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Apple gegen das FBI Der Zoff um die Sicherheit trifft deutsche Firmen

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Software so gefährlich wie Krebs

Der Konzern verfällt nicht zufällig auf solche Tricks. „Gerade US-basierte Techunternehmen wie Apple haben erkannt, dass die Glaubwürdigkeit der Sicherheit ihrer Angebote für sie eine zunehmend brisante Frage wird“, sagt Claudia Nemat, Vorstand für Europa und Technologie bei der Deutschen Telekom. Auch deswegen wehrt sich Apple-Chef Tim Cook zurzeit mit Händen und Füßen gegen die Hintertür in seinen iPhones. Er will das Geschäft mit Unternehmenskunden ausbauen. Störfeuer, die das Vertrauen in die Marke Apple ankratzen, kann er da gar nicht gebrauchen.

Und so kämpft er mit für ihn ungewöhnlichen Mitteln für seine Sache. Erstmals etwa empfing er ein Fernsehteam in seinem karg eingerichteten Büro in der Konzernzentrale in Cupertino. In dem Gespräch mit dem US-Sender ABC warnte er, die geforderte Hintertür mache „Hunderte Millionen von Nutzern rund um die Welt angreifbar“. Es sei eine Software vergleichbar mit Krebs, die man niemals schreiben sollte, so Cook.

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    Seit den Enthüllungen von Edward Snowden stehen alle IT-Giganten der USA unter Generalverdacht, eng mit den angelsächsischen Geheimdiensten zu kooperieren. IBM und Amazon richteten auch deshalb Rechenzentren in Europa ein, um Sorgen ihrer Cloud-Kunden zu zerstreuen.

    Den Vorstoß des FBI, Apple zur Mithilfe zu zwingen, werten viele Sicherheitschefs als Versuch, bisher illegale Ausspähpraktiken zu legalisieren. US-Geheimdienstkoordinator James Clapper verkündete jüngst auf der Münchner Sicherheitskonferenz, sein nächstes Großprojekt sei, „das Verschlüsselungsproblem“ politisch zu lösen. Der Einsatz starker Verschlüsselung erschwere die Aufklärungsarbeit zunehmend.

    Offiziell geht es um die Terrorabwehr. Aber die Geheimdienste der USA und anderer Staaten betreiben auch Wirtschaftsspionage. Die Gefahr ist groß, dass sie per Generalschlüssel auch in IT-Systeme von Unternehmen vordringen. „Wir begrüßen die Haltung von Apple“, sagt Jan Wolter, Geschäftsführer der Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft in Berlin, der unter anderem der Versicherungskonzern Allianz und der Autobauer Daimler angehören. „Für Unternehmen sind sichere Verbindungen ohne Hintertüren enorm wichtig.“

    Sicherheit wichtiger als Datenschutz

    Allerdings spricht vieles dafür, dass sich Konzerne wie Apple, Google, Microsoft und Facebook nicht auf Dauer gegen den politischen und öffentlichen Druck stemmen können. Terroranschläge wie in Paris vergangenen November verschieben die Meinung der Bevölkerung. Sicherheit von Leib und Leben wiegt in den Augen vieler schon heute mehr als Datenschutz.

    Könnte es überhaupt einen Kompromiss zwischen US-Regierung und Apple geben? Laut Kevin Bocek, Strategiechef des amerikanischen IT-Sicherheitsexperten Venafi, nicht: „Wenn Apple den Behörden einen Generalschlüssel gibt, untergräbt das die gesamte Sicherheit im Internet“, warnt er.

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    Dropbox, Google Drive, Apple iCloud Quelle: dpa
    GMX AOL Google Mail Quelle: dpa
    Cloud Gaming Quelle: AP
    Google Docs Microsoft Office Quelle: REUTERS
    Adobe Kreativ-Programme Quelle: AP
    Musik-StreamingAuch wer Musik-Streaming-Dienste wie Spotify, Napster oder Apple Music nutzt, befindet sich in der Cloud. Bei all diesen Streaming-Diensten werden Millionen Musik-Titel auf Servern gelagert, auf die der Nutzer von seinem Endgerät aus zugreift. Dafür muss er entweder ein monatliches Entgelt bezahlen oder die kostenlosen Alternativangebote nutzen. Bei Spotify kann der Nutzer zum Beispiel die Gebühren einsparen, wenn er bereit ist, zwischendurch von Werbung beschallt zu werden. Quelle: dpa
    Serien-StreamingFilme und Serien werden ebenfalls immer öfter über das Netz angesehen. Anbieter wie Netflix, Sky Go, Watchever, Amazone Prime und Maxdome erlauben den Zugriff auf tausende Filme und Serien. Auch hier zahlen Nutzer eine monatliche Gebühr und können dafür so viel schauen, wie sie möchten. Quelle: dpa

    Auch Aaron Levie, Chef des Onlinespeicherdienstleisters Box, fürchtet einen Dominoeffekt. „Das FBI beharrt darauf, sein Wunsch sei kein Präzedenzfall. Dabei ist er genau das“, sagt er. Lenke Apple ein, müssten auch andere Unternehmen den digitalen Dietrich aushändigen. Ausländische Regierungen würden Gleiches fordern – wie der Facebook-Fall aus Brasilien belegt.

    Die Welt werde durch die Hintertüren „noch unsicherer“, mahnt Experte Bocek. Wenn nämlich die Schlüssel dazu in die Hände derer fielen, gegen die sie ursprünglich schützen sollten: Kriminelle und Terroristen. „Wenn man weiß, wie das Internet der Dinge künftig alles elektronisch miteinander verknüpft, kann man sich die Horrorszenarien ausmalen“, warnt er.

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