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Amazons Kindle 2 Elektronische Bücher als Retter von Zeitungen und Verlagen?

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Für Verlage und Autoren sind das trotz allem gute Nachrichten. Zwar wären selbst 750.000 Kindle-Eigentümer noch kein Massenmarkt. Doch auch die Verkäufe von Apples heutigem Mega-Seller, dem Musikabspielgerät iPod, liefen langsam an. Als Firmengründer Steve Jobs das knapp 400 Dollar teure Gerät 2001 ankündigte, waren Analysten skeptisch. Erst als Jobs eine leicht bedienbare Musikverwaltungssoftware mit einem Online-Musikladen koppelte und günstigere Geräte auf den Markt brachte, kam der Erfolg. „Das Geheimnis des iPod ist, dass er Teil eines Systems ist“, sagte Jobs schon 2005 im WirtschaftsWoche-Interview.

So ein System hat Bezos nun auch rund um den Kindle gestrickt. Rund 230 000 Buchtitel sind über die Kindle-Plattform zu beziehen, dazu Tageszeitungen, Zeitschriften und Blogs. „Wir werden den Katalog erweitern und dabei Bestsellern Priorität einräumen“, sagt Bezos. Seine Kunden stimmen jeden Tag unbewusst auch über die künftigen Titel in der Kindle-Bibliothek ab – mit ihren Einkäufen.

Doch das Konzept hat noch Schwächen. Denn Internet-Milliardär Bezos ist zu sehr auf seinen Kindle fixiert. Dabei gibt es bereits „Millionen von digitalen Lesegeräten, nämlich Laptops“, sagt Frank Daniels, Geschäftsführer des US-Technologiedienstleisters Ingram Digital. Daniels hat seinen Kindle wieder verkauft, weil er Bücher lieber auf dem Notebook liest. Andere bevorzugen das Mobiltelefon: Google hat bereits 1,5 Millionen Bücher so aufbereitet, dass sie auf Handys gelesen werden können – wie etwa dem in den USA und in Deutschland vom Mobilfunkpartner T-Mobile vertriebenen Google-Handy G1.

Und auch Apples iPhone hat sich längst zum beliebten E-Book-Reader entwickelt. Dafür sorgt unter anderem die kostenlose Software Stanza. Zehntausende Literaturklassiker, deren Urheberrechte abgelaufen sind, lassen sich so aufs Apple-Handy laden. Der elektronische US-Buchhändler Fictionwise vertreibt über das eigene iPhone-Programm eReader weitere 60.000 Titel.

Dass der Erfolg des Kindle von der verfügbaren Literaturauswahl abhängt, ist auch Bezos klar. Er ist dabei auf Kooperationen mit Medienunternehmen angewiesen. Lange hatte sich etwa der US-Verlag Sid Newhouse – Eigentümer von Advance Publications – dagegen gesperrt, seine Zeitschriften für den Kindle aufzubereiten. Das Unternehmen fürchtete, dass darüber die gedruckte Auflage, die über Anzeigenpreise entscheidet, sinken könnte.

Doch die Bereitschaft der Verlage zur Zusammenarbeit steigt. Neuerdings ist etwa das Intellektuellen-Magazin „New Yorker“ für den Kindle verfügbar. Newhouse nahm sich ein Beispiel an der „New York Times“, die für den Kindle im Monatsabo für 13,99 Dollar verfügbar ist.

Noch ist die Zahl der Kindle-Abonnenten klein, genaue Zahlen geben die Anbieter nicht heraus. Doch das kann sich schnell ändern wenn der Preis des Lesegeräts sinkt. Für die „New York Times“ könnte es sich sogar lohnen, das Lesegerät kostenlos abzugeben, wenn der Käufer dafür die Zeitung abonniert. Nach Schätzungen des US-Branchendienstes Sillicon Alley Insider lässt es sich die „Times“ knapp 650 Millionen Dollar im Jahr kosten, die Abonnenten mit einer Zeitung zu beliefern. Aber für nur 300 Millionen Dollar könnte man jeden Abonnenten mit einem Kindle ausstatten.

E-Book-Revolution bislang nur in den USA

Noch findet die E-Book-Revolution nur in den USA statt. Wann der Kindle auch in Deutschland erhältlich sein wird, mag Kindle-Chef Freed nicht sagen. Konkurrent Sony ist da schneller. Am 11 März bringt der japanische Elektronikkonzern gemeinsam mit dem Buchhändler Libri die 299 Euro teure Zweitauflage seines Sony Reader PR505 genannten Lesegerätes auf den deutschen Markt – unter anderem in 230 Filialen der Thalia-Buchhandlung. Die erste Version des Gerätes stellte Sony-Chef Sir Howard Stringer im Januar 2006 vor. Doch auch wenn der britische Edelmann den Kindle unter anderem bei Preis und Gewicht unterbietet: Bei der eigentlichen Innovation – dem digitalen, drahtlosen Literaturvertrieb – kann der PR505 mangels Mobilfunkmodul nicht mithalten. Gerade das jedoch macht den Kindle so reizvoll.

Aber dieses Alleinstellungsmerkmal wird nicht lange Bestand haben. Denn zeitgleich mit dem Kindle 2 präsentierte in New York Plastic Logic – ein deutsch-britisches Unternehmen, das in Dresden neuartige Displays für elektronische Lesegeräte fertigt – auf einer Verleger-Konferenz den Prototypen eines eReader genannten digitalen Buchs, das ebenfalls schnurlos Bücher aus dem Internet wird laden können. Zudem haben die wenige Millimeter dicken Displays A4-Format. Damit sind die eReader so groß wie Zeitschriftenseiten und können problemlos auch das Layout der Magazine übernehmen, inklusive Fotos und Anzeigen. Geplant ist, das Gerät im kommenden Jahr auf den Markt zu bringen.

Mit den Tageszeitungen „USA Today“ und der „Financial Times“, meldete Plastic Logic in Manhattan stolz, stehen erste prominente Medienpartner bereits fest.

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