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Studie Deutsche Banker fürchten durch Digitalisierung Abbau von noch mehr Jobs

Laut der Umfrage eines Bankenverbands glaubt jeder vierte Banker, dass sich seine Jobsituation verschlechtern wird. In zwei Bereichen entstehen aber neue Jobs.

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Digitalisierung: Deutsche Banker fürchten Abbau von noch mehr Jobs Quelle: dpa

New York Seit dem Jahr 2000 sind bei allen deutschen Banken insgesamt bereits 188.000 Stellen weggefallen. Viele Banker fürchten, dass der Abbau noch weiter gehen könnte. Die größte Bedrohung sehen sie in der Digitalisierung.

Allein im privaten Bankgewerbe des Landes glauben rund 40 Prozent der Beschäftigten, dass die Digitalisierung die langfristige Arbeitsplatz-Sicherheit in den nächsten zwei Jahren verschlechtern wird. Das zeigt eine repräsentative Umfrage des Branchen-Arbeitgeberverbands, die dem Nachrichtendienst Bloomberg vorliegt.

Bei einer Erhebung 2015 hatten lediglich 31 Prozent der Befragten eine Verschlechterung erwartet. Auf der anderen Seite ist der Anteil derer, die sich eine Verbesserung versprechen, mit rund einem Viertel nahezu konstant geblieben.

„Viele Banken verändern zurzeit ihre Geschäftsmodelle. Dabei gehen zwar digitalisierungsbedingt insgesamt Arbeitsplätze verloren, es entstehen aber auch viele neue Jobs – besonders an der Schnittstelle zwischen Bankgeschäft und IT“, sagt Carsten Rogge-Strang, Geschäftsführer Tarifpolitik beim Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes (AGV Banken).

Zwar entstehen bei Banken neue Jobs, laut Rogge-Strang sind aber zunehmend Berufe außerhalb des klassischen Bankgeschäfts gefragt – etwa aus dem mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich. „Für manche Positionen ist es inzwischen sogar unerheblich, aus welcher Fachrichtung Bewerber kommen, solange sie Interesse und Kompetenz für die Gestaltung digitaler Transformationsprozesse haben“, sagt er. Darüber hinaus würden verstärkt Spezialisten für Regulierung, Compliance und Kontrollfunktionen eingestellt.

Matthias Schellenberg, CEO von Merck Finck Privatbankiers, bestätigt diesen Eindruck. „Wenn Sie sich ansehen, welche Stellen in Banken ausgeschrieben sind, dann haben vor allem zwei Bereiche enorm an Gewicht gewonnen: IT und Compliance“, sagt er. „Wer jedoch Digitalisierung als ein reines Kostensenkungs- und Stellenabbauprogramm versteht, sieht weder die Anforderungen dahinter noch die Chancen, die sich bieten.“ Digitalisierung ersetze nicht die Beratung, sie schaffe mehr Zeit für Beratung.
Insgesamt könnten die Neueinstellungen den – vorwiegend durch die Digitalisierung bedingten – Personalabbau mit Blick auf die gesamte Branche jedoch weiter nicht ausgleichen, erklärte Rogge-Strang. Es würden jetzt vor allem einfache Tätigkeiten in Abwicklungs- und Service-Einheiten wegfallen.

Hatte es im Jahr 2000 bei privaten Banken, Sparkassen, Genossenschaftsbanken sowie Landes- und Förderbanken in Deutschland noch insgesamt 774.550 Beschäftigte gegeben, so waren es 2017 nur noch 586.250. Das geht aus den Daten des AGV hervor, der die Zahlen der anderen deutschen Bankengruppen regelmäßig abfragt. Der Abbau zog sich dabei durch alle Teilbranchen.

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