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Aston Martin Rapide James-Bond-Flitzer für die ganze Familie

Mit dem Rapide bietet Aston Martin eine familienfreundliche Version des James-Bond-Dienstwagens an. Tourenwagen-Ass Bernd Schneider hat ihn für uns getestet.

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Bernd Schneider Quelle: Andreas Körner für WirtschaftsWoche

James Bond hat nie geheiratet oder gar Kinder gezeugt. Insofern stellte sich für den bekannten Geheimagenten auch nie die Frage, wie sich in seinem Einsatzfahrzeug Getränkekisten oder gar Kinderwagen transportieren lassen. Ulrich Bez, der seit einigen Jahren die Geschäfte seines Dienstwagenlieferanten Aston Martin führt, hat jedoch Vorsorge getroffen: Seit Kurzem hat der britische Autohersteller für Geheimagenten oder andere elitäre Zeitgenossen mit Anhang auch einen familientauglichen Sportwagen im Programm, mit vier Türen und vier Sitzen sowie einem geräumigen Kofferraum. Aber ist der Rapide tatsächlich ein „praktisches Familienauto“, wie die Werbebroschüre behauptet? Zusammen mit dem Rennfahrer Bernd Schneider fuhren wir das neue Auto im Schwäbischen Probe.

Schein & Sein

Der neue Aston Martin Rapide

Die Marketingleute von Aston Martin nehmen auch sonst den Mund ganz schön voll. Der Rapide sei „the world’s most elegant four-door sports car“, schreiben die in ihrer Werbebroschüre. „Die Designer“, findet Schneider, „haben gute Arbeit geleistet und ein wohlproportioniertes Auto entworfen, das meiner Frau gefallen könnte: Das knackige Heck, die coupéhafte Seitenlinie und die Front mit den ausdrucksstarken Scheinwerfern ziehen die Blicke auf sich. Der Innenraum, ausgekleidet mit dem Leder von zehn Kuhhäuten, sieht ebenfalls ausgesprochen edel aus – auch wenn ich mich frage, welche Farbe das weiße Leder unseres Testwagens nach einem Jahr Alltagsbetrieb haben würde“, ergänzt Schneider mit einem Lächeln.

Seine Kinder hätten sicher viel Spaß mit dem DVD-Player und den Monitoren vor ihnen in den Kopfstützen der Vordersitze. Leider verfügt der Rapide nur über vier Einzelsitze: „Eine meiner Töchter müsste dann wohl zu Hause bleiben.“ Für Urlaubsfahrten mit der Familie reicht der Rapide ohnehin nicht – der Kofferraum ist knapp bemessen. „Mein C-Klasse-Kombi von AMG schluckt mehr.“

Trotz des teuren Unterhaltungssystems, des tollen Klangs der Soundanlage von Bang&Olufsen und eines gut dosierbaren Klimasystems dürften sich groß gewachsene Menschen nur auf kurzen Strecken wohlfühlen. Aber das ist bei dem fünffachen DTM-Meister nicht der Fall. Hinzu kommt: Trotz eines ausgeklügelten Scharniersystems, das die hinteren Türen elegant nach oben schwingen lässt, wenn am illuminierten Türgriff gezogen wird, ist das Einfädeln in den Fond eine Gymnastikübung. Sportler können damit leben.

Saus & Braus

Der Rapide versteht sich als Gesamtkunstwerk. Dementsprechend ist auch der Zündschlüssel nicht irgendein schwarzes Plastikteil, sondern elitär aus Glas geschliffen. Ein Ersatz-Kristall kostet 1800 Euro. Entsprechend vorsichtig schiebt Bernd Schneider den gläsernen Schlüssel in den dafür vorgesehenen Schacht im Armaturenbrett, um den Motor zu starten. Mit lautem Brüllen erwacht der Zwölfzylinder zum Leben – um sich zwei Sekunden später wieder zu beruhigen.

Elektronisch gesteuerte Klappen im Abgasstrang sorgen dafür, dass der Kampfruf grollend verhallt. Aber auch danach bleibt das Klangbild sportlich, wunderbar satt grummelnd setzt sich der Rapide nach dem Einlegen des Vorwärtsgangs über die Drucktaste D (Wählstock war gestern) in Bewegung. Schneider drückt die Sporttaste und gibt kräftig Gas: Ruck, zuck sind 100 Kilometer pro Stunde erreicht, und nach oben scheint noch viel Luft. Also nichts wie rauf auf die nächste Autobahn.

Gut muss sitzen, edel soll aussehen

Der Motor, bei Ford in Köln in liebevoller Handarbeit gebaut und, wie eine kleine Silberplakette belegt, von einem gewissen Erwin Wiener freigegeben, hängt gut am Gas. Der Rapide zieht mächtig an. Aber bei 240 Kilometer pro Stunde geht ihm ein wenig die Luft aus – bei knapp zwei Tonnen Leergewicht ist das aber auch kein Wunder. Man braucht schon viel Platz und freie Fahrt, um die Spitzengeschwindigkeit von 296 Kilometer pro Stunde zu erreichen.

Nach einer halben Stunde rasanter Fahrt meldet der Bordcomputer nur noch eine Reichweite von 200 Kilometern: Der 90-Liter-Tank ist bei Vollgasfahrten und einem Durchschnittsverbrauch von über 25 Litern ruck, zuck leer gesaugt. Sparsamkeit ist keine Tugend dieses Sportlers.

Schalten & Walten

Aston Martin verkauft den Rapide als reinrassigen Sportwagen. Beim 24-Stunden-Rennen Ende Juni auf dem Nürburgring will Firmenchef Ulrich Bez sogar mit einem Auto dieses Typs an den Start gehen. Er wird sicher Spaß dabei haben: Das Sechs-Gang-Getriebe von ZF arbeitet im Automatikmodus ganz ausgezeichnet, im Komfort- ebenso wie im Sportmodus, der für eine schnellere Gasannahme sorgt. Doch im Rennen geht es nicht ohne manuelle Eingriffe. „Schaltwippen haben sich im Rennsport voll bewährt“, lobt Schneider, der bei der Entwicklung des Mercedes SLS AMG für die Fahrdynamik mitverantwortlich war. Aston Martin hat die Schaltwippen fest hinter dem Lenkrad montiert. „Da haben wir bei AMG eine andere Philosophie: Die Wippen drehen sich mit dem Lenkrad, damit der Fahrer die Hände nicht vom Lenkrad nehmen muss.“ Auch kommt ihm das Zwischengas beim Runterschalten einen Tick zu stark: „Das macht das Fahrzeug leicht instabil und vernichtet viel Energie.“ Die Bremsen verzögern ordentlich und halten den Wagen stabil in der Spur. Die Lenkung spricht gut an, anfangs etwas schwer. Schneider: „Das ist gut, man will das Auto ja fühlen.“

Der Rapide verfügt zudem über ABS, einen dreistufigen Schleuderverhinderer, einen Bremsassistenten sowie ein adaptives Dämpfungssystem. Das war’s allerdings auch schon: Eine spritsparende Start-Stopp-Automatik gibt es ebenso wenig wie Abstandsradar oder ein Spurhaltesystem. Das ist klassische britische Sportwagenphilosophie: Der Fahrer hat die alleinige Verantwortung für das Auto.

Geld & Kapital

Knapp 190 000 Euro kostet ein Rapide in der Basisausstattung, unser Testwagen in Concours blue noch 9300 Euro mehr, die unter anderem in eine Metalliclackierung, klimatisierte Sitze, einen Garagentoröffner sowie ein Unterhaltungssystem für die Hinterbänkler investiert wurden. Ein vergleichbar ausgestatteter und mit 500 PS ähnlich starker Porsche Panamera Turbo ist etwa 35 000 Euro günstiger und verfügt obendrein über einen Allradantrieb. Eine Alternative könnte auch der Maserati Quattroporte Sport GT-S (149 000 Euro in vergleichbarer Ausstattung) oder ein Mercedes CLS 63 AMG (125 000 Euro) sein – Autos mit ähnlicher Performance und Exklusivität, besserer Sicherheitsausstattung, aber „nur“ mit acht Zylindern unter der Motorhaube. Schneider resümiert nach drei Stunden seine Fahreindrücke: „Der Aston Martin Ra-pide ist ohne Zweifel ein gutes Auto, das sich schön fährt und dabei toll aussieht.“ Allerdings sei der Kraftstoffverbrauch wenig schmeichelhaft. Sicher, im Alltag sollten sich bei zurückhaltender Fahrweise Werte von unter 20 Litern erzielen lassen. Herr Wiener sollte da vielleicht noch mal ran.

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