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Autobauer Fiat macht Kunden zu Erfindern

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Stadtauto Mio

Als Fassbender sein Projekt startete, hatte der Designer zunächst einige unruhige Nächte: Würden die Menschen verstehen, was wir von ihnen wollen? Wie würden sie reagieren, wenn Fiat die Ergebnisse präsentiert? Was würde passieren, wenn sich die Teilnehmer falsch verstanden fühlten?

Doch seine Sorgen waren unbegründet. Und der Eifer der Netz-Gemeinde hielt sogar weit über die erste Anfangseuphorie hinaus an. Viele von ihnen kamen sogar persönlich zur Präsentation des Mio in São Paulo.

Fassbenders Ansatz, die Neuentwicklung eines Autos öffentlich zu machen, ist ein glatter Tabubruch für die Branche. Denn traditionell werden neue Modelle unter strengster Geheimhaltung entworfen. Selbst Fassbenders Mitarbeiter müssen normalerweise Handys und Digitalkameras am Eingang abgeben, damit ja nichts nach außen dringt.

Blick für neue Ideen schärfen

Beim Mio war alles anders.

Fassbender ließ sogar eigens ein Gebäude errichten, um die Offenheit zu demonstrieren: Jeder Interessierte kann das luftige, ganz in Weiß gehaltene Mio-Design-Haus auf dem Fiat-Gelände in Betim, rund 500 Kilometer nordwestlich von Rio de Janeiro, durch große Glastüren betreten. Kameras übertragen die Arbeit der Forscher live ins Internet.

In Kurzfilmen präsentierten sie der Netz-Gemeinde regelmäßig den Stand der virtuellen Zusammenarbeit. Und täglich werteten die Fiat-Designer die eingegangenen Vorschläge aus. Sobald sie sich zu Lösungen verdichteten, stellten sie das Ergebnis ins Netz. „Wir haben permanent gelesen, interpretiert und uns vorgetastet“, sagt Fassbender rückblickend.

Sein riskantes Hobby, das Gleitschirm-Fliegen, hat Fassbender seit der Geburt seiner zwei kleinen Töchter aufgegeben. Jetzt gehört ihnen seine ganze Aufmerksamkeit. Zudem hatte seine Frau es satt, ihn immer wieder inmitten der schwer erreichbaren Berge einzusammeln.

Umso entschiedener treibt er seither das Crowd Sourcing voran, schärft täglich seinen Blick für neue Ideen.

Wenn der Deutsche seinen roten Fiat Bravo durch den dichten Stadtverkehr Belo Horizontes lenkt, einer Drei-Millionen-Metropole im Südosten des Landes, mustert er jeden selbst gebauten Spoiler, merkt sich jede neuartige Rückleuchte und vergleicht auffällige Winkel an Seitenfenstern und Kühlerfrontflächen.

So versteht er seinen Job als Designer: Eindrücke zu sammeln und daraus neue Ideen kreieren.

Und so kam er auch auf die Idee für das Open-Source-Design-Projekt. Beim Surfen im Internet fiel ihm auf, wie intensiv Nutzer in sozialen Netzwerken und Blogs über Fiat diskutierten: Was sie gut fanden, was sie ärgerte, was sie gerne besser hätten – all das stand im Netz. Diese Erkenntnisse müssen wir nutzen, dachte er sich. Die Mitmach-Idee war geboren.

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