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Schweizer Geldpolitik Starker Franken macht Schweizer Notenbank vorsichtig

Im vergangenen Sommer ist der Schweizer Franken als „sicherer Hafen“ wieder in das Bewusstsein verunsicherter Investoren gerückt. Doch die SNB will ihn jetzt schwächen.

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Schweiz: Starker Franken macht SNB vorsichtig Quelle: Reuters

Zürich In der Schweizer Geldpolitik dreht sich alles um eine Frage: Wann nimmt die Notenbank SNB Abstand von ihren Negativzinsen von minus 0,75 Prozent? Nach Einschätzung sämtlicher der 36 von Reuters befragten Analysten dürften die Zentralbanker damit noch warten und bei der Zinssitzung am Donnerstag ihren ultralockeren Kurs bekräftigen. Mit einer Zinserhöhung rechnen die Experten frühestens für Herbst 2019.

Grund dafür sind die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten. Sorgen angesichts der hohen Verschuldung Italiens und Ängste vor einem Überschwappen der Währungskrise in der Türkei auf Europa hatten über den Sommer den Euro belastet und den Franken als „sicheren Hafen“ wieder in das Bewusstsein verunsicherter Investoren gerückt.

Dieser hatte zur wichtigsten Exportwährung zugelegt und Anfang September den höchsten Kurs seit über einem Jahr markiert. Die SNB will den Franken mit ihrer Geldpolitik jedoch schwächen und damit die exportorientierte Wirtschaft stützen. Neben Negativzinsen setzt sie dazu bei Bedarf Interventionen am Devisenmarkt ein.

„Die SNB dürfte sehr vorsichtig bleiben bei ihrer bevorstehenden geldpolitischen Lagebeurteilung“, prognostizieren die Credit-Suisse-Analysten. Die für die kommenden Wochen erwarteten Haushaltspläne der Regierung in Italien könnten für weitere Turbulenzen an den Finanzmärkten und eine Aufwertung des Frankens sorgen, erklärten sie. Darüber hinaus könnte nach Einschätzung einiger Experten auch der internationale Handelsstreit zu einem Frankenhöhenflug führen – ein Risiko für die SNB.

Die Schweizer Währungshüter lassen ihre Geldpolitik seit Anfang 2015 unverändert. Modifiziert haben sie lediglich die Wortwahl, mit der sie den Franken-Kurs beschreiben und damit ihre Interventions-Bereitschaft signalisieren. Bis September 2017 bezeichneten sie die heimische Währung als „deutlich überbewertet“. Vor einem Jahr änderten sie diese Bezeichnung dann in „hoch bewertet“, um der Abschwächung des Frankens Rechnung zu tragen. Aktuell kostet ein Euro etwa 1,1250 Franken. Damit ist der Franken etwas stärker als vor einem Jahr.

Mit einer Abkehr von ihrer lockeren Geldpolitik kann sich die SNB in den Augen einiger Experten nicht mehr allzu lange Zeit lassen. Zum einen dürfte die Inflation mit der anziehenden Wirtschaft steigen, erklärt Thomas Stucki, Anlageexperte der St. Galler Kantonalbank. Zudem warnt er vor Risiken durch die anhaltenden Negativzinsen - etwa für den Schweizer Immobilienmarkt.

Wann die SNB ihre Zinsen erhöht, hängt vor allem von der Europäischen Zentralbank (EZB) ab. Sie hat eine Zinserhöhung frühestens ab Herbst 2019 in Aussicht gestellt. Wenn die Schweiz den Leitzins zuvor anhebt, fürchten die Währungshüter, dass der Franken dadurch erneut aufwertet - und das wollen sie verhindern. Ihre milliardenschweren Anleihenkäufe will die EZB zum Jahresende einstellen - sofern die Wirtschaft mitspielt.

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