine große Branche: Die Spirituose ist mit weitem Abstand das wichtigste Exportgut im Bereich Getränke und Lebensmittel Großbritanniens. Das jährliche Exportvolumen beläuft sich auf mehr als vier Milliarden Pfund (5,2 Milliarden Euro), 10.000 Mitarbeiter in 115 Destillerien sind in der Branche tätig, wie aus Daten der Branchenvereinigung Scotch Whisky hervorgeht. Der Verband hat sich bereits 2014 gegen einen Austritt Schottlands aus Großbritannien ausgesprochen.

Der britische Premierminister David Cameron könnte bereits im Juni eine Volksbefragung abhalten. Derzeit laufen die Verhandlungen über die britischen Forderungen nach EU-Reformen, bei denen es hauptsächlich um eine Einschränkung von Sozialleistungen für Zuwanderer geht. Noch in diesem Monat könnte eine Einigung erzielt werden. Umfragen zeigen, dass die Abstimmung über den Brexit knapp werden könnte.

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    Der Diageo-Konkurrent Pernod Ricard unterstützt ebenfalls den gemeinsamen Markt. Der Spirituosenkonzern, der die Whisky-Sorten Glenlivet und Chivas Regal im Sortiment hat, „ist ein pro-europäisches Unternehmen und für die Liberalisierung des Handels überall auf der Welt“, erklärte Konzernchef Alexandre Ricardam.

    Es ist nicht leicht, die Kosten eines EU-Austritts genau zu berechnen. Die größte Angst der Whisky-Hersteller besteht jedoch darin, dass die Handelsbeziehungen Großbritanniens nachhaltig gestört werden könnten.

    Ein Beispiel: Zwei Drittel der Whisky-Exporte von Diageo gehen in Schwellenländer wie Indien. Das Land fordert Einfuhrzölle von 150 Prozent auf ausländische Weine und Spirituosen – mit die höchsten weltweit.


    Scotch muss aus Schottland kommen


    Die Scotch Whisky Association hat mit der EU und der indischen Regierung daran gearbeitet, diese Zölle abzubauen, befürchtet nun jedoch, dass alle Anstrengungen durch einen EU-Austritt der Briten scheitern könnten, sagt Verbandschef David Frost.

    Auch wegen des Produktschutzes ist Frost besorgt. Die EU verteidigt ihre geschützten Ursprungsbezeichnungen streng – Champagner muss aus der Champagne kommen, Cognac aus dem Ort gleichen Namens, und Scotch muss eben in Schottland hergestellt werden.

    Die größten Spirituosenhersteller
    CampariDer italienische Spirituosenhersteller ist mit einem Umsatz von 1,5 Milliarden Euro im vergangenen Jahr noch einer der kleineren Anbieter. Doch das Familienunternehmen hat sich zum ernstzunehmenden Konkurrenten entwickelt. Durch Übernahmen hat Campari seinen Umsatz seit Mitte der 90er Jahre verfünffacht. Zuletzt schluckten die Italiener den jamaikanischen Rumproduzenten Lascelles de Mercado für 330 Millionen Euro. Zu den bekanntesten Marken zählen neben Campari, Aperol, Glen Grant Whiskey, Ouzu 12 und Weine wie Sella & Mosca. Mit diesem erfolgreichen Portfolio ist der Sprung in die Top fünf nur noch eine Frage der Zeit. Aktuell belegen die Plätze eins bis fünf... Quelle: PR
    Platz 5: Brown-FormanDer amerikanische Spirituosen-Konzern ist vor allem für seine Whiskey-Marken bekannt - allen voran Jack Daniel's Tennessee Whiskey. Im Brown-Forman-Regal stehen zudem Canadian Mist Whiskies, Southern Comfort, Early Times Kentucky Whisky, Old Forester Kentucky Straight Bourbon Whisky, Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon Whiskey sowie die Tequila-Marken Pepe Lopez und Don Eduardo. Verkaufte Liter: 180 Millionen Umsatz 2013/2014 (Geschäftsjahr endete am 30. April): 3,9 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 3,8); Operatives Ergebnis: 971 Millionen US-Dollar Quelle: Lebensmittelzeitung, eigene Recherchen Quelle: Screenshot
    Platz 4: Beam GlobalDer US-Konzern hat seine Wurzeln im Jahr 1795 in Kentucky. Aus der kleinen Destille wurde über die Jahrhunderte der weltweit viertgröße Spirituosen-Hersteller mit 3200 Angestellten. Heute sind bei Beam Global unter anderem diese Marken zu Hause: Jim Beam Whiskey, Maker's Mark Whisky, Pinnacle Vodka, Courvoisier Cognac, Canadian Club Whisky, Sauza Tequila und Teachers Whisky. 3200 Menschen arbeiten für Beam Global, der Hauptsitz liegt in Deerfield, Illinois/USA. Verkaufte Liter: 333 MillionenUmsatz 2013: 2,55 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 4 Prozent gegenüber Vorjahr, 2011 waren es allerdings noch 2,8 Milliarden. Quelle: Screenshot
    Platz 3: BacardiDer Rum-Spezialist mit Sitz auf den Bermudas hält neben dem gleichnamigen Rum auch die Rechte an den Marken Martini, Bombay Saphire Gin, Dewar's Blended Scotch Whisky, Cazadores Tequila und Grey Goose Wodka. In Deutschland arbeiten rund 250 Menschen für Bacardi, weltweit sind es rund 5.800. Das Unternehmen feiert in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag. Den Grundstein legte 1862 der nach Kuba ausgewanderte Spanier Don Facundo Bacardi Massó. Verkaufte Liter: 320 Millionen Umsatz Geschäftsjahr 2012/2013 (Ende 30. März) : geschätzte 6 Milliarden US-Dollar (Vorjahr: 5 Milliarden US-Dollar) Quelle: bs
    Platz 2: Pernod RicardDer französische Spirituosen-Gigant, der einigen vom milchigen, anishaltigen Aperitif Pastis Ricard bekannt sein dürfte, vereint Marken wie Absolut Vodka, Ballantines, Jameson Irish Whiskey, Martell Cognac, Havana Club Rum, Beefeater Gin, Kahlúa und Malibu Liköre sowie G.H. Mumm und Perrier-Jouët Champagner unter seinen Dach. Der Umsatz im Geschäftsjahr 2013/2014 (Ende zum 30. Juni) betrug 8,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 8,2), der Nettogewinn 1,2 Milliarden. Quelle: AP
    Platz 1: DiageoDer britische Riese ist seit Jahren Branchenprimus. Mit Marken wie Smirnoff, Johnny Walker, J&B, Buchanan's, Baileys, White-Horse und Guinness hält er die Topposition. Allerdings hat er im Geschäftsjahr 2013/2014 (Ende am 30. Juni) deutlich weniger verdient. Das operative Ergebnis sank um 10 Prozent auf 3,13 Milliarden Pfund. Der Umsatz ging - Währungsschwankungen sowie Zu- und Verkäufe eingerechnet - um 9 Prozent auf 10,3 Milliarden britische Pfund (knapp 13 Milliarden Euro) zurück. Quelle: REUTERS

    Sollte Großbritannien tatsächlich aus der EU austreten, müsste das Land mit dem restlichen Europa neue Handelsverträge aushandeln, was Jahre dauern könnte. Auch bereits existierende Verträge mit dem Ausland müssten von Grund auf neu verhandelt werden, da die EU bei Handelsabkommen als Einheit auftritt und als solche beispielsweise Vereinbarungen mit Ländern wie Südkorea, Mexiko und Kanada getroffen hat – und derzeit mit den USA verhandelt.

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      „Es ist nicht einfach, den Wert in Geld anzugeben. Auf jeden Fall aber steigen die Kosten in einer Branche, in der der Wettbewerb über die Marge ausgetragen wird“, sagt Brad MacKay, Wirtschaftsprofessor an der University of Edinburgh, mit Blick auf den möglichen EU-Austritt der Briten. Die Branche werde „weniger profitabel“ sein, fügte er hinzu.

      Das Verhältnis Großbritanniens zur EU ist durchwachsen, schon seit das Land dem Binnenmarkt 1973 beitrat. Regierungen in London haben immer wieder die Vorzüge für den Handel betont, sind gleichzeitig aber vor einer stärkeren politischen Verknüpfung zurückgeschreckt. So ist Großbritannien weder dem Schengen-Abkommen noch der Euro-Zone, dem gemeinsamen Währungsraum, beigetreten.

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      Jetzt auch noch aus der EU auszutreten, ist für die Whisky-Anbieter undenkbar. „Die Branche hat sehr hart daran gearbeitet, dass Barrieren beseitigt wurde. Den Markt zu verlassen, würde jede Menge Probleme schaffen“, warnt Billy Walker, Master Blender bei der Ben Riach Distillery in der schottischen Region Speyside.

      Der 35 Jahre alte Single-Malt-Whisky der Brennerei kostet 430 Pfund je Flasche. Mehr als 95 Prozent werden exportiert. „Es erscheint mir völlig klar, dass ein solcher Schritt nicht vernünftig wäre.“

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