WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Apple gegen das FBI Der Zoff um die Sicherheit trifft deutsche Firmen

Seite 3/3

Pentagon schlägt sich auf Seite von Apple

Diese Argumente zeigen Wirkung. Michael Hayden, immerhin Exchef der Geheimdienste CIA und NSA, unterstützt inzwischen Apples Position. „Wegen der Gefahr durch Cyberattacken sollten wir lieber auf sichere Verschlüsselungsverfahren setzen“, mahnt der pensionierte General.

Selbst der Verteidigungsminister der USA, Ashton Carter, räumte kürzlich ein, er glaube „nicht an Hintertüren“. Auch er sprach sich stattdessen für starke Verschlüsselungsverfahren aus. Microsoft, Oracle, Twitter, Airbnb, Ebay und mehr als ein Dutzend andere Techfirmen sind inzwischen Apple zur Seite gesprungen. Facebook, Google und Yahoo wollen folgen. Für die IT-Riesen steht viel auf dem Spiel. Sollten sie am Ende doch verlieren, wollen gerade deutsche Vorstände vorbereitet sein. „Insbesondere bei deutschen Kunden merken wir, dass es ihnen wichtig ist, dass wir ihre Daten in Deutschland oder Europa speichern und wir auch die Software in unseren lokalen Rechenzentren oder bei entsprechenden Partnern betreiben“, betont SAP-Vorstand Leukert.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Microsoft überträgt daher den Betrieb zweier Rechenzentren an die Deutsche Telekom. Das soll sie vor Zugriffen der US-Behörden schützen. „Der Zugang zu Kundendaten die dort gespeichert werden, liegt bei T-Systems, einem unabhängigen Unternehmen mit Sitz in Deutschland“, betont Microsoft-Deutschlandchefin Sabine Bendiek. „Damit reagieren wir speziell auf Anforderungen datensensibler Organisationen.“

    Zugleich interessieren sich deutsche Konzernvorstände und Mittelständler wieder verstärkt für heimische Verschlüsselungssysteme, wie sie etwa der Münchner Sicherheitsspezialist Virtual Solution entwickelt hat. Dessen Technik sichert etwa die iPhones und iPads aller Topmanager von Siemens. Kein Zufall: Das Start-up ist eine Ausgründung aus dem Konzern. Im Februar stellte es mit SecurePIM eine so gute Lösung vor, dass drei Bundesministerien sie bereits für den mobilen E-Mail-Versand geheimer Verschlusssachen testen.

    Auch andere deutsche Konzerne treffen Vorkehrungen. Das bisher ambitionierteste Projekt starten die vier Dax-Konzerne Allianz, Bayer, BASF und Volkswagen. In Berlin bauen sie die Deutsche Cyber-Sicherheitsorganisation auf. Das Ziel: Sie soll besonders hochwertige Schutzverfahren für die vier Gesellschafter, aber auch für andere Unternehmen entwickeln. Es geht um solche, die „wir bisher nicht im Markt finden konnten“, erklärt Christian Schlaeger, Bereichsleiter IT-Sicherheit bei der Allianz.

    Die Bundesregierung ermuntert die übrige Wirtschaft, dem Beispiel zu folgen. „Mehr IT-Sicherheit gibt es nur, wenn wir die Abhängigkeit von den Global Playern reduzieren und eigene nationale und europäische Lösungen entwickeln“, so das Bundesinnenministerium.

    Start-up will nach Irland ausweichen

    Zugleich bereiten sich auch in den USA Unternehmer darauf vor, dass der Kongress den Behörden per Gesetz universellen Zugang zu verschlüsselten Daten gewährt.

    Wie Roman Weishäupl; er entwickelt Software, mit der Kunden abhörsicher mobil kommunizieren können, und ist vor einigen Jahren mit seiner Firma Darkroom von Frankfurt nach San Francisco gezogen.

    Seine Programme kommen komplett ohne Server aus. „Anders als Snapchat oder WhatsApp könnten wir gar keine Gespräche von Kunden zurückverfolgen oder Gelöschtes wieder herstellen, selbst wenn wir das wollten“, sagt Weishäupl. Sollte eines Tages das FBI doch noch von ihm eine Hintertür verlangen, hat er einen Plan B: „Wir können auch wieder aus Kalifornien weggehen“, droht der Gründer. Er habe sich bereits Irland als alternativen Standort angeschaut.

    Wie der juristische Streit im Fall des iPhones 5C von Terrorist Farook ausgeht, ist offen. Inzwischen hat ein New Yorker Richter in einem ähnlichen Fall mit einem Drogenhändler die Ermittler abblitzen lassen. Klar ist, Apple-Chef Cook wird notfalls bis vor den obersten Gerichtshof der USA ziehen.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%