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AT&T-Labore Technik für die Kommunikation von morgen

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AT&T-Chef Randall Stephenson Quelle: REUTERS

Doch vielerorts dürfte das zu Protesten der Kunden führen. Donovan will daher nicht nur ins Telefonnetz investieren, er möchte Einnahmen durch ganz neue Technologien für den Endnutzer ausbauen. So, als beschlösse ein Straßenbau-Unternehmen, auch Autos zu produzieren. Der AT&T-Innovator will vor allem auf mobile Anwendungen und Bewegtbilder setzen.

Sein wichtigstes Instrument sind die AT&T Labs, ein auf Telekommunikation fokussiertes Forschungszentrum, das in den USA rund 1100 Wissenschaftler beschäftigt. Mithilfe der Forscher will Donovan nun unter anderem das Fernsehen neu erfinden. Dafür werden in den Labs beispielsweise Kompressionstechniken getestet, mit deren Hilfe sich drei hochauflösende Fernsehkanäle zugleich über Telefonleitungen ausstrahlen lassen.

Gelänge dies, ließe sich der Fernseher in eine Kommunikationszentrale verwandeln, ohne dass in großem Stil Glasfaserkabel verlegt werden müssten.

Wie das aussehen könnte, demonstriert Peter Hill, Forscher im AT&T Labs in Atlanta. Er sitzt vor einem Flachbildschirm und einer Kamera. Ein Klick auf die Fernbedienung, schon winkt auf dem Schirm ein Kollege aus dem Tausende Kilometer entfernten Austin. Das Bild ist glasklar, weil hochaufgelöst.

Ein weiterer Klick, und es erscheinen Bilder von Verkehrskameras im Großraum Seattle. In vielen Ballungszentren der USA sind solche Kameras installiert. Damit sollen Autofahrer schon bald den Weg ins Büro besser planen können.

Jetzt schaltet Forscher Hill ins TV-Programm und klickt den Programmführer an. „Suche alle Filme mit Clint Eastwood“, sagt er zu seiner Fernbedienung. Ein paar Sekunden später erscheinen auf dem Schirm die gewünschten Filme – einige können über das Internet direkt geordert werden. Aber auch im Fernsehen laufen ein paar „Dirty Harry“-Filme, die Hill nun für eine Aufnahme vormerkt.

Sogar ein gemeinsamer Fernsehabend mit der Familie lässt sich simulieren, selbst wenn deren Mitglieder in verschiedenen Städten leben: Bei dem neu entwickelten Dienst „Collabra-TV“ wählen die Zuschauer Kunstfiguren, sogenannte Avatare. Die werden bei allen Familienmitgliedern während des Films am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Über eine Chat-Funktion können alle miteinander kommunizieren, Kommentare erscheinen als Sprechblasen.

Nicht alles ist neu, manche der Funktionen werden von Unternehmen seit Jahren versprochen. Doch AT&T-Technikchef Donovan stört das nicht: „Die Herausforderung liegt im richtigen Integrieren und Offerieren von bereits vorhandenen Technologien“, sagt er. Erst dann entstehe für Kunden ein Mehrwert, für den sie einen Aufpreis zu zahlen bereit sind.

Deshalb hat Donovan auch keine Scheu, Technologien anderer Hersteller, wie Microsofts per Handstreich steuerbaren Computer-Tisch Surface oder Apples iPhone, für eigene Zwecke einzuspannen. Das Design-Handy zum Beispiel ist nicht nur Mobiltelefon, sondern auch Computer, Unterhaltungsgerät und Spielkonsole. Das AT&T-Team will das iPhone nun auch in die Kommunikationszentrale Fernseher einbinden.

Wie? Vielleicht so: Auf dem iPhone erscheint das Bild einer roten Tomate. Aus dem Handgelenk wird sie in Richtung Fernseher geschleudert – wo sie einen virtuellen Fleck hinterlässt. Splat heißt das Programm, mit dem man alle möglichen Gegenstände auf den Fernseher schleudern kann – zum Spaß oder als Funktion in einem Spiel. Das funktioniert auch beim virtuellen Skat – auf dem iPhone hält man seine Karten und wirft seinen Trumpf zum Stechen auf den Bildschirm.

Wer Hunger bekommt, sagt einfach „Indian Cuisine, New York, 5th Avenue and Broadway“ zu seinem iPhone. Schon zeigt das Gerät in einer Liste die im Umkreis der Straßenkreuzung liegenden indischen Restaurants an. Das Programm basiert auf Watson, einer bei AT&T entwickelten Spracherkennungs-Software.

Wobei Google hier schneller war – der Suchgigant bietet die Suche per Sprache auf dem iPhone seit ein paar Wochen selber an. Donovan muss sich also sputen. Einige Innovationen, verspricht er, kommen schon 2009 auf den Markt.

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