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Serie: Fondsgebundene Rentenversicherungen Mehr Tempo beim Vermögensaufbau

Fondspolicen sind eine gute Alternative zu niedrig verzinsten Anlagen. Das Fondsangebot überzeugt bei vielen Versicherern. Das zeigt ein Test, der 80 Prozent der Tarife abdeckt, die derzeit verkauft werden.

Zeit für den Einstieg? Die Börsen haben in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Quelle: Getty Images

DüsseldorfTante Hertha ist in ihrem kleinen Dorf eine Persönlichkeit. Sie weiß immer, wem der Wagen gehört, der vorgestern beim Nachbarn parkte. Doch kürzlich wurde die alte Dame selber zum Ortsgespräch: Sie war mit ihrem Auto unterwegs und fuhr wie immer höchstens 70 Stundenkilometer. Anders als sonst wählte sie jedoch statt der üblichen Land- die Bundesstraße. Ein Polizeibeamter winkte sie raus und sie erhielt wegen ihrer langsamen Fahrweise eine Verwarnung.

Beim Vermögensaufbau sind viele Anleger noch langsamer unterwegs als Tante Hertha auf der Bundesstraße. So parken hierzulande mehr als eine Billion Euro auf Girokonten oder als kurzfristige Einlagen. Für letztere liegt der Spareckzins nach Berechnungen der FMH-Finanzberatung bei mageren 0,14 Prozent.

Es würde also fast 500 Jahre dauern, bis damit aus einer Anlagesumme von 10 000 Euro 20 000 werden. Bei den ebenfalls beliebten zehnjährigen Bundesanleihen mit derzeit knapp 0,9 Prozent Rendite braucht eine Verdopplung des Kapitals 77 Jahre, bei kapitalgebundenen Rentenversicherungen mit derzeit noch 1,75 Prozent Garantiezins wären es 53 Jahre.
Mit Fondsinvestments lässt sich das Vermögen in 20 Jahren verdoppeln
Doch selbst für Konservative ist es möglich, das Kapital in 20 Jahren zu verdoppeln. Das ist die Richtgeschwindigkeit, die diese Risikogruppe für den effizienten Vermögensaufbau anpeilen sollte. Die Lösung für dieses Ziel heißt Fonds. Durchschnittlich 5,8 Prozent jährlich für weltweite Aktien-, 4,2 Prozent für internationale Rentenfonds – diese Performance haben Anleger nach Zahlen des deutschen Fondsverbandes BVI mit entsprechenden Sparplänen in den vergangenen 30 Jahren erzielt.

Für die künftige Entwicklung sind viele Experten zwar skeptisch, was die Entwicklung sicherer Anleihen betrifft. Doch ein risikoangepasster Mix mit Aktien und Anleihen oder eine Anlagevariante, die auf Aktienmärkte setzt, bei der Marktrisiken aber systematisch abgesichert werden, bleibt attraktiv.

Und die Qualität des Fondsangebots kann sich bei vielen Policen sehen lassen, zeigt eine umfassende Analyse. So nahmen Experten der Ratingagentur Assekurata erstmals Fonds unter die Lupe, die Versicherungskunden bei 38 Anbietern wählen können. Getestet wurden in der Regel alle Fonds, die im Neugeschäft vertrieben werden. Unterm Strich deckt die Analyse fast 80 Prozent des Marktes ab.

Jeder einzelne Fonds der Anbieter wurde bewertet. In die Note flossen jeweils mehrere Kennzahlen zu Rendite und Risikoentlohnung ein. Auch Risiko und Reaktionsvermögen auf Marktveränderungen bestimmten die Gesamtnote. Ergebnisse über längerfristige Zeiträume hatten dabei stärkeres Gewicht.


Diese Versicherer bieten sehr gute Fonds

Abzulesen ist das Urteil zu jedem einzelnen Portfolio in 54 Anlageklassen auf dem Fondstacho, der in eine Skala von 0 bis100 Prozent aufgeteilt ist. Unterm Strich erhielten 125 Fonds der Versicherer bei diesem Rating die Bestnote „sehr gut“. Sie erreichten damit mehr als 76 von 100 Punkten.

Dann wurden die Fonds den Versicherern zugeordnet und die Bewertungen zusammengefasst. Ergebnis: Die beste durchschnittliche Fondsqualität boten unterm Strich die Tarife von Cosmos Direkt, Ergo, Axa, DBV, Condor und Nürnberger. Im Durchschnitt erreichen die Fonds dieser Anbieter mindestens 61 Punkte und damit die Note „gut“.

Im Durchschnitt gute Fonds

Bei den besten sechs Anbietern liegt die  Durchschnittsbewertung  aller Fonds bei mehr als 61 Punkten - oder

überdurchschnittlich. Auch bei den mit „gut“ benoteten Tarifen sind sehr viele Spitzenfonds zu haben.

Anbieter

Tarif

Bewertung

Cosmos DirektFlexible Vorsorge Investsehr gut
AxaRelax Rentesehr gut
DBV Relax Rentesehr gut
ErgoRente Chancesehr gut
CondorCongenial privat, Tarif 888 - Compactsehr gut
NürnbergerFondsgebundene VorteilsRente Doppel-Invest NFRP2710Ssehr gut
GothaerVarioRent-ReFlexsehr gut
VorsorgeRente Fonds - Tarif VHF41sehr gut
Standard LifeMaxxellence Investgut
Alte Leipziger ALfonds -die fondsgebundene Rentenversicherung mit flexiblen Garantien (Tarif FR15)gut
Helvetiagut
AllianzPrivatRente Invest alpha-Balancegut
BarmeniaPrivatRente Investgut
HanseMerkurVario Care Investgut
Targogut
LV von 1871Performer Flexgut
ContinentaleFRE3gut
HannoverscheFondsrente FR3gut
Neue Bayerische BeamtenGarantierente ZUKUNFTgut
Volkswohl BundFondsgebundene Rentenversicherungen mit und ohne dynamische Wertsicherunggut

Quelle: Fondstacho Assekurata, Datenbasis

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Lipper.

Die höchste Einzelwertung erzielten Schwellenländer-Fonds wie der mit 89 Punkten bewertete Schroder ISF Frontier Markets, mit dem Anleger in den vergangenen drei Jahren im Schnitt fast 30 Prozent Jahresperformance schafften und der bei Cosmos Direkt erhältlich ist. Auch der mit 88 Punkten bewertete Schwellenländerfonds Newton Asian Income schaffte in den vergangenen fünf Jahren durchschnittlich 16 Prozent Plus. Er ist bei Condor erhältlich.

Doch diese Beispiel zeigen: Diese Bewertung allein nützt Versicherungskunden wenig. Denn vor allem der erste der beiden Spitzenfonds ist noch riskanter als herkömmliche Schwellenländerfonds, da er vor allem in die Märkte des Mittleren Ostens und in Afrika investiert. Er ist daher nur für Risikofreudige interessant und auch sie sollten den Wert ihrem Portfolio nur beimischen.

Für die Übrigen hat der Fonds keine Relevanz. Denn wie beim Kochen gilt auch in der Geldanlage: Ein guter Mix ist oft mehr wert als die Summe seiner Teile. So entwickeln sich die Papiere mancher Anlageklassen in unterschiedliche Richtungen und können Risiken ausgleichen.

In einem zweiten Schritt untersucht daher Handelsblatt Online, inwieweit Anleger unterschiedlicher Risikoklassen aus dem derzeitigen Fondsangebot der Versicherer optimale Portfolios zusammenstellen können. Bei den 38 geprüften Versicherern wurden die Möglichkeiten für sicherheitsorientierte Anleger und chancenorientierte Sparer ebenso geprüft wie für ausgewogenen Depots mit bis zu 50 Prozent Aktienanteil.

Zuletzt wurde das Angebot an Misch- oder Dachfonds für bequeme Varianten geprüft. Für jeden Baustein der für diese vier Musterportfolios nötig ist, zählten die zwei jeweils besten Fonds des Anbieters in dieser Anlageklasse. Denn die Erfahrung zeigt, dass immer wieder gut bewertete Fonds in der Performance abrutschen. Dann brauchen Anleger eine möglichst gute Alternative.

Ins Gesamtergebnis von Handelsblatt Online fließen schließlich neben der Durchschnittswertung auch die Ergebnisse der Portfolioanalyse für die vier Anlegertypen ein. Dieses Ranking zeigt also, inwieweit die guten Fonds auch in den Anlageklassen vorhanden sind, die Versicherte für den Aufbau ihres Portfolios benötigen. Unangefochten die Nummer eins ist in diesem Härtetest die fondsgebundene Renten- und Lebenspolice „Flexible Vorsorge Invest“ des Direktversicherers Cosmos.

Die Qualität der besten Fonds, die für den Aufbau von jeweils zwei Musterportfolios in sicherheitsorientierten, aktienorientierten und ausgewogenen Depots benötigt werden, ist die höchste von allen Teilnehmern. „Überdurchschnittlich“ schnitten in diesem Härtetest auch die Hamburger Versicherungsgruppe Condor, die Nürnberger, die Vorsorge, Ergo und Targo ab. Die Fondsauswahl der Allianz ist führend bei bequemen Varianten, für die die Qualität von Dach-und Mischfonds verschiedener Risikoklassen entscheidend ist.

Die Analyse allein reicht zwar nicht aus, um eine Police auszuwählen. Nicht nur Anleger, die eine interessante Anlagevariante suchen, sollten daher weiterlesen, sondern auch jene, die bereits eine Fondspolice besitzen. Denn beim Aufbau und bei späteren notwendigen Veränderungen des Portfolios sollten sich Versicherte nicht allein auf den Rat eines Versicherungsvermittlers verlassen, der oft selber unsicher auf Fragen der Kapitalmärkte reagiert.

Der Fondstacho hilft Versicherten dabei, Policen mit dem besten Fondsangebot für ihre Altersvorsorge zu finden und so eine Vorauswahl zu treffen. Danach zeigen die nächsten Teile der Serie, wie Versicherte gemäß ihrer Risikoneigung Schritt für Schritt bei den getesteten Anbietern Depots aufbauen und passende Fonds auswählen. Auch wer bereits seit längerem eine Fondspolice bespart, kann seine Performance verbessern, indem er sich über die Fonds in seinem Portfolio informiert und für alle relevanten Anlageklassen nachlesen kann, welche Fonds er besser austauschen sollte.


Wie die Lieblingsfonds der Versicherten abschneiden

Einen Vorgeschmack auf die Analyse bietet die Einordnung der Bestsellerfonds der Versicherer. Wobei der Markt unterm Strich breiter gestreut ist, als erwartet. Von den etwa bewerteten 1000 Fonds waren nur 765 davon über eine einzige Fondspolice zu haben. Nur 17 Portfolios werden von mehr als zehn Versicherern angeboten. Ihre Beliebtheit ist nachvollziehbar: Sie alle lagen irgendwann über Jahre in Rankings weit vorn. Acht sind immer noch ein Kauf, drei verpassten eine überdurchschnittliche Wertung nur knapp und sollten von Anlegern ebenfalls gehalten werden. Nur fünf stehen auf der Verkaufsliste.

Unterm Strich bieten Fondspolicen einige Vorteile. Versicherte können wie bei Fondssparplänen vom Aufwind der Kapitalmärkte profitieren und attraktive Renditen erzielen. Sie erhalten eine lebenslange Zusatzrente. Zudem sind bei vielen Anbietern oft mehrere Fondswechsel im Jahr gebührenfrei. Und Fonds zu tauschen, kostet bei den Policen im Gegensatz zu Sparplänen keine Kapitalertragssteuer.

Trotz der vielfältigen Informationen dieser Serie lohnt es sich, für Neueinsteiger vor dem Abschluss einer Police, einen Fachmann hinzuziehen. Denn die Produkte sind sehr komplex und Fehler im nach hinein kaum zu korrigieren. Zudem ist der Markt ist vielfältig. Klassische, meist „individuell“ genannte Produktkonzepte bieten die Möglichkeit, eine Auswahl geeigneter Fonds eigenständig zusammenzustellen.

Alternativ können Kunden auf gemanagte Anlagekonzepte zurückgreifen, bei denen der Versicherer die Verantwortung für die Vermögensverwaltung übernimmt. Zudem kann der Vermögensaufbau oft mit einer Garantie unterlegt werden, die entweder nur für die Summe der Beiträge gilt, bei manchen Anbietern können aber auch Höchststände abgesichert werden.

Doch bei Fondspolicen richtet sich die Höhe der Rente allein nach dem Anlageergebnis, für das die Versicherten meist allein oder teilweise verantwortlich sind. Nutzen Sie also diese Serie, um Sicherheit bei der Verwaltung ihres Portfolios zu gewinnen. So wie Tante Hertha, die nach der Verwarnung wegen zu langsamen Fahrens einige Fahrstunden nahm. Inzwischen fährt sie mit deutlich mehr Freude als früher und ist immerhin mit Tempo 90 unterwegs.

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