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Suchmaschine Bing Drohender Google-Rückzug aus Australien: Microsoft bietet sich als Ersatz an

Google hat in Australien wegen drohender Abgaben an Medienunternehmen mit einem Rückzug gedroht. Der Konkurrent Microsoft wittert seine Chance.

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Der Konzern droht in Australien als Reaktion auf ein geplantes Mediengesetz mit der Abschaltung seiner Suchmaschine. Quelle: dpa

Bei einem Rückzug von Google aus Australien möchte Microsoft seine Suchmaschine Bing als Ersatz positionieren. Microsoft teilte am Mittwoch mit, das Unternehmen unterstütze das australische Gesetzesvorhaben, wonach die größten Digitalplattformen für Nachrichten bezahlen sollen, und würde kleinen Unternehmen helfen, mit ihrer Werbung zu Bing umzuziehen.

Das geplante Gesetz sieht vor, dass Google und Facebook Medienunternehmen fair für die Inhalte bezahlen, die sie von deren Internetseiten abgreifen. Google-Manager sagten im Januar bei einer Anhörung im Senat, dass sie ihre Suchmaschine in Australien wahrscheinlich nicht mehr verfügbar machen würden, wenn das Gesetz Realität wird.

Microsoft-Präsident Brad Smith erklärte in einer Unternehmensmitteilung, er und der Vorstandschef Satya Nadella hätten Ministerpräsident Scott Morrison und Kommunikationsminister Paul Fletcher bei einem Online-Treffen in der vergangenen Woche gesagt, dass Microsoft das Gesetzesvorhaben uneingeschränkt unterstütze. Morrison bestätigte, dass er mit Nadella gesprochen hat. „Wir glauben, dass der gegenwärtige Gesetzesvorschlag einen fundamentalen Schritt in Richtung einheitlicherer Wettbewerbsbedingungen und eines faireren digitalen Ökosystems für Konsumenten, Unternehmen und die Gesellschaft darstellt“, erklärte Smith.

Bing ist zwar in Australien die am zweithäufigsten genutzte Suchmaschine, hat laut dem Webanalysedienst Statcounter aber nur 3,6 Prozent Marktanteil. Google kommt nach eigenen Angaben auf 95 Prozent.

Wissenschaftlerin sieht Vorteile in einem Google-Rückzug

Belinda Barnet, Dozentin für Medienwissenschaft an der Swinburne University, sagte, es könne Vorteile haben, wenn andere Suchmaschinen benutzt würden. Sie beschrieb die von Google betriebene Personalisierung als problematisch: „Manche dieser Plattformen, insbesondere Google und Facebook, füttern Sie mit mehr Falschinformationen wenn Sie bereits dazu neigen, auf Falschinformationen zu klicken, somit schaffen sie in einem gewissen Sinne diese Echokammer.“

Mit Blick auf zwei andere Suchmaschinen sagte sie: „Ein Produkt wie DuckDuckGo und Ecosia wird nicht wissen, dass Sie sich in der Vergangenheit 100 Artikel darüber angeschaut haben, dass Impfstoffe schlecht seien, und Ihnen einfach die genauesten Informationen geben, die sie finden können.“

Peter Strong, Geschäftsführer des Wirtschaftsverbandes Council of Small Business Organizations Australia, sagte, ein Rückzug von Google werde sich wohl nur kurzzeitig auswirken. „Eine Organisation hat die Fähigkeit, ein Land zu erpressen, und das sollte nie vorkommen“, sagte er und sprach sich für mehr staatliche Regulierung aus.

Das Gesetzesvorhaben sieht nicht vor, dass kleinere Suchmaschinen wie Bing für die Nutzung von Nachrichten bezahlen, doch die Regierung hat diese Möglichkeit nicht ausgeschlossen. Auch andere Länder sind bestrebt, Google für Nachrichten bezahlen zu lassen. Wenn Google und Medienunternehmen sich in Australien nicht auf einen Preis für die Nachrichtennutzung einigen können, wird dem Plan zufolge ein Schiedsgericht den Preis festsetzen.

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