Schweizer Vermögensverwalter Privatbank EFG ringt mit Wachstumsplan um Anlegervertrauen

Die Integrationskosten nach der Übernahme der Konkurrentin BSI haben der EFG International 2017 Verluste beschert. Die Aktie sackte zehn Prozent ab.

Die Bank verbuchte einen Verlust von 59,8 Millionen Franken nach einem Gewinn von 225,3 Millionen Franken im Jahr davor. Quelle: Reuters

ZürichDie Schweizer Privatbank EFG International blickt nach den Umwälzungen durch die Übernahme der Konkurrentin BSI nach vorne: Im laufenden Jahr will der Vermögensverwalter die Abflüsse von Kundengeldern stoppen und mit Hilfe neuer Berater weitere Klienten anlocken - etwa in Kontinentaleuropa, Asien und Großbritannien. „Wir wollen wachsen“, sagte der seit Jahresbeginn amtierende Bankchef Giorgio Pradelli am Mittwoch. Er war zuvor Finanzchef des Instituts. Im vergangenen Jahr lasteten Integrationskosten im Zuge der Übernahme auf der Bank: Sie verbuchte einen Verlust von 59,8 Millionen Franken nach einem Gewinn von 225,3 Millionen Franken im Jahr davor.

An der Börse gab die EFG-Aktie daraufhin rund zehn Prozent nach. Die Bank habe zwar Fortschritte gemacht, erläuterte UBS-Analyst Daniele Brupbacher. Es sei jedoch unklar, ob das Institut damit bereits die Wende geschafft habe und 2018 das erste „normale Jahr“ der fusionierten Bank werde.

EFG hatte die skandalgebeutelte Bank BSI 2016 gekauft und sie so vor der Schließung durch die Aufsichtsbehörden bewahrt. Im Zuge dessen hatte sich das Institut aus eigenem Antrieb von einigen Kunden getrennt. Darüber hinaus verließen Berater die Bank und mit ihnen auch Kunden. Zudem hatten die Negativschlagzeilen der vergangenen Jahre für Abflüsse gesorgt: BSI war in den Korruptionsskandal um den malaysischen Staatsfonds 1MDB verstrickt, bei dem Milliardenbeträge verschwunden waren. In der zweiten Jahreshälfte 2018 will Bankchef Pradelli die Abflüsse stoppen. Ab 2019 soll die Bank dann ihr Ziel erreichen, und neue Kundenvermögen im Umfang von drei bis sechs Prozent des Bestandes anziehen.

Neben der Fusion beschäftigt die Bank auch ein Rechtsfall in Taiwan: Dort hat das Institut der Tochter einer taiwanesischen Versicherung einen Kredit über 193,8 Millionen Dollar gewährt. Mittlerweile befindet sich die Gesellschaft jedoch in Konkurs und steht unter Zwangsverwaltung. Ob die Bank das Geld zurückerhält, ist Gegenstand eines Rechtsstreits. EFG hat daher Vorsorgen von 70 Millionen Franken für das Darlehen gebildet.

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