Super Bowl Amerika will die Eagles siegen sehen

Die Abneigung gegen die New England Patriots bringt alle zusammen. Egal, ob Demokraten oder Republikaner: Alle wollen Außenseiter Philadelphia siegen sehen.

Spieler der New England Patriots beim Training. Die Patriots treffen am Sonntag den 4. Februar auf die Philadelphia Eagles im Endspiel der Football-Liga NFL. Die Patriots sind die Favoriten - und äußerst unbeliebt. Quelle: AP

New YorkDer Super Bowl vom vergangenen Jahr in Houston ist vielen noch gut in Erinnerung. Die New England Patriots lagen gegen die Atlanta Falcons weit zurück, legten in der zweiten Halbzeit eine unglaubliche Aufholjagd hin und gewannen den Super Bowl. Deren Fans feierten die Nacht in der texanischen Stadt durch. „Ich bin froh, wenn die endlich weg sind“, sagte eine Mitarbeiterin von dem Mietwagenverleih im schönen texanisch-rollenden Englisch. „Diese Yankees“.

Die Szene fasst gut die Meinung zusammen, die nicht nur in den Südstaaten viele Amerikaner hegen. Keiner mag die Patriots. Und jetzt sind sie schon wieder im Super Bowl, treten am kommenden Sonntag in Minneapolis, Minnesota, gegen die Philadelphia Eagles an. Schon zum achten Mal nehmen sie seit 2002 am Finale der Football-Meisterschaft teil, immer mit Trainer Bill Belichick sowie Quarterback und Schlüsselspieler Tom Brady. „Ewig grüßt das Murmeltier“, schreibt die Zeitung „USA Today“.

Anders als beim Fußball in der Bundesliga oder Premier League ist es beim amerikanischen Football keineswegs üblich, dass immer die gleichen Mannschaften den Sport dominieren. Dafür gibt es in der Saison zu wenige Spiele, auch durch die Playoffs spielen Glück und Zufall eine größere Rolle. Zudem sind die Transfers der Spieler stärker reguliert.

Amerikaner sind es nicht gewöhnt, immer wieder die gleiche Mannschaft im Finale zu sehen. In einer Umfrage vor einem Jahr sagten 21 Prozent der Befragten, sie würden die Patriots „hassen“, während 42 Prozent sich negativ über das Team äußerten. Die Umfrage führte die Marktforschungsfirma PPF noch vor dem Super Bowl aus, den die Patriots dann gewannen – ihre Popularität dürfte dadurch noch mehr gesunken sein.

Das sonst so politisch zerstrittene Land findet zusammen – in der Abneigung gegen die Patriots. In der Umfrage sprechen sich sowohl Republikaner als auch Demokraten im gleich hohen Ausmaß gegen die Mannschaft aus. „Ich würde nicht von Hass sprechen“, verteidigt Robert Kraft sein Team, die Patriots, „jeder unterstützt gern den Außenseiter“. Listig fügt der Milliardär hinzu: „Dafür habe ich vollstes Verständnis, und ich hoffe wir können den Menschen noch viele weitere Jahre dabei helfen und das Gefühl geben“.

Die Patriots sind nicht nur wegen ihres Erfolgs unbeliebt. Mehrere Skandale trübten ihr Image, wie 2007 das „Spygate“, als die Patriots heimlich den Trainer für die Verteidigung der New York Jets mit einer Videokamera filmten, um Handsignale und anderes herauszufinden. Das war kein Einzelfall und widersprach den Statuten der NFL, die Mannschaft und der Trainer erhielten hohe Strafen.

Fast genauso hohe Wellen schlug acht Jahre später das „Deflategate“, als die Patriots im Halbfinale gegen die Indianapolis Colts mit zu weichen Bällen gespielt hatten. Die waren damit besser zu packen und zu fangen. Quarterback Tom Brady wurde für vier Spiele gesperrt, die Patriots mussten eine Million Dollar Strafe zahlen und auf Rechte beim Spielererwerb verzichten.

Wenig hilft, dass Trainer Belichick oft barsch und fast arrogant auftritt - legendär ist die Pressekonferenz vor drei Jahren, als er die Fragen von Reportern über das verlorene Spiel leid war und auf alle Fragen fast immer gleich antwortete: „Auf nach Cincinnati“. Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass er sich auf das nächste Spiel in Cincinnati konzentriere und der Rest ihm egal ist. „Ich hätte es auch 113 Mal gesagt“, erinnerte er sich später.

Auch Brady ist nicht unumstritten. Aus sportlicher Sicht ist der Quarterback ein Phänomen, mit fast 40 Jahren ist er immer noch fit genug, um ganz oben mitzuspielen. Seine Pässe sitzen, sein strategisches Auffassungsvermögen und spielerische Intelligenz sind ausgewöhnlich. Allerdings kommt er vielen als zu perfekt vor, gutaussehend, verheiratet mit dem Supermodel Gisele Bündchen. Den Bier trinkende Football-Fans kommt seine Ernährung unverständlich vor: Viel frisches Gemüse und Obst. Das hört sich noch ganz normal an, allerdings gibt es eine lange Verbotsliste. Brady isst keinen weißen Zucker oder Mehl, trinkt keinen Kaffee, Tomaten höchstens einmal im Monat, keine Paprika, Pilze und Auberginen.

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