WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Supermarkt-Fusion Rewe-Chef torpediert Edeka und Tengelmann

Mit einem offenen Brief will Rewe-Chef Alain Caparros die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch Edeka verhindern. Er umgarnt die Gewerkschaft – und hat doch nur Minister Gabriel im Blick.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
„Wir bieten die weitaus bessere Perspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann.“ Quelle: dpa

Mit aller Macht versucht Rewe-Chef Alain Caparros den geplanten Zusammenschluss der Konkurrenten Edeka und Kaiser’s Tengelmann zu torpedieren. In einer ganzseitigen Zeitungsanzeige, in der er Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub direkt anspricht, warnt er davor, dass die Macht des Marktführers Edeka nach einer Übernahme von Kaiser’s Tengelmann weiter wachsen würde – „zulasten des Wettbewerbs, der Kunden und der Lieferanten“. Und er macht sehr weitgehende Zusagen für die Mitarbeiter und die Sicherung der Arbeitsplätze, falls sich Haub doch noch zu einem Verkauf an Rewe entschließen sollte.

Die Attacke kommt für Tengelmann zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Das Kartellamt hat die Übernahme durch Edeka bereits untersagt. Nun hoffen die beiden Unternehmen, dass sich Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit einer Ministererlaubnis über das Votum der Wettbewerbshüter hinwegsetzt. Ihr Argument: Nur so könnten alle 16.000 Arbeitsplätze bei Kaiser’s Tengelmann gerettet werden. Eine Alternative dazu gebe es nicht.

Haubs Problem: Nicht einmal die Arbeitnehmer kaufen ihm diese Argumentation ohne weiteres ab. So hat die Gewerkschaft Verdi an diesem Dienstag erneut eine „nachhaltige Beschäftigungsgarantie“ für alle Mitarbeiter gefordert. Bisher gebe es keine derartige rechtsverbindliche Zusicherung von Edeka, kritisierte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger.

Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

Daran ändere auch ein am Wochenende bekanntgewordener Brief des Edeka-Chefs Markus Mosa an die Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Kaiser's Tengelmann nichts. Die darin gemachten Zusicherungen nannte sie „unverbindliche, geradezu wolkige Absichtserklärungen“. Zuvor hatte auch schon ein Teil des Betriebsrats von Tengelmann in einem Brief an Haub Bedenken angemeldet.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Genau an diesem wunden Punkt setzt jetzt Rewe-Chef Caparros an. In seiner Anzeige, die auch im Handelsblatt erschienen ist, erklärt er: „Wir bieten die weitaus bessere Perspektive für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Kaiser’s Tengelmann.“

    Ganz gezielt spricht er alle Forderungen der Gewerkschaft an: Er bietet die Sicherung aller Arbeitsplätze – auch in der Logistik, den Lagern und der Verwaltung. Edeka-Chef Mosa dagegen hatte in seinem Brief an den Betriebsrat eingeräumt, „dass in einigen Bereichen Beschäftigungsverhältnisse nicht fortgesetzt werden können“. Dafür werde es dann im Edeka-Verbund Neueinstellungen geben.

    WiWo



    Doch Caparros geht noch weiter. Er sagt die Tarifbindung für alle Mitarbeiter zu und die flächendeckende Mitbestimmung durch Betriebsräte. Und er garantiert, dass kein Markt an selbstständige Kaufleute innerhalb der Rewe-Gruppe weitergegeben würde. Das wäre bei einer Übernahme durch Edeka ein ganz heikler Punkt. Denn viele selbstständige Edeka-Kaufleute zahlen weder Tarifgehälter noch gilt bei Ihnen die Mitbestimmun g. Deswegen fürchtet die Gewerkschaft Verdi, dass mittelfristig Edeka von Tengelmann übernommene Märkte an Kaufleute auslagern könnte.

    Ganz pathetisch appelliert Caparros an die „unternehmerische Verantwortung“ von Tengelmann-Chef Haub und die „Tradition der Familie“. Er betont erneut, für ein Gespräch über eine Übernahme jederzeit zur Verfügung zu stehen – zum „Wohl Ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“.

    Doch eigentlich zielt Caparros offener Brief, den alle Rewe-Vorstände mitunterschrieben haben und der mit „Liebe Freunde des Handels“ überschrieben ist, auf eine ganz andere Person. Er soll Wirtschaftsminister Gabriel zum Nachdenken bringen und ihn davon abhalten eine Erlaubnis für die Übernahme durch Edeka zu erteilen. Ob danach Rewe zum Zuge käme oder Kaiser’s Tengelmann zerschlagen oder sogar abgewickelt wird, ist Caparros dann im Zweifel wahrscheinlich egal.

    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%