Start-up Snapchat plant den Börsengang

Snap Inc. will Anfang 2017 an die Börse. Es wäre die Wiederbelebung der High-Tech-Börsengänge, auf die alle warten. Doch ist das als „Snapchat“ bekannte Unternehmen ein zweites Facebook oder das nächste Twitter?

Laut Medienbericht könnte Snapchat bei einem Börsengang mehr als 25 Milliarden Dollar bewertet werden. Quelle: dpa

Snapchat, die App, die verschickte Fotos verschwinden lässt, ist ein Hit bei Jugendlichen und Mitzwanzigern. Wirtschaftlich will das dahinter stehende Start-up Snap künftig aber bei den ganz Großen mitspielen.

Wie das „Wall Street Journal“ berichtete, plant das Unternehmen spätestens im März an die Börse zu gehen. Mit dem Gang aufs Parkett will Snap dem Bericht zufolge eine Bewertung von 25 Milliarden Dollar erreichen. Sprecher des Start-ups erklärten, sie wollten Gerüchte nicht kommentieren.

Es wäre der größte Börsengang seit Alibaba. Das chinesische Unternehmen wurde vor zwei Jahren mit 168 Milliarden Dollar bewertet. Schon heute zieht der IPO-Markt wieder an. Laut der Risikokapitaldatenbank CB Insights wurden im zweiten Quartal 2016 erstmals mehr „Unicorns“ – Start-ups mit einer Bewertung von mehr als einer Milliarde Dollar – verkauft oder an die Börse gebracht, als neue entstanden sind. Der „Unicorn-Berg“ könnte also langsam abgetragen werden.

Was an Whatsapp Kopfschmerzen bereitet

Angefangen hat die Geschichte von Snap nicht in einer Garage, wie im Silicon Valley üblich, sondern in einem verträumten Strandbungalow in Venice Beach, dem legendären Paradies für Surfer, Künstler, Poeten und braungebrannten Exzentrikern in Boxershorts vor den Toren von Los Angeles. Aus dem knappen Duzend Angestellten wurden dann schnell Hunderte, immer mehr Gebäude wurden angemietet.

Was früher eine relaxte Meile für verrückte Typen war, heißt heute „Silicon Beach“, und immer mehr Start-ups und Internetgrößen zieht es in die Küstengegend von LA. Google ist in der Nähe, Youtube hat einen riesigen Studiokomplex, in dem Howard Hughes früher Hubschrauber bauen ließ. Spieleriese Electronic Arts residiert im mondänen Marina del Rey mit seinen weißen Jachten. Aber das sind alles Zugereiste. Mit Snapchat gäbe es zum ersten Mal einen Milliardenzahltag für ein High-Tech-Unternehmen, das in Südkalifornien gegründet wurde.

Das sind die wichtigsten Mobil-Messenger
WhatsAppMit einer Milliarde Nutzern hat WhatsApp SMS und MMS als Kurznachrichtendienste verdrängt. Features für Multimedia-Versand und Gruppenchats sowie eine besonders einfache Handhabung haben den Standard für Messenger gesetzt. Mit End-zu-End-Verschlüsselung wurde den Datenschutzbedenken etwas Wind aus den Segeln genommen. Der geplante Austausch von Metadaten mit Facebook, der erzwungene Upload aller Kontaktdaten und die Befürchtung einer Einführung von Werbung in der App sind Kritikpunkte. Kostenlos für Android und iOS. Registrierung über Telefonnummer. Quelle: PR
Facebook MessengerDer in Facebook integrierte Messenger erreicht alle 1,7 Milliarden aktiven Facebook-Nutzer. Mobil wird eine extra App benötigt, der Messenger wurde aus der Facebook-App ausgegliedert. Eine Verschlüsselungsfunktion ist geplant aber noch nicht freigegeben. Die Verknüpfung der Kommunikationsdaten mit den ohnehin von Facebook gespeicherten Daten soll die Werbe-Personalisierung optimieren. Auch der Facebook-Messenger ermöglicht den Upload aller Kontakte: Facebook verfügt damit auch über Telefonnummern zahlreicher Personen, die selbst nicht bei Facebook oder Whatsapp sind. Kritiker bezeichnen die Smartphone-App als aufgebläht und Energiehungrig. Kostenlos für Android, iOS und PC. Registrierung über Facebook-Account. Quelle: PR
HangoutsGoogle bietet mehrere Messenger-Apps an. Die bedeutendste ist Hangouts. Neben den üblichen Funktionen ermöglicht Hangouts Videokonferenzen. Chatverläufe werden standardmäßig auf Google-Servern gespeichert. Eine Verschlüsselung ist nicht möglich. Kostenlos für Android, iOS und PC. Registrierung über Google-Account. Quelle: dpa
Skype  Der Videotelefonie-Pionier Skype zählt fast zwei Milliarden Nutzer. Es unterstützt Gruppenchats, Video- und Telefonkonferenzen sowie den (kostenpflichtigen) Anruf auf Festnetzanschlüsse. Der Anbieter wurde 2011 von Microsoft gekauft. Kostenlos für Android, iOS und PC. Registrierung direkt bei Skype. Quelle: PR
TelegramDer Kurznachrichtendienst Telegram wurde von den Gründern der russischen Facebook-Alternative vk.com entwickelt, sitzt aber in Berlin. Die App ist quelloffen und bietet sowohl Transportverschlüsselung als auch End-zu-End-Verschlüsselung, die aber als angreifbar gilt. Die Funktionalität entspricht der von Whatsapp: Gruppennachrichten und Multimedia-Versand. Telegram hat über 100 Millionen Nutzer weltweit. Kostenlos für Android, iOS und PC. Die Registrierung erfolgt über die Telefonnummer. Quelle: PR
ThreemaMit 4 Millionen Nutzern ist die schweizer App noch vergleichsweise klein. Als sichere Alternative zu WhatsApp entwickelt, bietet sie die üblichen Funktionen (Gruppenchats, Medienversand). Die End-zu-End-Verschlüsselung ist sicher, zur Identifikation ist keine Telefonnummer nötig. Kontaktdaten werden verschlüsselt übertragen und gespeichert , sie dienen nur dazu, Kontakte bei Threema zu finden. Alternativ kann man diese auch direkt per Code hinzufügen. Einmalig 1,99 Euro für iOS, 2,99 Euro für Android. Quelle: PR
SignalDie Empfehlung von Edward Snowden ist Signal: Als Open-Source-Messenger wacht die digitale Schwarmintelligenz über die Sicherheit. Die Verschlüsselung erfolgt lückenlos. Signal bietet dieselben Funktionen wie WhatsApp, Telegram und Threema, zusätzlich aber auch verschlüsselte Telefonanrufe. Bei der Anmeldung muss die Telefonnummer angegeben werden, darüber können weiterhin Metadaten zugeordnet werden. Die App wird von der Freedom of Press Foundation finanziert. Kostenlos für iOS und Android. Registrierung über die Telefonnummer. Quelle: dpa

Die App wurde bekannt durch seine selbstlöschenden Nachrichten. Ein Foto verschickt an einen Freund oder Freundin vernichtet sich selbst nach einer gewissen Zeit und gibt so das trügerische Gefühl von Kommunikationssicherheit. Es verspricht aber auch eine Spontanität, wie sie vor allem Teenager und Twens lieben gelernt haben. Aus den Anfängen erwuchs eine florierende Werbemaschinerie, mittlerweile gibt es auch Werbevideos und einen „Discover“-Channel, auf dem Medienunternehmen Stories und bezahlte Snap-Ads laufen lassen.

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