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Studie EZB-Papier betont Vorteile einer gemeinsamen Einlagensicherung

Laut Ökonomen der Notenbank dürfte es bei einer vollständigen Vergemeinschaftung der Einlagensicherung weniger Umverteilung gibt als bei einer Mischform geben.

Ökonomen der Notenbank haben Szenarien für eine gemeinsame europäische Einlagensicherung berechnet. Quelle: picture alliance / Boris Roessle

FrankfurtBundeskanzlerin Angela Merkel will die europäische Bankenunion vollenden, das zumindest hat sie jüngst angekündigt. Die wohl größte Hürde dabei dürfte eine gemeinsame europäische Einlagensicherung sein, also ein gemeinsamer Schutzschirm für die Guthaben der Sparer bis zu 100.000 Euro bei den Banken in der Eurozone.

Auf nationaler Ebene gibt es eine solche Sicherung bereits. Für viele deutsche Sparer ist ein gemeinsamer Topf auf europäischer Ebene jedoch ein rotes Tuch. Sie fürchten, dass sie und die heimischen Geldhäuser haften müssen, wenn Banken in anderen Mitgliedsländern in Schieflage geraten. Um Kritikern entgegen zu kommen, sind deshalb auch Mischformen im Gespräch, bei denen zunächst die nationale Einlagensicherung einspringt und erst danach ab einer bestimmten Grenze eine gemeinsame europäische.

In einer neuen Studie nähren Ökonomen der Europäischen Zentralbank (EZB) allerdings Zweifel an dieser Variante. Ein Mischmodell, bei dem zunächst ein nationaler Fonds einspringt und erst danach eine gemeinsame europäische Einlagensicherung, führt demnach zu mehr Umverteilung zwischen den Euro-Ländern als eine vollständige Vergemeinschaftung.

„Der Vergleich zwischen einer voll entwickelten und einer gemischten Einlagensicherung zeigt, dass das Ausmaß der Quersubventionierung bei Letzterem stärker wäre", heißt es in dem Papier. Die Aussagen geben nicht unbedingt die Position der EZB wieder. Allerdings befürwortet die Notenbank einen Vorschlag der EU-Kommission von 2015, der eine schrittweise Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung ab 2020 vorsieht.

Nach den Berechnungen der EZB-Ökonomen wäre bereits ein Versicherungstopf mit Beiträgen von 38 Milliarden Euro hinreichend, wenn zehn Prozent der Banken mit den riskantesten Geschäften gleichzeitig zusammenbrechen. „Selbst in diesem extremen Fall würde jedoch der Versicherungsfonds niemals geleert“, erklären sie.

In ihrer Studie beschäftigen sich die Forscher unter anderem mit Szenarien, in denen von 1675 Instituten entweder drei Prozent oder sogar zehn Prozent der riskantesten Banken gleichzeitig in ernsthafte Schieflage geraten. Der Studie zufolge wären die Beiträge deutscher Institute zu dem Versicherungsfonds mit Abstand am größten mit 12,5 Milliarden Euro gefolgt von Instituten Frankreich mit 6,6 Milliarden Euro. Dabei nehmen die Forscher an, dass zur Bemessung der Beiträge der Risikograd der Geschäfte einbezogen wird. 

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