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Apple-Mitgründer Steve Wozniak "Computer brauchen Fans"

Apple-Mitgründer Steve Wozniak über den Aufstieg des kalifornischen Computerherstellers, die schwierige Zusammenarbeit mit seinem Kompagnon Steve Jobs und den Schlüssel zum Glück.

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Apple- Mitgründer Steve Wozniak Quelle: Reuters

WirtschaftsWoche: Alles, was Apple herausbringt, scheint erfolgreich zu sein. Gerade ist das neue Betriebssystem erschienen, mit dem das Unternehmen Microsoft angreifen will. Und schon nach wenigen Stunden war es in vielen Geschäften ausverkauft. Was ist Apples Erfolgsgeheimnis? 

Wozniak: Das Unternehmen ist eine Frage des Stils geworden. Das ist bemerkenswert.

War das abzusehen? 

Nein, daran habe ich nie gedacht, zumal mich die Stilfragen nicht interessieren. Ich orientiere mich an den Funktionen der Geräte. Zwar habe ich beim „Apple II“ der 1977 auf den Markt kam, alles selbst gemacht. Auch die Hardware habe ich gestaltet. Letztlich war es aber Steve Jobs’ Idee, dass wir eine Kiste für die Maschine brauchten. Der „Apple II“ war weltweit der erste Computer mit einem Plastikgehäuse. Steve sah es als oberstes Ziel an, Dinge attraktiv zu machen.

Das zeichnet Apple bis heute aus.

Richtig. Doch Fans wollte Steve eigentlich niemals haben. Er sagte, man solle die Intelligenz benutzen, um Dinge immer wieder neu zu erschaffen, sodass sie keine Anhänger finden. Doch das ist lange her. Heute braucht jedes Gerät einen Fan, damit es sich behaupten kann.

Welche ist die bedeutendste Entwicklung von Apple?

Der „Apple II“-Computer. Außerdem sticht natürlich der „Macintosh“ aus dem Jahr 1984 hervor. Der hat mit seiner grafischen Bedieneroberfläche die gesamte Branche revolutioniert.

Aus dem Tagesgeschäft haben Sie sich schon vor Jahren verabschiedet. Was verbindet Sie noch mit dem Unternehmen?

Ich liebe Apple. Aber die Art und Weise, wie heute dort gearbeitet wird, zeigt mir, dass ich da keinen Platz mehr hätte. Meine Ideen würden dort nicht mehr auf fruchtbaren Boden fallen.

Warum? 

Meine Art, Dinge zu bewerten, würde dort nicht mehr ankommen, weil ich immer das Einfachste bevorzuge. Apple ist inzwischen ziemlich komplex geworden. Außerdem mag ich es nicht, Abläufe zu regeln und zu managen. Ich brauche keine bossigen Leute um mich herum. Wenn ich auf der untersten Ebene arbeite, dann können meine Erfindungen durchaus genial, exzellent oder sogar perfekt sein. Sobald ich aber oben stehe, muss ich über die Arbeit anderer urteilen. Das kann ich nicht.

Das unterscheidet Sie von Apple-Chef Steve Jobs. Ihr Verhältnis gilt ohnehin als schwierig. Haben Sie noch Kontakt? 

Ja, aber dicke Freunde sind wir nicht, und der Kontakt ist stark abgeflaut. Uns verbindet die Vergangenheit. Selbst als wir noch zusammengearbeitet haben, waren wir selten an einem Ort. Das lag auch daran, dass Steve lernen wollte, wie man ein Unternehmen führt, während ich mich lieber im Labor verschanzt habe, um neue Dinge zu entwickeln.

Jobs’ Führungsstil gilt als autoritär.

Das sagen viele. Ich kann das nicht beurteilen – ich habe ja nie gesehen, wie er Leute angeschrien hat.

Stört es Sie, dass Sie immer erst nach Steve Jobs gefragt werden und dann danach, was Sie gerade tun? 

Nein. Überhaupt nicht.

Also gut: Woran arbeiten Sie gerade? 

Ich forsche für das Unternehmen Fusion IO an neuartigen Speichermedien. Diese basieren auf einem Prinzip, das Flash-Speichern ähnelt. Diese Speichermedien werden Computer und Server 20-mal schneller machen. Die von Fusion IO entwickelte Technik ist einzigartig und könnte die altbekannte Festplatte eines Tages ablösen.

Können Sie sich noch ein Leben ohne Computer vorstellen?

Durchaus. Schließlich bin ich ohne Computer aufgewachsen. Und bei allem, was ich tue, gehe ich in meinem Kopf zurück und erinnere mich daran, wie es früher war ohne technische Unterstützung.

Wie viel Zeit verbringen Sie täglich am Computer?

Unglücklicherweise bin ich sehr offen für Neues und bekomme deswegen viel Post. Ich habe eine große Fangemeinde, mit der ich gern kommuniziere. Selbst wenn ich völlig frei bin von Verpflichtungen, verbringe ich doch noch ein Minimum von drei Stunden am Bildschirm. An anderen Tagen stehe ich auf und sitze 16 Stunden am Rechner.

Zu welcher Tageszeit arbeiten Sie?

Programme schreibe ich tagsüber. Wenn es aber zum Praktischen kommt, sitze ich oft bis spät in die Nacht, vor allem, wenn ich etwas aufmalen, Geräte verkabeln oder Fehler finden muss. Die größte Freude eines Ingenieurs wie mich ist es übrigens, Fehler auszumerzen, nach denen man vielleicht eine ganze Woche gesucht hat. Wenn ich einen beheben kann, bin ich glücklich.

Sie haben drei Kinder. Wie haben Sie die an die Welt der Computer herangeführt?

Mein ältester Sohn, Jesse John, liebt die Mathematik, er begreift alles in der vollen Tiefe. Mit zwei Jahren hat er zum ersten Mal am Computer gesessen, danach hat er bisweilen den ganzen Tag dort verbracht, um zu spielen. Aber mit seinen eigenen, selbst geschriebenen Programmen. Es war unglaublich, zu sehen, dass er schon so früh in der Lage war, derart logische Strukturen aufzubauen. Meine anderen beiden Kinder, Sara Nadine und Stephen aber sind völlig normal.

Was haben Sie Ihre Kinder über Computer, Internet oder Technik allgemein gelehrt?

Wenig. Ich möchte, dass sie die Fähigkeit besitzen, Freude in ihrem Leben zu empfinden: Sie sollen eigene Wege und Lösungen finden. Das ist, denke ich, der größte Schlüssel zum Glücklichsein. Einen Computer braucht man dafür nicht.

Eigentlich wollten Sie Lehrer werden.

Ja, und diesen Traum habe ich mir auch erfüllt: Nachdem ich das operative Geschäft von Apple verlassen hatte, habe für acht Jahre Kinder unterrichtet. Das wurde allerdings nie öffentlich gemacht.

Als Sie angefangen haben, Computer zu bauen, war alles neu. Vermissen Sie diesen Pioniergeist von damals?

Oh ja. Ich hatte in jener Zeit längst entschieden, dass ich für den Rest meines Lebens ein Ingenieur sein wollte, der Kreisläufe entwickelt, die dann irgendwelche Dinge in Gang setzen. Ich wollte immer der Beste sein. Aber schließlich hat mich die Realität eingeholt. Ich musste mich mit dem wachsenden Erfolg von Apple immer mehr mit anderen Dingen beschäftigen. Für die geliebte Arbeit fehlte die Zeit. Mir wurde plötzlich klar, dass ich nicht mehr der einfache Ingenieur sein konnte. Das vermisse ich.

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