WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Apple Neues iPhone: Mehr Saft und bessere Bilder

Eine Vorschau auf das für den Herbst angekündigte Betriebssystem „Snow Leopard“, erneuerte Macbook Pro Profi-Laptops, das neue iPhone Betriebssystem 3.0 – hundert Minuten spannten Apples Triumvirat Phil Schiller (Marketing), Bertrand Serlet (Software) und Scott Forstall (iPhone) ihr Publikum gestern Abend auf der Eröffnungsrede zur weltweiten Apple-Entwicklerkonferenz auf die Folter.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Apple-Manager Scott Forstall Quelle: REUTERS

Dann kam endlich das, worauf die rund 6000 Entwickler, Fans und Journalisten im Moscone Konferenzzentrum in San Franciscos Innenstadt gewartet hatten: Nein, kein Überraschungsauftritt und auch keine Videoschalte zu Es dürfte sich wohl an der Offerte orientieren, die es damals für Wechselwillige vom iPhone 2G auf das 3G-Modell gab.

Rein äußerlich unterscheidet sich das 3G S nicht von seinem Vorgänger. Die minimalistische Optik bleibt das Markenzeichen.

Dafür hat sich im Inneren einiges getan:

Das „S“ im Namen steht für Speed – Geschwindigkeit. Ein schnellerer Prozessor, kombiniert mit dem Datenübertragungsverfahren HSDPA (bis zu 7,2 Megabit pro Sekunde) soll Anwendungen doppelt so schnell ausführen wie das iPhone 3G – Fotos flutschen so mit Fingerwisch wesentlich flotter über den Schirm, Landkarten und Webseiten bauen sich schneller auf. Der neue Prozessor erlaubt zudem die Sprachsteuerung von Funktionen wie Abspielen von Musik oder Aufrufen aus dem Adressbuch. Die Kommandos sind dabei von Apple vorgegeben. Allerdings ist die Software in der Lage, die Aussprache der Namen der Gesprächspartner in rund zwanzig Sprachen zu „verstehen“.Ein digitaler Kompass, der automatisch Landkarten mitdreht. Man tippt auf der Karte einfach seine Position an und schon dreht sich die Markierung in die Himmelsrichtung, in die man das Gerät hält. Sehr hilfreich für Zeitgenossen, die Probleme mit räumlichem Vorstellungsvermögen haben.Ein verbesserter Akku – endlich! Zwar betont Apple, dass die derzeitige Akku-Laufzeit im Vergleich mit anderen UMTS-Smartphones sehr ordentlich ist. Doch das tröstet nicht wirklich, wenn der Akku schon am späten Nachmittag stirbt. Mit dem neuen iPhone 3G ist der Abend auch für Frühaufsteher gerettet. Marketingchef Schiller verspricht neun Stunden Surfen im Wifi-Modus, zehn Stunden Video, 30 Stunden Musikbetrieb und zwölf Stunden Telefonieren. Wie sich jedoch eine Kombination aus Telefonaten, Surfen, Videos, Musik und GPS auswirkt, dazu konnte oder wollte keiner der Apple-Manager Aussagen treffen.Das eigentlich neue ist jedoch die integrierte 3-Megapixel-Kamera mit Autofokus, Makrofunktion und Weißabgleich. Sie soll auch mit widrigen Lichtverhältnissen klarkommen. Ein Blitz fehlt jedoch. Die iPhone-Knipse ist nun endlich auch mit einer Videofunktion mit VGA-Auflösung ausgestattet. Clever ist die Bedienung des Autofokus’. Will man beispielsweise eine Blume im Vordergrund scharfstellen und den Hintergrund verschwimmen lassen – einfach das gewünschte Motiv auf dem iPhone Display antippen, fertig. Ob das auch im grellen Sonnenlicht so gut klappt, muss sich noch zeigen. Aber es ist clever gelöst.

Apple Worldwide Developers Quelle: AP

Fantastisch ist die Bildqualität bei Außenaufnahmen unter guten Lichtverhältnissen – sie wird Digital-Kompaktkameras Konkurrenz machen. Zumindest laut den Ausdrucken zu urteilen, die iPhone Produktmanager Eric Jue wiwo.de im Anschluss an die Eröffnungsrede zeigte. Die Aufnahmen in DIN-A4-Größe von der Golden Gate Bridge und einer mit Wassertropfen versetzten Rose waren in Sachen Detail, Farben und Kontrast ausgezeichnet. Jue versicherte, dass die Bilder ohne Nachbearbeitung direkt aus einem der neuen iPhones stammen. Auch das Video einer Strandszene war detailreich, scharf und farbecht. Das iPhone 3G S erlaubt das Herausschneiden und Versenden einer Videoszene, allerdings nur eine zusammenhängenden Sequenz.

Die neuen Kamera- und Videofunktionen sind dem iPhone 3GS vorbehalten. Die Kameras der älteren Generation lassen sich laut Apple nicht via Software upgraden. „Es ist nicht nur Software, das iPhone 3G S hat zusätzliche Hardware für die Funktionen“, erklärt Jue. Was merkwürdig ist, denn mit dem Abspielen von Videos kommen auch die ersten beiden Generationen des iPhones glänzend zurecht. Der Verdacht liegt nahe, dass die verbesserte Kamera nebst Videofunktion ein Köder ist, um bestehende iPhone Kunden zum Umstieg auf die neueste Generation zu bewegen.

Bluetooth und USB endlich möglich

Die Entscheidung dazu ist nicht einfach. Zumal Apple sich großzügig mit seinem neuen iPhone-Betriebssystem 3.0 zeigt, das am 17. Juni weltweit zum Download bereitsteht. Das Update ist für alle iPhone-Nutzer kostenlos. Es liefert eine Fülle von zusätzlichen Funktionen und haucht auch betagten Geräten wieder neues Leben ein, darunter auch das Ausschneiden und Kopieren von Informationen, was es eigentlich schon seit der ersten Generation hätte haben müssen. Ein weiteres Plus für Nutzer: Die Tastatur lässt sich nun in allen Programmen auch im Querformat nutzen, was die Tasten breiter macht und damit leichter mit den Fingern zu treffen.

Endlich ist es auch möglich, das iPhone via Bluetooth oder USB-Kabel als Modem fürs Notebook zu nutzen – eine Selbstverständlichkeit bei anderen Smartphones. Diese Funktion war bislang auf Betreiben der Mobiltelefongesellschaften gesperrt. Bislang ließen sich nur Songs direkt über das iPhone kaufen. Mit dem Update ist das nun auch bei Videos, Filmen und Hörbüchern möglich.

Wichtig vor allem für Geschäftskunden: Informationen lassen sich jetzt aus der Ferne komplett löschen. Der Standort des iPhone lässt sich über den Computer orten, bei Bedarf sogar ein Tonsignal auf dem Gerät aktivieren, selbst wenn es auf Ruhe gestellt ist. Das funktioniert sogar in den eigenen vier Wänden. Doch diesen Komfort gibt es nur mit dem Mobileme-Webservice von Apple, der 79 Euro im Jahr kostet.

Lohnt sich also der Umstieg auf das iPhone 3G S? Für Besitzer des im vergangenen Juli eingeführten iPhone 3G wahrscheinlich nicht. Es sei denn, sie legen Wert auf die verbesserte Kamera und ihre Videofunktion.

Für Nutzer der ersten iPhone Generation, deren Originalvertrag gerade ausläuft, ist die Entscheidung einfacher. Sie bekommen ein flottes UMTS-Telefon, mit leistungsfähigerem und vor allem frischen Akku, eingebautes GPS, Kompass, Sprachsteuerung und wesentlich mehr Speicher.

Schwieriger ist die Entscheidung für Neusteiger. Das iPhone setzt ohne Zweifel bei Smartphones Maßstäbe. Aber es ist auch recht teuer. Zwar hat Apple den Preis für sein Einstiegsmodell halbiert. Doch der ist unerheblich. Denn das eigentlich teuere sind die monatlichen Kosten. Wer vorrangig telefoniert und SMS schreibt, für den ist das iPhone noch immer ein teuerer Luxus. Und bei der Gesprächsqualität war das iPhone zumindest bislang nur Mittelmaß.

Ob das beim iPhone 3G S anders ist, müssen erst Produkttests zeigen. Etwas Geduld lohnt sich hier auf jeden Fall.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%