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SNB-Sitzung Zinssenkung in der Schweiz trotz Coronakrise wohl kein Thema

Experten glauben, dass der Leitzins der schweizer Notenbank unverändert bleibt. Zuvor traf das Institut bereits Maßnahmen zur Schwächung des Franken.

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Entgegen dem globalen Trend soll die schweizer Notenbank ihren derzeitigen Leitzins beibehalten. Quelle: Reuters

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte nach überwiegender Einschätzung von Experten bei ihrer Sitzung am Donnerstag dem weltweiten Trend zu Zinssenkungen trotzen. Mit zwei Ausnahmen erwarten die 29 von Reuters befragten Finanzmarktteilnehmer und Analysten, dass die Währungshüter den SNB-Leitzins auf dem seit mehr fünf Jahren geltenden Rekordtief von minus 0,75 Prozent belassen.

Auch die Sichteinlagen von Banken bei der Notenbank ab einem gewissen Freibetrag dürften weiterhin mit einer Gebühr von 0,75 Prozent belastet werden. „Im Moment glauben wir nicht, dass die SNB am Donnerstag die Zinsen senken wird, aber die Situation ist stark in Bewegung und kann sich schnell ändern“, sagte Maxime Botteron, Volkswirt bei der Credit Suisse. „Wenn die SNB vor der EZB senkt, dann bleibt der Schweiz weniger Spielraum, falls die EZB ihre Zinsen später noch senkt.“

Die Europäische Zentralbank (EZB) schnürten vergangene Woche angesichts der Belastungen durch den globalen Coronavirus-Ausbruch zwar ein umfassendes Maßnahmenpaket bestehend aus großen Liquiditätsspritzen und zusätzlichen Anleihekäufen zur Stützung der Wirtschaft, beließen den Schlüsselzins allerdings unverändert.

Andere wichtige Zentralbanken – allen voran die US-Notenbank Fed – hatten auf eine drohende weltweite Rezession mit zum Teil drastischen Zinssenkungen und massiven Geldspritzen reagiert.

Das dreiköpfige SNB-Direktorium um Notenbankchef Thomas Jordan setzt neben den Negativzinsen auf Eingriffe am Devisenmarkt, um einer starken Aufwertung des Franken entgegenzusteuern.

Eingriffe zur Schwächung des Franken

Denn dieser gilt unter Investoren als sicherer Hafen und gewinnt in unsicheren Zeiten stets an Wert – was Schweizer Waren im Ausland verteuert und somit der exportorientierten Wirtschaft schadet.

In der vergangenen Wochen verstärkte die Notenbank ihre Eingriffe zur Schwächung der Landeswährung wohl, wie Daten zu den Sichtguthaben der Banken bei der SNB nahelegen. Vergangene Woche stiegen diese um rund 4,4 Milliarden Franken – so stark wie seit mehr als drei Jahren nicht.

Die Devise stieg jüngst gegenüber der Hauptexportwährung Euro auf den höchsten Stand seit dem Frankenschock im Jahr 2015. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die SNB an ihrem bisherigen Vorgehen festhält, während sie die EZB und den Frankenkurs im Auge behält.

„Die SNB sitzt in der Klemme mit bereits extrem negativen Zinssätzen in der Schweiz“, sagte Gero Jung, Chefökonom der Privatbank Mirabaud. „Wenn sie jetzt schießen, haben sie keine Munition mehr für die Zukunft.“

Das Eingreifen der Schweizer Regierung, die der Wirtschaft mit einem Maßnahmenpaket von bis zu zehn Milliarden Franken unter die Arme greift, hat den Handlungsdruck für die Notenbank verringert.

Denkbar scheint, dass die Währungshüter ihre verbalen Interventionen verstärken, etwa indem sie den Franken nicht mehr länger nur als „hoch bewertet“, sondern als „deutlich überbewertet“ einstufen.

Ganz vom Tisch scheint eine Zinssenkung indes nicht: „Wir denken, dass aufgrund der deutlich höheren Devisenmarkt-Interventionen in den letzten Wochen noch ein wenig Spielraum übrigbleibt, vor allem, da die SNB damit auch das Zinsdifferential zur EZB wieder erhöhen kann“, sagte etwa Ökonom Philipp Burckhardt von Lombard Odier Investment Managers.

„Wir erwarten daher für diesen Donnerstag weiterhin eine Zinssenkung um 25 Basispunkte.“ Zudem dürften die Notenbank sicherstellen, dass den Banken ausreichend Liquidität zur Verfügung steht.

Bei der Credit Suisse geht man davon aus, dass die SNB ihren Leitzins im zweiten Quartal auf minus 1,0 Prozent senken wird, bei der Societe Generale erwartet man im dritten Quartal einen Satz von minus 0,85 Prozent.

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