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Stromhandel Strommärkte von Österreich und Deutschland sind ab sofort getrennt

Der norddeutsche Stromüberschuss war osteuropäischen Staaten schon lange ein Dorn im Auge. Die Behörden haben auf die Kritik nun reagiert.

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Vor allem Österreich hatte von der Transportroute über Osteuropa profitiert: so konnten sie Strom zu günstigeren Preisen einkaufen. Quelle: dpa

Wien Zwischen Deutschland und Österreich kann ab sofort nicht mehr unbegrenzt Strom gehandelt werden. Am Montag wurde die lange angekündigte Trennung der bisher gemeinsamen Strompreiszone wirksam, wie der österreichische Regulator E-Control mitteilte. In Deutschland und Österreich kommen damit ab sofort unterschiedliche Großhandelspreise für Strom zustande.

Dadurch könne Stromhandel an die reale Netzsituation angepasst und Energieflüsse besser beherrschbar werden, erklärte die Behörde. Die Umstellung habe reibungslos funktioniert, auch von den Marktteilnehmern gebe es bisher keine wesentlichen Kritikpunkte, teilte die Behörde weiter mit. In Österreich erwartet die E-Control durch diese Maßnahme einen etwas höheren Strompreis.

Auf Jahresbasis sei mit einem Unterschied von zwei bis drei Euro zu rechnen, abhängig von der Entwicklung der Gas- und CO2-Preise. Ins Rollen gebracht hatte die Trennung der gemeinsamen Strompreiszone der europäische Regulator Acer, der nach einer Beschwerde aus Polen und Tschechien aktiv wurde. Der Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich hatte in den vergangenen Jahren stark zugenommen.

Die Trennung der seit 2002 bestehenden gemeinsamen Handelszone der beiden Länder soll nun verhindern, dass der Stromüberschuss aus Norddeutschland das europäische Leitungsnetz überlastet. Hintergrund ist, dass in Norddeutschland massiv in den Ausbau der Windkraft investiert wurde, der Netzausbau aber nur schleppend vorangeht.

Da es für den Transport nach Süddeutschland keine ausreichenden Leitungskapazitäten gibt, fließt überschüssiger Strom ins Ausland und über Polen, Tschechien und Österreich zurück nach Süddeutschland. Diese ungewöhnliche Transportroute gilt als kostspielig und wurde von den osteuropäischen Nachbarländern kritisiert.

Österreich hatte aber davon profitiert, da es in der Lage war, überschüssigen deutschen Strom zu niedrigen Preisen zu kaufen, in seinen Pumpspeicherwerken zu lagern und bei knappem Angebot zu höheren Preisen weiterzuverkaufen.

Nach langen Diskussionen hatten sich die Bundesnetzagentur und E-Control im Mai darauf geeinigt, dass bei den langfristigen Kapazitäten ab 1. Oktober 2018 bis zu 4,9 Gigawatt Strom grenzüberschreitend vergeben werden können. Das entspricht etwa der Hälfte des österreichischen Verbrauchs in Spitzenzeiten.

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