Songkran Thailands Neujahrsfest ist die wahrscheinlich gefährlichste Party der Welt

Thailand feiert sein Neujahrsfest gerne wild. Die Wirtschaft freut sich auf ein Konjunkturprogramm, aber die Krankenhäuser rufen schon vorher zum Blutspenden auf.

An vielen Ecken in Bangkok ist das Neujahrtsfest Songkran längst mehr Karneval als Klosterfest. Statt sich etwas zu beträufeln, gehen die Menschen in einer gewaltigen Wasserschlacht aufeinander los. Quelle: Reuters

BangkokWas Alkohol am Steuer angeht, können manche thailändische Polizisten ziemlich tolerant sein. Wer zu viel Promille hat, darf gegen eine ausgehandelte Zahlung seine Fahrt häufig trotzdem fortsetzen.

Auch in den kommenden Tagen dürften viele Ordnungshüter gegen eine Zuwendung wieder ein Auge zudrücken. Noch bis zum Sonntag feiern Thailänder das Neujahrsfest Songkran. Was einst als spirituelles Ritual begann, ist zu einer gewaltigen Party geworden.

Es gibt sie zwar noch, die besinnlichen Momente des Festes: Vor vielen Geschäften und Wohngebäuden haben die Thais Buddha-Statuen aufgestellt, sie werden während des Fests mit Wasser beträufelt. Ein Ritual, das den Geist reinigen soll. Doch an vielen Ecken ist Songkran längst mehr Karneval als Klosterfest. Statt sich etwas zu beträufeln, gehen die Menschen in einer gewaltigen Wasserschlacht aufeinander los.

Weil viele auch betrunken im Auto oder auf dem Roller feiern, ist Songkran vielleicht nicht nur die wildeste nationale Party der Welt, sondern auch die gefährlichste.  In thailändischen Medien heißt Songkran auch „Die Todeswoche” oder die „Sieben Tage des Todes”. Die Vorbereitungen für das Fest haben schon vor Wochen begonnen: Unter anderem riefen die Krankenhäuser vorsorglich zum Blutspenden auf.

Vergangenes Jahr wurden über die Songkran-Feiertage bei Unfällen fast 400 Menschen getötet. Das sind deutlich mehr als in Deutschland in einem Monat auf den Straßen sterben. Während der Feierlichkeiten informieren Zeitungen täglich darüber, wie sich die Opferzahlen im Vergleich zum Vorjahr entwickeln. Doch Infokampagnen der Regierung und die Ankündigungen, dieses Jahr wirklich konsequent durchzugreifen, blieben stets folgenlos.

Thailands Regierung hat das Fest längst in einen Zwiespalt gebracht: Öffentlich mahnt die Junta immer wieder, dieses Jahr doch wieder etwas ruhiger und besinnlicher zu feiern. Gleichzeitig dürfen sie nicht zu sehr zum Spaßverderber werden. Längst ist das Fest zu einem wichtigen Konjunkturprogramm geworden, ähnlich wie das Weihnachtsfest im Westen.  Vor allem die Urlauber reisen in der Regel nicht an, um Buddhas zu besprenkeln.

Touristen und Thais geben während des Fests rund drei Milliarden Euro mehr als sonst aus, jedes Jahr werden es mehr. Die Banken befüllen vor der Party noch einmal extra ihre Geldautomaten. Kurz nach dem Fest sinkt der Wechselkurs des thailändischen Baht regelmäßig ab, stellte die thailändische Bank Kasikornbank jüngst fest.

Die Behörden tolerieren also die Zügellosigkeit. Gleichzeitig müssen sie aber zumindest den Anschein wahren, alles unter Kontrolle zu haben. Das führt zu kuriosen Aktionen: Kurz vor dem Fest stürmte ein Trupp Polizisten das Lager eines Händlers.

Anschließend posierten die Beamten stolz neben ihrem Fund: Kartons voller vermeintlich gefährlicher Wasserspritzpistolen aus China. Ihre Wasserstrahlen könnten Augen verletzen, argumentierten die Beamten. Der Händlerin drohen laut dem lokalen Medienbericht nun bis zu zehn Jahre Haft.

 

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