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Studie Corona-Pandemie verursacht ein noch nie dagewesenes Impfstoffrennen

Einer aktuellen Studie zufolge hat die Coronakrise innerhalb kürzester Zeit 161 Impfstoffkandidaten hervorgebracht. So viele verschiedene Ansätze habe es noch nie gegeben.

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Einer aktuellen Studie von EY zufolge hat die Coronakrise innerhalb kürzester Zeit 161 Impfstoff- und 242 therapeutische Wirkstoffkandidaten hervorgebracht, über 700 Tests wurden entwickelt oder bereits auf den Markt gebracht. Quelle: obs

Die Coronavirus-Pandemie hat der Impfstoffentwicklung in der Pharmaindustrie einen nie dagewesenen Schub verliehen. „Wir haben über 160 Firmen, die an einem Impfstoff arbeiten, diese Menge an unterschiedlichen Ansätzen haben wir bislang noch nicht gesehen“, sagte Siegfried Bialojan, Leiter des Life Science Center der Beratungsgesellschaft EY am Montag.

Einer aktuellen Studie von EY zufolge hat die Coronakrise innerhalb kürzester Zeit 161 Impfstoff- und 242 therapeutische Wirkstoffkandidaten hervorgebracht, über 700 Tests wurden entwickelt oder bereits auf den Markt gebracht. „Man kann schon eine gewisse Hoffnung haben, dass aus dieser Menge von Ansätzen etwas hervorgeht.“

Gleichzeitig sei es noch ein langer Weg hin zu einem wirksamen Impfstoff. „Nach unserer Einschätzung werden 97 Prozent der derzeit erprobten Impfstoffe nicht das Licht der Welt erblicken“, warnte der EY-Transaktionsexperte Alexander Nuyken. Er verwies darauf, dass etwa seit Jahrzehnten erfolglos an einem Malaria-Impfstoff geforscht werde.

Im Gegensatz dazu werde nun bei Corona aber mit einer gemeinsamen Anstrengung in der Pharmaindustrie geforscht, die es so noch nie gegeben haben. Mit ersten Produkten rechnet Nuyken gleichwohl frühestens Ende 2020. Dabei sei noch nicht absehbar, welcher Impfstoffkandidat das Rennen machen werde.

„Es wäre ratsam, nicht nur auf ein Pferd zu setzen, sondern auf mehrere“, sagte Nuyken mit Blick auf die Anstrengungen aus der Politik, sich Impfstoffdosen von einigen Pharmakonzernen schon jetzt zu sichern. So hatten am Wochenende Deutschland, Frankreich, Italien und die Niederlande eine Vereinbarung mit dem Pharmakonzern AstraZeneca bekanntgegeben, mit der sich die EU-Staaten bis zu 400 Millionen Dosen eines in der Entwicklung befindlichen Corona-Impfstoffs von AstraZeneca sichern. Entscheidend sei aber auch, dass es ausreichend Produktionskapazitäten gebe, sagte Nuyken.

Im vergangenen Jahr lag der Schwerpunkt der Pharmaforschung der EY-Studie zufolge wie schon in der Vergangenheit bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten. Denn dort werden auch die höchsten Umsätze erzielt. So befanden sich 2586 Onkologie-Wirkstoffe in klinischen Studien verglichen mit 605 Wirkstoffen gegen Infektionskrankheiten.

„Es ist zu erwarten, dass die Themen Infektionen und Antibiotika-Resistenzen vor dem Hintergrund der aktuellen Coronakrise stärker in den Fokus rücken“, sagte Bialojan. „Allerdings werden die großen Firmen nicht ihre langfristigen Programme stoppen und ihre Hauptaktivität auf Covid-19 verschieben.“

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