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Siemens Gamesa Flügellahmer Windradbauer

Preisdruck und wegbrechende Märkte: Die börsennotierte Windkrafttochter von Siemens schockiert ihre Anleger mit einer Gewinnwarnung. Die Aktie von Siemens Gamesa bricht deutlich ein. Besserung ist nicht in Sicht.

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Die deutsch-spanische Windenergietochter von Siemens kann ihre Ziele nicht erreichen. Quelle: Reuters

Düsseldorf/München Ende Juli sprühte Markus Tacke noch vor Optimismus. „Wir kommen in schnellen Schritten voran und sind bereit, uns dem Wettbewerb in einem herausfordernden Wachstumsmarkt in einer führenden Position zu stellen“, erklärte der Vorstandsvorsitzende von Siemens Gamesa, der deutsch-spanischen Windkrafttochter des Münchner Dax-Konzerns Siemens. Heute, kaum drei Monate später, zeigt sich: Die Zuversicht von Tacke und dem Turbinenhersteller war verfrüht. Das Geschäft läuft viel schlechter als erhofft.

Siemens Gamesa stutzte deshalb nun seine Gewinnprognose. Statt der angepeilten  900 Millionen Euro wird der Konzern im Gesamtjahr nur noch ein bereinigtes operatives Ergebnis (Ebit) von 790 Millionen Euro erzielen. Die Aktien des in Madrid börsennotierten Unternehmens brachen am Montag drastisch ein. Zwischenzeitlich betrug das Minus mehr als acht Prozent.

Als Grund für die Prognosesenkung nannte Siemens Gamesa Abschreibungen auf Lagerbestände in  wichtigen Märkten wie den USA oder Südafrika. Die Anleger reagierten schockiert. Denn schon die Ergebnisse im dritten Quartal waren schlecht. Der Umsatz sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sieben Prozent ab – auf nur noch rund 2,7 Milliarden Euro. Schlimmer noch: Der Gewinn vor Zinsen und Steuern brach auf 211 Millionen Euro ein. Das ist ein Minus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Siemens Gamesa leidet aktuell wie fast alle Konzerne des Sektors unter den Verwerfungen am internationalen Windenergiemarkt. Rund um den Globus werden die Förderungen für Ökostrom gekappt. Die erfolgsverwöhnten Anbieter müssen sich auf einmal im Wettbewerb um die Höhe der Vergütungen streiten. Die Umstellung von staatlich garantierten Einspeisesystemen auf Auktionen, in denen nur noch derjenige den Zuschlag bekommt, der den geringsten Preis bietet, setzt der Branche enorm zu.

Der Konkurrenzkampf ist unerbittlich, der Preisdruck extrem hoch. Die Folge: Nach Jahren des Wachstums und der Rekordergebnisse steuert die Windkraftindustrie auf eine herbe Flaute zu. Die Unternehmen reagieren mit Stellenabbau. Siemens Gamesa streicht von seinen 27.000 Arbeitsplätzen rund 600 Stellen. Bei dem Hamburger Konkurrenten Nordex müssen europaweit bis zu 500 Mitarbeiter gehen. Und bei Senvion, dem zweiten große Windkraftkonzern in der Hansestadt, wurden dieses Jahr bereits 660 Vollzeitstellen eingespart.


Viele Fabriken können nicht mehr ausgelastet werden

„Der Windenergiemarkt ist von großen Unsicherheiten charakterisiert“, sagte Arash Roshan Zamir dem Handelsblatt. Der Analyst von Warburg Research sieht kaum einen Markt, in dem noch alles nach Plan läuft. „Wir sehen in Europa, Südamerika, Indien und Südafrika politische Risiken, die zu erheblichen Projektverzögerungen führen.“  Besserung ist aktuell nicht in Sicht. Die Auftragslage bei den Konzernen bricht reihum ein. Viele Fabriken können nicht mehr ausgelastet werden.

Für Siemens kommt diese Entwicklung zur Unzeit. Im April hatte der Münchner Konzern sein Windkraftgeschäft mit dem spanischen Konkurrenten Gamesa wirksam zusammengeschlossen. Siemens hält seither eine Mehrheit von 59 Prozent an dem Unternehmen und konsolidiert es voll in seiner Bilanz. Für Konzernchef Joe Kaeser sind die Probleme bei der Windtochter nun doppelt unangenehm. Erstens trüben sie das Gesamtergebnis von Siemens. Und zweitens stellen sie ein wesentliches Konzept von Kaeser infrage.

Schließlich war Siemens Gamesa die erste große Verselbstständigung mit Börsennotierung, der weitere folgen sollen. Die große Zugfusion mit Alstom erfolgt nach ähnlichem Modell: Die Bahntechnik-Aktivitäten sollen unter dem Dach von Alstom zusammengefasst werden und kommen so an die Börse, die Mehrheit liegt aber bei Siemens. Für das nächste Jahr ist zudem der Börsengang der verselbstständigten Medizintechnik unter dem Namen Healthineers geplant.

Auch an anderer Stelle hat Siemens im Geschäft mit Energietechnik mit Problemen zu kämpfen. Im Markt für große Gasturbinen gibt es weltweit bei allen Anbietern große Überkapazitäten. Laut Industriekreisen steht daher in den nächsten Monaten in der Division Power and Gas von Siemens ein Stellenabbau an.

Ansonsten aber läuft es für den Konzern um Joe Kaeser, dessen Vertrag gerade erst verlängert wurde, derzeit gut. Während es beim Erzrivalen General Electric nach dem Abgang von CEO Jeff Immelt viele Baustellen gibt, zeitigt Kaesers Umbau insgesamt Erfolge. Auch in Sachen Image steht Siemens derzeit gut da: Der Münchener Technologiekonzern kam in einer Forbes-Liste der angesehensten Unternehmen weltweit auf Platz eins. „Sooo cool“, twitterte Kaeser zuletzt stolz.

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